Dienstag, Januar 31, 2012

Kriegsdienst ist unser Leben!



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 29 – 39

In jener Zeit
29ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.
30Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,
31und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.
32Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
33Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,
34und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.
35In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
36Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
37und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
38Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
39Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.



I

„Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben hier auf der Erde?“ (Ijob 7:1) Wenn wir uns erinnern, was dieser Mann alles durchgemacht hat: den Verlust seines Besitzes, seiner Kinder und schließlich seiner Gesundheit – dann können wir seine Klage verstehen.

Als Kriegsdienst erleben Menschen auch heute ihr Leben in Syrien etwa in der Auseinadersetzung zwischen dem Assad Regime und den Aufständischen; unter ähnlichen Umständen in Ägypten; oder die Obdachlosen, die in diesen saukalten Tagen eine Unterkunft finden müssen, wenn sie nicht erfrieren wollen; oder die Griechen in ihrem aussichtslosen Mühen um Schuldenabbau.

Auch in unserem Leben wird es Etappen geben, in denen wir im Krieg stehen um eine Freundschaft, um unsere Gesundheit, um Freiheit von Abhängigkeiten, um einen erwünschten Lebensstandard.

Das Evangelium erzählt uns auch von vielen Menschen, denen das Leben zum Kriegsdienst geworden ist: von den Kranken und Besessenen, die von den Leuten zu Jesus gebracht wurden (vgl. Mk 1:32) Schauen wir uns an, wie diese Leute ihren Krieg führen: Sie bleiben in ihrem Kampf nicht allein, denn sie befassen Jesus mit ihrem Krieg; sie ziehen Jesus in ihren Krieg mit hinein. Und Jesus hält sich nicht neutral heraus – er wird zum Alliierten dieser Armen: Er heilt sie von ihren Krankheiten und befreit sie von ihren Dämonen (vgl. Mk 1:34) Es verwirklicht sich im Leben dieser Menschen das Psalmenwort: „Wirf deine Sorgen auf den Herrn – er hält dich aufrecht!“ (Ps 55:23) Das ist für uns eine Einladung, in den Kriegen unseres Lebens nicht allein zu bleiben, sondern diese Kriege auszudehnen auf den Herrn, IHN als Feldherren an unsere Seite zu bitten und unsere Kämpfe so zu einem siegreichen Ende zu führen. Im Psalm 144:1 preist der Psalmbeter: „ Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist, der meine Hände den Kampf gelehrt hat, meine Finger den Krieg.“ Wie will er das anstellen, wenn ich den Herrn nicht mit meinen Kämpfen und Kriegen befasse?

Nicht nur die Leute im Evangelium – auch er selber gibt uns darin ein Vorbild – am nächsten Tag frühmorgens: da geht Jesus „an einen einsamen Ort, um zu beten.“ (Mk 1:35) Wir verstehen diese Gebetszeit als Verbindung zwischen dem Geschehen am Vortag und dem, was der neue Tag bringen wird: In diese Zeit der Begegnung mit Gott fließen die Ereignisse des Vortages hinein; vor seinem Vater wird er alles abgelegt haben in dank und Lobpreis. Zugleich wird er neue Weisung, neue Kraft für den kommenden Tag erhalten haben; dies können wir am Gespräch mit Petrus abhören: Der möchte, dass Jesus zu den Leuten zurückkehrt, die ihn alle suchen. Aber Petrus braucht das Leben Jesu nicht planen; Jesus hat bereits einen Plan; beim Gebet ist ihm dieser Plan erneut bewusst geworden; es ist der Plan Gottes: „Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.“ (Mk 1:38)

Das Evangelium zu verkünden – das ist seine Aufgabe; und die liegt wie ein Zwang auf ihm, ähnlich, wie Paulus es in der zweiten Lesung empfindet: „ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1Kor 9:16)

Was bedeutet dies alles für uns? Dass zum Kriegsdienst unseres Lebens nicht nur das Kämpfen allein gehört sondern auch das Innehalten in der Stille, im Alleinsein, im betenden Dasein vor Gott. Das ist die Zeit, in der mir Gottes Atem Frieden und Erfrischung bringt – zugleich Licht und Kraft für den weiteren Kampf; es ist die Zeit, in der mich Gott in Schweigen und Stille unterweist und mir sagt, was ich zu tun habe. Es ist wie das Timeout, in dem der Trainer seine Mannschaft für das weitere Spiel neu motiviert, auf Wichtiges aufmerksam macht, auf Lücken hinweist und so die Weichen auf Sieg stellt.

Achten wir auf diese einsamen Orte in unserem Alltag und lassen wir sie Ziel- und Quellpunkte unseres Lebens werden, wo Gott uns mit seinen Gaben sättigen und wie dem Adler uns die Jugend erneuert. (vgl. Ps 103:5) Es sind Orte besonderer Gegenwart Gottes, an denen wir unsere Aufmerksamkeit ungeteilter auf IHN richten können als sonst. Es ist diese immer wieder vollzogene Ausrichtung auf Gott eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass wir unser Leben dann auch auf unsere Mitmenschen ausrichten können zu deren Segen und Heil. Nur so können wir am Dienst Jesu teilnehmen, das nahegekommene Reich Gottes durch Wort und Tat in unserem Leben zu verwirklichen. Bei Jesus wird unser Kriegsdienst zu einem Friedens- und Freudendienst, zu einem Liebes- und Lebensdienst.


II

Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben hier auf der Erde, so fragt Hiob in der ersten Lesung. (Ijob 7:1)
Wenn wir in die politischen und wirtschaftlichen Krisengebiete unserer Erde schauen – hier in Europa und anderswo, dann müssen wir sagen: Er hat recht!

Wenn wir in der ersten Lesung dann weiter hören:
So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe,
und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.
Lege ich mich nieder dann sage ich: Wann darf ich aufstehen?
Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert –(Ijob 7:3f)
wenn wir das so hören, dann kommt einem unweigerlich der Gastwirt in den Sinn, der nicht schlafen kann, weil die Konkurrenz mehr Gäste hat als er;
oder der Hotelier, dem es den Schlaf raubt, weil er bis über die Ohren Schulden machen musste, um konkurrenzfähig zu bleiben;
oder der Angestellte, der um seinen Job fürchtet;
oder wer wegen mangelnden Überblicks das Konto überzogen hat und nun von Schulden erdrückt wird;
wir könnten die Reihenfolge beliebig fortsetzen;
sie alle erfahren die Worte Hiobs am eigenen Leib.
Für sie alle ist das Leben ein Kriegsdienst, ein Kampf, ein Überlebenskampf.
Aber muss das wirklich so sein?

Vielleicht hat Jesus sich das im heutigen Evangelium auch gefragt: Muss des Menschen Leben Kriegsdienst sein? Darf es nicht auch anders sein?

Denn die Begebenheit, von der Markus uns heute berichtet, ereignet sich an einem Sabbat abends. Für uns Christen Sonntag abends. Jesus kommt gerade von der Synagoge und geht zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und des Andreas. Dort befreit er die Schwiegermutter des Petrus vom Fieber.

Wie nun der Sonnenuntergang den Sabbat beendet und die Leute wieder arbeiten dürfen bringen sie alle Kranken und Besessenen zu Jesus und das ganze Dorf versammelt sich vor dem Haus des Simon.

Ich weiß nicht, ob Jesus müde war. Aber vielleicht hat er in diesem Moment auch etwas davon verspürt, dass des Menschen Leben Kriegsdienst ist hier auf Erden. Nicht dass er selbst im Unfrieden gewesen wäre – aber die Leute haben ihren Krieg zu ihm gebracht. Sie haben ihn in ihren Krieg involviert: In den Krieg um ihre Gesundheit; in den Krieg mit den Dämonen. Und Jesus schafft Frieden: Die Kranken heilt er; die Besessenen befreit er; Jesus macht alles neu; er schenkt neues Leben.

Freunde! Ich glaube auch wir sollten den Kriegsdienst unseres Lebens zu Jesus bringen und uns dabei gegenseitig helfen. Wir sollten uns wirklich nicht genieren, Jesus mit den Kämpfen unseres Lebens zu konfrontieren. Angesichts des heutigen Evangeliums sage ich sogar: Dumm ist, wer das nicht tut! Stolz ist, wer meint, allein seinen Kampf bestehen zu können. Mein Vater sagte immer: Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz!

Ist nur die Frage, wie sollen wir den Kampf und den Krampf unseres Lebens zu Jesus bringen?
Antwort gibt uns das Verhalten Jesu:
In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf
und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
Da habe wir die Antwort: Jesus bringt den Krieg der Menschen und wohl auch seinen eigenen Kampf im Gebet zu Gott; und er tut dies an einem einsamen Ort.

Auch wir sollten wie geschickte Feldherren die Kriege unseres Lebens zum Frieden lenken, dorthin, wo uns zudem der Sieg sicher ist: Wir sollten den Kriegsdienst unseres Lebens im Gebet zu Gott hin bringen, an einem einsamen Ort: an einem Ort, wo kein Telefon ist, kein Radio, kein Fernsehen, keine Zigarette, keine Weinflasche, keine Illustrierte und vor allem  keine Arbeit! Wir müssen uns unbedingt solche Eremitagen in unserem Leben schaffen, sonst werden wir den Kriegsdienst unseres Lebens nie schaffen – vielmehr  werden diese Kriege uns schaffen.

Aber Simon und seine Begleiter eilten ihm nach! Auch uns eilen die Sorgen und Probleme, die Abhängigkeiten und Rücksichtnahmen nach bis hinein in unsere Eremitagen, bis hierher in den Gottesdienst und wollen uns andauernd beanspruchen, so dass wir uns als ihre Gefangenen erleben.

Die Jünger kommen mir wie Manager vor, die ihren Superstar vermarkten wollen. Aber Jesus lässt sich nicht vermarkten; er ist, mit den Worten des Paulus aus der 2. Lesung, von niemandem – auch nicht von seinen Jüngern – abhängig, damit er sich für alle zum Sklaven machen kann, um möglichst viele zu gewinnen. (1 Kor 9:19)

Diese Freiheit ist in seinem Inneren begründet und dort in dem, den er seinen Vater nennt und zu dem er eben gebetet hat; es ist recht eigentlich eine Freiheit von sich selbst. Das kommt im folgenden großartig zum Ausdruck;
die Jünger sagen ihm nämlich: Alle suchen dich!
Er aber antwortet: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

Ich finde das echt stark: Da schreien die Fans nach ihrem Superstar – aber er macht es wie ein Schauspieler, der nach einer grandiosen Vorstellung nicht mehr auf die Bühne kommt, um sich im tosenden Applaus der Menge zu baden – sondern er geht einfach weg.

Wo gibt es das heute noch? Und würden wir das zustande bringen?
Das meinte ich mit Freiheit von sich selbst: Jesus ist nicht gekommen, um sich im Wohlwollen der Leute zu suhlen wie eine Sau im Dreck!

Er ist gekommen, um das Evangelium zu predigen! Und dazu braucht er Freiheit von allen um frei zu sein für alle.
Das ist die Freiheit der Kinder Gottes;
das ist unsere Freiheit,
zu der wir alle in Christus Jesus berufen sind,
zu der wir alle durch die Taufe befähigt sind
und in der wir mächtig sind, die Kriege unseres Lebens siegreich und im Frieden zu beenden.

Gott erneuere in uns diese Freiheit!
Gott stärke uns in den Kämpfen unseres Lebens!
Gott führe uns zum Frieden durch Christus unseren Herrn! - Amen!

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