Samstag, Dezember 31, 2011

Silvester im Herrn

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1: 1 – 18

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.




Wenn heute Nacht wiederum die Raketen steigen, die Sektkorken knallen und wir zum Neujahrstanz das Bein schwingen, um so das Alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen, dann sollten wir dies mit Einsicht und Maß tun – vor allem aber sollten wir es tun in der Haltung christlicher Dankbarkeit und christlicher Zuversicht.
Zu diesen Haltungen kann uns eine tiefere Einsicht in diese drei Markenzeichen der heutigen Nacht führen: die Raketen, die Sektflasche und der Tanz!

So will uns das Feuerwerk der Raketen an das abgelaufene Jahr erinnern: an seine Vielfalt an hellen und dunklen Farben, die Frohes und Leidvolles bedeuten. Es war gewiss für jeden auf seine Art ein buntes Jahr. Wir dürfen wohl sagen, dass nicht nur wir sondern auch unsere Mitmenschen Freude hatten am bunten Feuerwerk unseres Lebens im vergangenen Jahr; auch das Dunkle fügt sich bei allem leidvollen Widersinn doch auch ein in eine größere, umfassende Harmonie, die die ungelösten Fragen dieses Jahres zur Beantwortung unserem Vater im Himmel anheimstellt, in dessen guten Händen wir alle sind.
Das Feuerwerk der Silvesternacht mahnt uns aber auch an das Ende: wie das in den Himmel geworfene Leuchten und Strahlen doch auch wieder verlischt, so geht es auch mit diesem und mit jedem Jahr: es geht zu Ende; so geht es mit der Zeit und mit unserem Leben: es läuft auf ein Ende zu hier auf dieser Welt. Wir werden an das Wort des Paulus erinnert, dass wir hier auf Erden keine bleibende Stätte haben sondern dass wir ein bleibendes Zuhause im Himmel haben.
Wie schreibt doch die hl. Teresa von Avila: Alles vergeht - nur Gott bleibt! Darum soll nichts dich erschrecken und nichts dich ängstigen! Wer sich an Gott hält, dem fehlt nichts! Gott allein genügt.
Mit dem Aufleuchten der Raketen am Himmel soll auch uns wieder das Licht aufgehen von der vielfältigen Schönheit und von der Vergänglichkeit unseres Lebens. Dieses Licht will in uns frohe Dankbarkeit und nüchterne Besonnenheit wachrufen.

Wenn wir dann zu Mitternacht die Sektflaschen öffnen und der Sekt aus der Flasche schäumt dann will uns dies an die überschäumende Lebensfülle erinnern, die Gott uns gegeben hat. Gott hat uns überreich mit Leben beschenkt. Dieses überfließende Leben kommt handgreiflich in unserem materiellen Reichtum zum Vorschein, es kommt noch mehr zur Geltung in der Zuneigung, die wir einander schenken – unüberbietbar jedoch ist diese Lebensfülle in jener Liebe, die Gott uns in seinem Sohn Jesus Christus schenkt, und die wir gerade in der Geburt Jesu feiern. Wenn wir also die Sektgläser heben, dann soll unser Herz wissen, dass unsere Lebensfülle von Gott kommt – gerade so, wie der Sekt aus der Flasche quillt und dass diese Lebensfülle uns anvertraut ist – gerade so, wie dieses kostbare Getränk in eine Sektflöte perlt. Unsere Antwort auf diese Lebensfülle kann nur Dank sein, der sich unbändig dieses Lebens freut, der es in vollen Zügen genießt – der es aber so genießt, dass er beim Umgang mit den irdischen Gütern die himmlischen Güter nicht verliert.

Und sollte es zu guter Letzt dann zum Silvestertanz kommen, dann will dies uns daran erinnern, dass unser Leben etwas lebendiges ist, etwas das sich bewegt, das sich ändert, das unterwegs ist. Wie man beim Tanzen jedoch einem bestimmten und geordneten Schrittmuster folgt so ist auch der Tanz unseres Lebens geordnet vom Schrittmuster der Gebote Gottes. Und wir wissen selber genau – wenn wir dieses Schrittmuster vergessen oder missachten, dann treten wir uns gegenseitig unweigerlich beim Tanzen auf die Füße, was im schlimmsten Falle zum Sturz und zu ernsthaften Verletzungen führen kann.

Wenn also das vergangene Jahr ein weiterer Tanz meines Lebens war – habe ich gut getanzt? Habe ich mich in etwa an die entsprechende Schrittfolge gehalten? Bin ich vom Tanzparkett abgekommen? Habe ich mehr für mich allein getanzt oder zusammen mit meinem Partner, indem ich auf sein Tempo Rücksicht nahm, indem ich ihn geführt habe? Habe auch mich beim Tanzen führen lassen?
Gerade der Silvestertanz sollte so ein Tanz der Erinnerung sein, ein Tanz der Umkehr und der Erneuerung, ein Tanz der Hoffnung, ein Tanz der Dankbarkeit, vor allem aber ein Tanz der Freude.

Wenn ihr also heut Nacht Raketen knallt - dann knallt wenigstens im Herrn;
wenn ihr Sekt trinkt, dann trinkt im Herrn;
wenn ihr tanzt, dann tanzt im Herrn.
Dann habt ihr gut geknallt, gut getrunken und gut getanzt;
das vergangene Jahr ist gut verabschiedet und das neue gut begonnen.

So wünsche ich Euch eine Silvesternacht, die vom Licht der Heiligen Nacht lebt! - Amen!

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