Freitag, Dezember 23, 2011

Euch ist der Retter geboren


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2:1 – 14



1In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

2Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

3Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

6Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,

7und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

8In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

9Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

10der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

11Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

12Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

13Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

14Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.











Jedes Baby ist ein Zeichen dafür, dass Gott Hoffnung hat für die Welt und dass sie in eine Zukunft geht. Besonders gilt dies für das Baby Jesus, das heute im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit steht: Von ihm hören wir: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr!“ (Lk 2:11) Können wir noch mitvollziehen, was mit dem Messias gemeint ist? Die Erwartungen, die auf ihn gerichtet sind? Die Hoffnungen, die er erfüllen werde? Die Reichen und die Satten und die Mächtigen der damaligen Zeit konnten es nicht! Darum wurde diese Botschaft vom neugeborenen Retter auch nicht ihnen verkündet sondern den Hirten, Menschen am Rande der Gesellschaft, am Rande des Wohlstandes, am Rande des Ansehens. Es wurde Menschen verkündet, die nicht mehr viel zu verlieren hatten sondern nur mehr gewinnen konnten. Menschen, die nichts hatten, mit dem sie die Sehnsucht ihres Herzens zuschütten und in die Irre leiten konnten. Es waren Menschen auf freiem Feld, die Nachtwache bei ihren Herden hielten.



Dieses Sein auf dem freien Feld bedeutet, dass sie ansprechbar waren und berührbar. Dass da nichts war, was die Begegnung von Herz zu Herz und von Angesicht zu Angesicht behindert hätte. Da gibt es keine Mauern, die sie abschirmen und unnahbar machen für die himmlischen Heerscharen. Darum sind die Engel auch zu ihnen gekommen und nicht zu Menschen in der Stadt, die eingesperrt waren in den Mauern ihrer Betriebsamkeit und ihrer Geschäfte, ihrer Reichtümer und ihrer Ängste, in den Mauern ihrer Gelehrsamkeit und ihres Wissens, in den Mauern ihrer Genussucht und ihrer Trägheit, in den Mauern ohne Erinnerung und ohne Hoffnung. Sie müssten diese Mauern verlassen und sich auf den Weg machen hinaus aufs freie Feld – dort könnten sie die Botschaft der Engel vernehmen – die Botschaft vom neugeborenen Retter und vom Frieden bei den Menschen seiner Gnade.



Sind wir Menschen auf freiem Feld oder Menschen hinter Mauern? Als Menschen hinter Mauern werden wir dem Kind in der Krippe nie begegnen; denn es ist ein Kind des freien Feldes – ein Kind für Menschen des freien Feldes, wie es eben die Hirten waren. Die Mauern an sich sind nicht das Übel. Das Übel ist in uns, da wir die Mauern missbrauchen, um uns hinter ihnen zu verschanzen und uns nicht der Freiheit des freien Feldes auszusetzen. Wir müssen die Mauern nicht niederreißen – wir müssen uns nur von ihnen trennen, indem wir hinter ihnen hervorkomme; dann können wir als ansprechbare, berührbare Mensch vorkommen. Dann sieht der Herr unsere Augen und nicht Steine und Mörtel; und er kann die Wärme unseres Körpers spüren und nicht die Kälte einer Mauer.



Es zeichnet sich schon ab, was dieses Kind auf den freien Feldern Bethlehems einmal tun wird: es wird nicht auf freiem Felde bleiben, wie es etwa Johannes der Täufer getan hat. Es wird viel mehr in die Städte gehen zu den Menschen hinter die Mauern; er wird an diese Mauern klopfen und die Menschen dahinter hervorholen zur Begegnung mit IHM und in seine Nachfolge.



Ein schönes Bild für die Menschwerdung Gottes ergibt sich daraus: Er lässt sich einmauern mit uns, um die Mauern dieses Gefängnisses von innen heraus zu sprengen und uns aufs freie Feld, das heißt, in die Freiheit der Kinder Gottes hinauszuführen. Ganz elementar wird dies ausgedrückt, wenn er bei seiner Auferstehung die enge Grabkammer sprengt und hinaus ins Freie geht. Wenn er jetzt noch in Mauern anzutreffen ist, dann um seine Jünger aufs freie Feld hinauszuführen. Denn ehe er bei der Himmelfahrt zum Vater zurückkehrt finden wir ihn und seine Jünger auf freiem Feld, wo der Vater ihn zu Bethlehem in dieser Welt hat ankommen lassen.



Dieses Hinausgehen aufs freie Feld zum Kind in der Krippe hat sich übrigens in einem ausdruckstarken Brauch niedergeschlagen: im „Krippele schauen“ Da gehen wir in der Weihnachtszeit von Haus zu Haus, die Krippen bewundern, die dort aufgestellt sind. Jede hat ihre eigene Schönheit. Das verbindende Gemeinsame ist die Botschaft, die sie verkünden, die Botschaft, dass uns im Kind von Bethlehem der Retter, der Messias geboren ist, um alle Menschen zu erretten. Seine Aufgabe ist es, „uns zu erziehen, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.“ (Tit 2:12f.) So kann man die Befreiung aus Mauern zu einem Leben auf freiem Feld auch umschreiben. Amen!

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