Mittwoch, November 09, 2011

... und vertraute ihnen sein Vermögen an


 
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 25: 14 – 30

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
14Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.
15Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab.
16Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu.
17Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu.
18Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld des Herrn.
19Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.
20Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.
21Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
22Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.
23Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
24Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
25weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.
26Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.
27Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.
28Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
29Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
30Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.








Der Mann im Evangelium muss von seinen Dienern eine hohe Meinung gehabt haben, dass er ihnen gleich sein ganzes Vermögen anvertraut und dann zudem noch auf Reisen geht und zwar nicht etwa nur kurz sondern lange Zeit! Er scheint sein Vermögen in besten Händen zu wissen. Dass er seine Diener gut kennt geht daraus hervor, dass er von seinem Vermögen jedem Diener nach dessen Fähigkeiten gibt. Keiner von seinen Dienern ist überfordert mit dem, was sein Herr ihm anvertraut.

Für die Diener hingegen ist dieses Verhalten ihres Herren eine gewaltige Auszeichnung, die sie zu besonderem Eifer und zu besonderer Achtsamkeit im Umgang mit dem Vermögen ihres Chefs angeregt hat. Dies kommt im Gleichnis zum Ausdruck, dass zwei von ihnen sofort beginnen, mit den ihnen anvertrauten Talenten zu wirtschaften. Daran erkennen wir, dass sie das Vertrauen zu schätzen wissen, das ihr Herr ihnen erweist und dass sie den Erwartungen entsprechen möchten, die der Herr in sie hat.

Das Lesen/Hören dieses Gleichnisses möchte meine Aufmerksamkeit zum einen auf mich selber lenken und mir meine Talente in Erinnerung rufen: meine Begabungen, meine Fähigkeiten, meinen Besitz auf den verschiedenen Ebenen. Das alles ist nicht mein Eigentum sondern Vermögen, das dem Herrn gehört, der es mir so anvertraut hat, dass ich damit nicht überfordert bin. Er möchte, dass ich so damit umgehe, dass sich sein Vermögen unter meinen Händen vermehrt – in einem Zeitraum, der dazu mehr als ausreicht, denn der Herr kehrt erst nach langer Zeit zurück. Und dass ich darüber demselben Herrn Rechenschaft werde ablegen müssen.

Alles ist in diesem Gleichnis darauf ausgerichtet, dass ich die lange Zeit bis zur Rückkehr des Herrn damit verwende, sein mir anvertrautes Vermögen möglichst zu vermehren. Der Herr selber ist zwar nicht anwesend; jedoch ist er gegenwärtig im Vermögen, das er in meine Hände gelegt hat: Aus diesem Vermögen heraus spricht er zu mir, dass alles, was ich habe sein Eigentum ist; dass er mir sein Vermögen gegeben hat, weil er mir vertraut und große Stücke auf mich hält; dass er mich mit dem mir Anvertrauten nicht überfordert sondern mich durch und durch kennt und genau weiß, was ich kann und was nicht; dass ich schließlich diesem Herrn Rechenschaft ablegen darf, der mir in Hochschätzung Großes anvertraut hat; dass diese Wertschätzung dann auch bei der Rechenschaft maßgeblich sein wird. So wie mein Herr darf auch ich groß von mir denken!

Dies alles will Leistungsdruck in mir erst gar nicht aufkommen lassen; ich darf unbekümmert und frei mit dem wirtschaften, was mir gegeben wurde. Das wird daraus ersichtlich, dass der Herr in der Belohnung zwischen dem ersten und zweiten Knecht keinen Unterschied macht: Beide sind tüchtige und treue Diener; beide waren im Kleinen treue Verwalter; beiden wird eine große Aufgabe übertragen; beide dürfen schließlich teilnehmen an der Freude ihres Herrn! Ich brauche also nicht auf meinen Nächsten schielen: Wie viel hat der schon? Wie weit ist der schon? Ich darf ganz bei mir bleiben und bei dem, was mir gegeben wurde. Für Brotneid und Konkurrenz ist kein Spielraum.

Die heutige Gleichnisrede möchte mich dazu bewegen, mit neuer Wertschätzung auf mich und mein Leben zu blicken und mit Dankbarkeit, Freude und Hingabe mein Leben so zu gestalten, dass es zu einem Reichtum und zur Freude für den Herrn wird.

Zum anderen möchte die Begegnung mit der heutigen Gleichnisrede mir sagen, dass die Menschen neben und mit mir in ihrer Andersheit ebenfalls talentiert sind und mit mir von ein und demselben Herrn her und auf ihn hin leben. Die Wertschätzung wird sich also von mir auf meine Mitmenschen erstrecken.

So möchte uns zum dritten das heutige Gleichnis davor bewahren, in die törichte Haltung des unnützen Knechtes zu verfallen. Mit ihm gibt sich der Herr am meisten ab, um uns zu sagen, dass das irrationale Verhalten dieses Knechtes eine drohende Gefahr für jeden von uns sein könnte.

Dieser Gefahr widerstehen wir, wenn wir bedenken, was wir im Tagesgebet vorhin gerade gesprochen haben: Dass Gott nämlich der Urheber von allem Guten in unserem Leben ist und dass er unser Herr ist. Dass sein Wille für unser Leben Freiheit bedeutet und dass der Weg zur vollkommenen Freude durch den treuen Dienst vor seinem Angesicht führt. So gesehen ist das Grundtalent, das er jedem Menschen gibt, er selber. Amen!

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