Dienstag, November 22, 2011

Seid wachsam!




Aus dem hl. Evangelium nach Markus 13: 33 – 37


In jener Zeit, sprach Jesus zu seinen Jüngern:
33Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
34Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
35Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
36Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
37Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!








Vom Schlafe aufzuwachen ist das eine, wach zu bleiben und nicht wieder einzuschlafen ist das andere; die Wachsamkeit ist damit gemeint und dazu fordert Jesus seine Jünger auf: „Seht euch also vor und bleibt wach!“ Jesus begründet diese eindringlich Einladung mit ihrer Unwissenheit vom Dasein der Zeit. Was mit diesem Dasein der Zeit gemeint ist verdeutlicht Jesus im Gleichnisbild: Die Zeit ist da, wenn der Hausherr da ist. Um sein Kommen geht es! Mit dem Hausherrn meint Jesus sich selber. Für sein Wiederkommen sollen seine Jünger bereit sein – und das heißt wach sein! Er möchte sie nicht schlafend antreffen! (vgl. Mk 13:36)

Was würde es nämlich bedeuten, wenn sie bei seinem Kommen schlafen? Dass sie nicht auf ihn gewartet hätten! Jesus fordert zu Beginn des Advent von seinen Jüngern die Haltung der Wachsamkeit!

Die Wachsamkeit ist eine innere Gestimmtheit auf Künftiges hin, das jeden Augenblick Gegenwart werden könnte. Christliche Wachsamkeit ist daher ein inneres Ausgespanntsein auf Christus, der jeden Augenblick kommen könnte.

Nun ist diese Haltung nicht nur von der Zukunft bestimmt. Sie wächst aus dem Vergangenen hervor – aus dem Wirken Christi zur Zeitenwende vor über 2000 Jahren. Die wachsame Erwartung Jesu Christi wird genährt von der Erinnerung an sein Heilswirken hier auf Erden, wie es uns die Evangelien berichten.

Es wird außerdem gefördert durch die heiligen Lebenszeichen, in denen Jesus sich seither dauernd jedoch verborgen gegenwärtig setzt; wir nennen diese Lebenszeichen Sakramente. Wachsamkeit auf den kommenden Herrn ist somit zugleich Wachsamkeit auf den gegenwärtigen Herrn, verborgen in der Eucharistie, im Wort der Bibel, in der Gemeinschaft der Kirche, im Nächsten.

Die Wachsamkeit ist wie Dur oder Moll in einem Musikstück; zugleich ist sie wie ein Scanner, der unablässig die Gegenwart abtastet nach dem anwesenden Herrn. Es ist das lebendige, liebende Interesse am Herrn, das die Wachsamkeit für ihn lebendig erhält.

Die Wachsamkeit auf den Herrn ist der Motor unseres christlichen Lebens, in dem die Liebe Gottes in unser Lieben umgewandelt wird. Auch dieser Motor muss gewartet werden: durch das Tun der Liebe, durch die Feier der hl. Messe, durch Buße und Umkehr, durch das Lesen und Hören des Wortes Gottes, durch Gebet als Lobpreis, Dank und Bitte.

Diese Wachsamkeit ist kein selbstverständliches Gut. Sie ist gefährdet durch Angleichung an diese Welt; durch Oberflächlichkeit und Nachlässigkeit in unserer Lebensführung; durch das Versinken in die angewöhnten Bequemlichkeiten eines Lebens, das sich dem Konsum ergeben hat und der öffentlichen Meinung anbiedert. So wird die Wachsamkeit zum Rückgrat eines christlichen Lebens, das aufrecht gehen lässt auch wenn alle anderen gekrümmt gehen. Sie ist das Immunsystem, das vor Verweltlichung als Abkehr von Gott bewahrt.

Die christliche Wachsamkeit ist nicht nur eine Bemühen um beständige Aufmerksamkeit auf den Herrn in den Weisen seines Entgegenkommens; sie weiß auch um all die eben erwähnten Gefahren und nimmt die Mühen und das Leiden auf sich, ihnen zu widerstehen. Sie weiß, dass dies zum Kreuzweg eines christlichen Lebens dazugehört und dass sie in der Auseinandersetzung mit diesen Gefahren reifen und wachsen wird.

Der wachsame Christenmensch gleicht einem Einsamen, der sein Boot über den See rudert; es stürmt, die Wellen gehen hoch und am finsteren Himmel leuchtet nur ein Stern. Auf diesen einsamen Stern fixiert der Bootsmann seine Augen und rudert und rudert durch den nächtlichen Sturm und sagt sich: „Wenn ich den verliere bin ich verloren!“

Er macht es wie G. Campbell Morgan, ein englischer Prediger. Der sagte: „Ich beginne mein Tagwerk nie ohne daran zu denken, dass der Herr kommen und mein Werk unterbrechen könnte um mit dem seinen zu beginnen. Ich warte nicht auf den Tod; ich warte auf IHN!“ Wir hören aus diesem Zeugnis den Psalmbeter heraus: "Gott, du mein Gott, dich suche, meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib, wie dürres lechzendes Land ohne Wasser." (Ps 63:2)

Wir dürfen im Hinblick auf die Gnade christlicher Wachsamkeit mit dem Apostel vertrauen, dass uns keine Gnadengabe fehlen wird, während wir auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn warten! (vgl. 1Kor 1:7) Er sei gepriesen in Ewigkeit! Amen!

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