Mittwoch, November 16, 2011

... das habt ihr mir getan




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 25: 31 – 46

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
31Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
32Und alle Völker werden von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
33Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
34Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.
35Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen;
36ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.
37Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?
38Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
39Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
41Dann wird er sich an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
42Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
43ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.
44Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?
45Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
46Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.







„Am Ende unseres Lebens werden wir nach der Liebe beurteilt“ Dieses Wort unseres Ordensvaters Johannes vom Kreuz wird durch die Erzählung vom Endgericht in großartiger Weise entfaltet. Was beurteilt wird, ist allein die Liebe, die getan oder verweigert wird. Da spielt kein religiöses Bekenntnis eine Rolle, keine Zugehörigkeit zu einem Volk, einer Gruppe, einem Verein; keine Befindlichkeit welcher Art auch immer. Allein die Liebe zählt, die sich in Werken der Barmherzigkeit geäußert hat.

Wie klar stellt Jesus heraus, dass es nicht um das Gefühl sondern um das Tun der Liebe geht. Und wie deutlich wird, dass der Dienst am Nächsten um des Nächsten willen gemeint ist. Es ist daher auch zweitrangig, ob im Nächsten nun der Herrn gesehen wird oder nicht: Die Leute im Gleichnis haben ihn nicht gesehen in den Bedürftigen – dennoch haben sie geholfen; sie haben den Nächsten in seiner Not gesehen; das genügte ihnen zum Helfen – und das lässt sie die Einladung des Weltenrichters vernehmen: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.“ (Mt 25:34)

Diejenigen hingegen, die die Not wendende Liebe verweigert haben, müssen sich anhören: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ (Mt 25:41) Das beklemmende dabei: sie haben eigentlich nichts Böses getan – sie haben „bloß“ das Gute unterlassen; sie begehen durchwegs Unterlassungssünden! Der Herr verweigert sich denen, die sich den Notleidenden verweigert haben.

Durch das Hören dieser Erzählung soll nicht nur unsere Aufmerksamkeit geschärft werden für die Not unserer Mitmenschen sondern vor allem die Bereitschaft, der Not abzuhelfen, indem wir die Werke der Barmherzigkeit tun – der leiblichen und der geistigen.

In diesem Sinne lesen wir im Katechismus 2447: "Die Werke der Barmherzigkeit sind Liebestaten, durch die wir unserem Nächsten in seinen leiblichen und geistigen Bedürfnissen zu Hilfe kommen (vgl. Jes 58:6-7; Hebr 13:3). Belehren, raten, trösten, zurechtweisen sowie vergeben und geduldig ertragen und für die Lebenden und Toten beten sind die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind: die Hungernden speisen, den Dürstenden zu trinken geben, Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen und Tote begraben (vgl. Mt 25: 31-46). Unter diesen Werken ist das Almosenspenden an Arme (vgl. Tob 4:5-11; Sir 17:22) eines der Hauptzeugnisse der Geschwisterliebe; es ist auch eine Gott wohlgefällige Tat der Gerechtigkeit (vgl. Mt 6:2-4)

Das heutige Evangelium ist außerdem eine unschätzbare Hilfe für die rechte Einschätzung unserer Liebe. Es hält uns deutlich vor Augen, dass wir nur eine Liebe haben und wir nicht zugleich Gott lieben und Mitmenschen verachten können. Unsere hl. Mutter Teresa bemerkt ganz richtig, dass wir nie genau wissen können, ob und wie wir Gott lieben; sehr genau können wir jedoch erkennen, ob und wie wir den Nächsten lieben. Darum ist unsere Liebe zum Nächsten auch der Maßstab für unsere Liebe zu Gott! Und genau dies sagt auch das heutige Evangelium: Die Liebe, die wir dem bedürftigen Nächsten erweisen, die erweisen wir Gott!

Will ich also erkennen, ob und wie sehr ich Gott liebe muss ich nur nachschauen, ob und wie sehr ich meinen Nächsten liebe. Oder umgekehrt: So sehr ich den Nächsten liebe so sehr liebe ich auch Gott – nicht mehr und nicht weniger; wenn ich meinen Nächsten verachte, verachte ich auch Gott; wenn ich meinem Nächsten zürne, zürne ich auch Gott.

Wenn wir uns das auf der Zunge zergehen lassen, könnten wir mutlos werden. Jedoch ist dies nicht das Ziel des heutigen Evangeliums. Es will uns vielmehr zu einer nüchternen, realistischen Bestandsaufnahme unserer Liebe verhelfen, damit wir uns gerade in diesem wesentlichen Bereich unseres christlichen Lebens nichts vormachen.

Wie immer diese Bestandsaufnahme auch ausfallen mag – ich darf auf jeden Fall auf den Herrn blicken, der mir selbst als Weltenrichter noch als guter Hirt entgegenkommt, der sich selber um seine Schafe kümmert, der die verloren gegangenen Tiere sucht, die vertriebenen zurückbringt, die verletzten verbindet, die schwachen kräftigt, die fetten und starken behütet. (vgl. Ez 34:16) Es ist so trostreich, dass alles in meinem Leben bei diesem Herrn in besten Händen ist. Amen!

Keine Kommentare: