Mittwoch, Oktober 19, 2011

Wessen Abbild?




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 22: 15 – 21

In jener Zeit
15kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.
16Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person.
17Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?
18Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle?
19Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin.
20Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?
21Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!




Steuer zahlen war im Palästina zu Zeit Jesu ein heikles Thema – nicht nur weil sie durchwegs unverschämt hoch war sondern weil damit auch Stellung bezogen wurde: Wer Steuern zahlte erkannte die römische Herrschaft an und das war zugleich theologisch gesehen ein Affront gegen Gott und seine Herrschaft. Wer die Steuer verweigert deklarierte sich als Feind des Kaisers und als Aufständischer.

Wenn die Pharisäerjünger und die Herodianer Jesus fragen, ob es erlaubt ist, dem Kaiser Steuern zu zahlen, fragen sie damit eigentlich: entspricht es oder widerspricht es dem Willen Gottes, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Darin liegt die Bosheit und die Versuchung der Fragesteller: Sie möchten Jesus verleiten, etwas zu sagen, was dem Willen Gottes widerspricht.

Jesus geht in seiner Antwort nun genau auf die Frage ein, was erlaubt ist, was also dem Willen Gottes entspricht: dem Kaiser soll das des Kaisers gegeben werden, also das, was ihm gehört und was man ihm eventuell schuldet. Was das ist müssen die Leser in ihrer Situation aktualisieren: In diesem Fall sind es Steuern; es können aber auch Respekt oder Gehorsam sein! Was also dem Kaiser gegeben werde soll ist in das Ermessen und in die Verantwortung eines jeden einzelnen gelegt.

Gleichzeitig soll aber auch Gott das Gottes gegeben werden, das heißt das, was man Gott schuldet, was Gott gebührt, wozu Gottes Weisung verpflichtet. Damit wird klar zwischen dem des Kaisers und dem Gottes getrennt. Ich darf also nicht behaupten, weil ich schon Steuern bezahlt habe, brauche ich dem Bedürftigen kein Almosen mehr zu geben. Die Leser müssen auch hier aus der jeweiligen Situation realisieren, wozu sie Gottes Wille und Weisung generell und aktuell verpflichten. Dabei ist für den Gläubigen klar, dass das Tun des Willens Gottes den ganzen Menschen und sein ganzes Leben betrifft.

Damit stellt Jesus klar, dass es zwischen „dem des Kaisers“ und „dem Gottes“ keinen Konflikt geben kann. Dem Kaiser das zu geben, was des Kaisers ist, nimmt Gott also nichts weg sofern zugleich Gott das gegeben wird, was er erwartet.

Des weiteren sagt Jesus durch seine Antwort, dass es nicht nur um einzelne gute Taten geht sondern um das dauerhafte Erfüllen des Willens Gottes. (vgl. Grilli/Langner 348ff.)

Es ist bemerkenswert, wie Jesus in diesem Gespräch vorgeht. Er hat zuerst einmal den Durchblick und erkennt die ungute Absicht seiner Gesprächspartner: Sie wollen seine Lehrautorität in Frage stellen.

Und dann geht er den Dingen auf den Grund, das heißt, er schaut sich eine Steuermünze an und fragt nach Abbild und Aufschrift; beides sagt aus, wem diese Münze gehört. Nachdem im Kaiser der Besitzer dieser Münze benannt wird, soll ihm gegeben werden, was ihm gehört.

Dann geht Jesus aber einen Schritt weiter, mit dem niemand gerechnet und den niemand erfragt hat: Er fügt mit betontem „Und“ an: Und Gott gebt, was Gott gehört! Dieser Schritt ist nur verständlich von seiner umfassenden Hinordnung auf Gott. In dieser Hinordnung wird die Steuermünze mit Bild und Aufschrift des Kaisers zu einer Frage: Wo ist denn das Abbild Gottes und seine Aufschrift drauf? Wo ist die Steuermünze Gottes? Oder noch tiefer: Wer ist die Steuermünze Gottes.

Hierher passt die Geschichte von einem Rabbi, den sein Schüler fragt: Kannst du mir sagen, wo Gott ist? Der Rabbi antwortet ihm: Kannst du mir sagen, wo Gott nicht ist?

Auf der Suche nach der Steuermünze Gottes werden wir fündig bei der Schöpfung des Menschen, von dem es heißt, Gott habe ihn nach seinem Abbild und seinem Gleichnis geschaffen (Gen 1:26) Das heißt dann für den Gläubigen, dass er sich selber ganz und gar Gott zu geben habe, weil er Gott gehört. Aber auch der Andere ist Steuermünze Gottes und also Gott zu geben, weil er Gott gehört.

Wie das geht, sich selber und den Anderen als „Steuermünze Gottes“ Gott zugeben, hat uns der vorgelebt, der als reinstes Abbild Gottes von sich sagen kann: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen!“ (Joh 14:9 vgl. auch Kol 1:15; Phil 1:6) Jesus! Er hat im Hinblick auf Gott und auf die Menschen völlig nach dem Willen seines Vaters gelebt. Wenn auch wir das tun, leuchtet Gottes Abbild und Aufschrift in uns auf und wir geben Gott, was Gott gehört! Amen

Keine Kommentare: