Mittwoch, Oktober 19, 2011

Teresa von Avila





Erneut stehen wir am Hochfest unserer hl. Mutter Teresa von Avila vor dem Herrn. Wir danken ihm, dass er uns diese Frau geschenkt hat als Mutter, als Begleiterin und als Vorbild. Als ihre Kinder blicken wir auf sie in der Hoffnung, dass der Herr uns von ihrem Geist gebe in den Situationen, in denen wir uns befinden. Der aufmerksame Blick auf ihr Leben und ihre Lehre öffnet uns für das, was sie uns geben möchte zur Stärkung, zur Erleuchtung und zur Orientierung.

Wenn wir uns in einer Kirche erleben, deren Glieder schwer miteinander auskommen können; die unter ihrer eigenen Schwäche leidet; die mit Mühe den Weg des Evangeliums geht. Dann blicken wir auf Teresa und sehen, wie sie auf den Zustand der Kirche in ihrer Zeit reagiert hat: sie hat darunter gelitten, sie hat darüber geklagt und sich dabei an den Herrn gewandt; ihre Klage wurde Gebet; und aus dem Gebet ist die Bereitschaft gewachsen, alles ihr mögliche zu tun, um der Kirche zu helfen. Dieses für sie Mögliche war ein konsequentes Leben als Karmelitin. Ein Leben der Hingabe im Gebet und in der Liebe zu ihren Mitschwestern. Bei ihrem Blick auf die Kirche hat sie keine Perspektive gescheut: Sie blieb offen für die einzelnen Dimensionen der Kirche, die sich ihr damals eröffneten.

Die erste Dimension war ihre eigne Unvollkommenheit. Sie ließ sich von einem langen Ordensleben frustrierender Halbheit nicht umbringen sondern war im entscheidenden Augenblick ihres Lebens bereit, angesichts des Herrn an der Geißelsäule, ihr Leben von Grund auf zu ändern, den Halbheiten abzuschwören und fortan dem Gebet und der Nähe des Herrn den absoluten Vorrang zu geben. Frucht dieser Entschlossenheit ist San Jose in Avila, das erste Kloster ihrer Reform – einer Bewegung, die Spanien, Europa und schließlich die ganze Welt erfasste; überall auf der Welt leben und beten und lieben Schwestern im Geist unserer hl. Mutter.

Diese Dimension entdecken wir auch in uns selber: Wir wissen um unsere eigene Unvollkommenheit, Halbheit und Oberflächlichkeit; wir möchten liebevoller und dem Herrn ergebener sein und müssen doch immer wieder unser Versagen erleben. Der erlöste und der unerlöste Mensch in uns liefern sich oft genug einen zermürbenden Kampf. Lassen wir uns von ihr gesagt sein, in diesem Kampf nicht müde zu werden – nicht müde zu werden, im Gebet die Gegenwart des Herrn aufzusuchen, was immer wir auch anstellen mögen.

Die zweite Dimension eröffnet sich ihr in den schrecklichen Ereignissen der Reformation in Frankreich und Deutschland. Ihr wurde bewusst, dass die Kirche in dieser Zerrissenheit ihrem Herrn von neuem unsägliches Leid bereitet; dass er verachtet und geschändet ein weiteres Golgota erleben muss. Das hat auch ihr das Herz zerrissen und ihr äußerst schmerzlich gezeigt, wofür sie zu beten und zu leben hat. Und sie hat dieses Anliegen des zerrissenen Leibes Christi tief in der Gesinnung ihrer Gemeinschaft verwurzelt.

Was sollen wir heute dazu sagen? Mit den Evangelischen kommen wir soweit gut aus, obwohl wir die volle Einheit noch nicht erreicht haben und nach wie vor an einer klaffenden Wunde der Kirche leiden. Daran haben wir uns schrecklicher Weise schon gewöhnt Aber wir Katholiken kommen da untereinander viel schwerer aus: Was gibt es da an bösem Streit, an ungezügeltem Eifer, an schlimmen Unterstellungen, an mangelnder Bereitschaft, das Gute in den anderen anzuerkennen. Was gibt es da nicht auch für Missstände im Klerus und Gleichgültigkeit unter den Laien; Was macht das alles mit uns? Zerreißt das auch unser Herz? Oder ist es bereits zu hart, zu träge, zu gefühllos dafür? Möge uns Teresa da von ihrer eigenen unergründlichen Berührbarkeit schenken und ein Herz das zerreißbar ist wie ein Blatt Papier!

Zu dieser Dimension gehört auch, was sie aus Amerika erfahren hat über die dortigen Indianer und über den Umgang mit ihnen. Entsetzt war sie darüber und hat ihr Herz geweitet für diese Menschen. Ihr ist in diesem Zusammenhang die weltweite Bedeutung der Karmelberufung deutlich geworden. Wie die Seelenburg ist ihr Herz geworden – offen für jedes Anliegen und jede Not. Der Herr hat dem Gebet ihrer Schwesterngemeinschaft die ganze Welt anvertraut.

Unsere hl. Mutter erbitte auch uns ein wahrhaft betendes Herz, das mit den Frohen sich freut und mit den Leidenden leidet – immer jedoch in der Gegenwart des Herrn – die möge uns immer stärken und trösten, erleuchten und froh machen. Amen!

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