Mittwoch, Oktober 19, 2011

Ladet alle ein!


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 22: 1 – 14

In jener Zeit
1erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
2Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.
3Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
4Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
5Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,
6wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
7Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
8Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden.
9Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.
10Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
11Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte.
12Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen.
13Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.
14Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

Es ist einfach berührend, wie der König bemüht ist um die Gäste für die Hochzeit seines Sohnes. Ein Bild dafür, wie sehr Gott möchte, dass wir Menschen in sein Reich der Himmel eintreten.

Zuerst lässt er eingeladene Gäste durch seine Diener rufen. Die aber wollten nicht kommen! Sie hatten kein Interesse an der Hochzeit.

Der König versucht es noch einmal – eindringlicher, indem er ihnen das Mahl schmackhaft macht; das Wasser soll ihnen im Mund zusammenrinnen: Das Mahl ist fertig! Die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit!

Die Reaktion der Geladenen ist noch krasser: sie kümmert das alles nicht; es lässt sie kalt; lieber gehen sie auf den Acker und in den Laden arbeiten als eine Hochzeit mitzufeiern. Eine Motivation für dieses Verhalten wird nicht angegeben; es ist grundlos böse – was sich besonders in jenen zeigt, die die Diener des Königs misshandelten und umbrachten!

Wir sehen: es liegt nicht am König, dass die Geladenen nicht an der Hochzeit teilnehmen. Es liegt an ihnen selber: an ihrem Desinteresse. Sie haben sich selber ausgeladen.

Dieses fehlende Interesse am Reich Gottes wird auch an jenem Mann erkennbar, der keine hochzeitliche Kleidung anhatte. Alle anderen hatten sich trotz der zeitlich knappen und überraschenden Einladung doch irgendwie und so gut wie möglich hergerichtet, weil ihnen an der Einladung zu diesem Mahl gelegen ist. Dieser eine Mann aber, den der König noch liebevoll mit „mein Freund“ anredet, weiß keine Antwort auf die Frage des Königs! Der hätte jede Entschuldigung akzeptiert. Dieser Mann hatte keine Worte weil er kein Interesse an diesem Hochzeitsmahl hatte. Ihm ging es bloß ums Essen und Trinken. Darum ist er deplaziert und wird entfernt.
Die völlig unbegründete, unverständliche und böse Ablehnung der Geladenen kann die Offenheit des Königs nicht schmälern. Vielmehr schickt er seine Diener jetzt hinaus auf die Straßen, um alle ausnahmslos einzuladen, die sie Treffen – Gute und Böse. Bei den Bösen ist dabei an jene zu denken, die damals am Rande der Gesellschaft lebten, die Zöllner, Sünder und Huren. Für alle ist an der Hochzeitstafel im Himmelreich Platz; jeder ist willkommen. Wirklich jeder? Ja, jeder, der die Einladung freudig und so gut er kann annimmt.

Dieses Gleichnis ist an alle gerichtet: an die Zuhörer Jesu damals –an die Hohenpriester und Ältesten des Volkes gleichermaßen wie an seine Jünger – an die Gemeinde des Matthäus und an uns heute, die wir uns um dieses Wort versammelt haben.

Unser Interesse am Reich Gottes erkennen wir zum Beispiel daran, dass wir uns fragen, in welchen der erzählten Personen wir uns wiederfinden: Gehören wir zu den Dienern, die der König geschickt hat, die Geladenen zur Hochzeit zu rufen? Und die immer wieder die Einladung des Königs überbringen, auch wenn sie auf Desinteresse stoßen und gar wegen ihres Dienstes verachtet und verfolgt werden?

Oder sind wir jene Eingeladenen, die dieser Einladung nicht wert sind, weil sie gar nicht wissen, was ihnen da geschieht, weil sie sich gar nicht für das Reich Gottes interessieren und ihr Interesse auf dem armseligen „Himmelreich“ ihres Feld oder ihres Ladens stillen.

Oder zählen wir zu jenen, die von dieser Einladung völlig überrascht wurden und nicht wissen wie ihnen geschieht und wie sie dies verdient haben; die kaum Zeit hatten, sich halbwegs dafür herzurichten; die sich anfangs nicht ganz wohl fühlten und erst durch die herzliche Wärme des Königs am Hochzeitstisch des Himmelreiches beheimatet wurden.

Vergessen wir auf jeden Fall nicht Jesu abschließendes Wort: Viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt! Das sagt Jesus im Präsens; das heißt, der Ruf zum Hochzeitsmahl ergeht nach wie vor; die Erwählung bleibt bestehen! Werden wir uns dessen von neuem bewusst, freuen wir uns darüber, kehren wir nötigenfalls um und tun wir unser Möglichstes, dieser Einladung zu folgen. Amen! (vgl. Grilli/Langner 340ff.)

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