Dienstag, Oktober 18, 2011

Erwartete Früchte bringen



Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 21: 33 – 44

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:
33Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.
34Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.
35Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie.
36Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.
37Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
38Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.
39Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.
40Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?
41Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
42Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?
44Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.
43Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.



„Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.“ (Mt 21:43)
Erst mit diesen Worten sagt Jesus, dass mit dem Weinberg das Reich Gottes gemeint ist. Und um diesen „Reich Gottes Weinberg“ ist ein großes Geriss: Der Gutsbesitzer fordert zu Recht von den Pächtern seinen Anteil am Weinberg; diese verweigern zu Unrecht den Pachtzins und wollen ihn schließlich überhaupt ganz in Besitz nehmen.

Der Ausgang dieses Konfliktes wird für die Pächter schlimm enden; er ereignet sich aber in der Zukunft; das bedeutet, dass die Pächter noch die Chance zur Umkehr haben, damit sie sich mit dem Gutsbesitzer einigen.
Es ist auch die dominante Stellung des „Reich Gottes Weinbergs“ bemerkenswert: Dass etwa viele Sklaven des Gutsherrn und schließlich sogar sein Sohn bei diesem Konflikt ums Leben gekommen sind wiegt nicht so viel als wie der rechte Umgang mit dem „Reich Gottes Weinberg“. Alles ist ihm untergeordnet.
Mit diesem Gleichnis spricht Jesus seine Zuhörer damals und heute an. Der erst in Zukunft in Aussicht gestellte Ausgang des Konfliktes nimmt uns alle in Pflicht und lässt uns fragen, wie den der „Reich Gottes Weinberg“ denn ausschaut, den Gott mir anvertraut hat? Und ob ich bereit bin, seine Früchte zu teilen?

Die Pächter des Weinbergs haben im Gleichnis offensichtlich eigne Pläne mit dem Reich Gottes. Sie wollen es für sich behalten und mit niemandem teilen. Das heißt, sie haben eine bestimmte Vorstellung vom Reich Gottes und wer sich diesen Vorstellungen nicht anschließt, wird eliminiert wie die Sklaven und der Sohn des Gutsbesitzers. Ihr Verhalten ist von extremer Intoleranz geprägt. Erliegen auch wir der Gefahr, das Reich Gottes ausschließlich nach unserer Fasson zu gestalten und es so verschließen für andere. Wir wollen so etwas Geschlossenes und für andere Verschlossenes machen aus einer für alle offenen Wirklichkeit.

Die Offenheit des Reiches Gottes kommt von der Offenheit Gottes selber her. Im Gleichnis dargestellt im Verhalten des Gutsbesitzers: Der legte mit aller Sorgfalt einen Weinberg an mit hohem Zaun, Kelter und Turm. Und nun behält er ihn nicht für sich sondern übergibt ihn Pächtern: auch die sollen von diesem Weinberg leben. Und er vertraut ihn ganz an, so sehr, dass er sogar in ein anderes Land zieht.

Die Offenheit des Reiches Gottes ist zudem eine Größe, die ihm nicht genommen werden kann. Der Gutsbesitzer im Gleichnis sorgt für ihren Bestand, indem er den Weinberg den verschlossenen Pächtern nehmen und ihn einem anderen Volk geben wird, das die erwarteten Früchte bringt.

Außerdem ist diese Offenheit etwas, das dem Gutsbesitzer überaus wertvoll ist: er setzt dafür seine Sklaven und schließlich seinen Sohn ein. Sie gibt er her in der Einforderung der Früchte des Weinsbergs, das heißt also dafür, dass das Reich Gottes eine lebendige, Leben spendende, offen zugängliche Wirklichkeit bleibt.

Da wir unsere Kirche als diesen Weinberg sehen sollen und als wachsende Verwirklichung des Reiches Gottes hier auf Erden, entdecken wir auch in ihrer Geschichte immer wieder dieses Ringen um Offenheit und gegen das Verschließen vor bestimmten Menschen. Die Kirche darf nicht einem Club von auserwählten Pächtern gehören. Sie gehört aller Welt und allen Menschen. Exemplarisch möchte ich in diesem Bemühen um eine offene Kirche auf das 2. Vaticanum verweisen. Aber dieses Ringen setzte sich seither fort und hält uns nach wie vor in Atem, wie das heftige Bemühen um die Bewältigung der Probleme in unserer Kirche jüngst zeigt.

Als Christen stehen wir alle mitten in diesem Prozess. Wir sind berufen kraft unserer Gotteskindschaft, die wir in der Tauf geschenkt bekamen, im Weinberg der Kirche zu arbeiten und gemäß unser Aufgabe Frucht zu bringen. Dabei mag uns ein Wort aus der heutigen 2. Lesung Orientierung geben: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! (Phil 4:8) Auf diese Weise hat Gott uns in seiner Güte mehr gegeben als wir verdienen und größeres, als wir erbeten haben. Setzten wir alles darein, dieser großen Gabe gemäß zu leben und zu wirken. Amen!

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