Donnerstag, Oktober 27, 2011

Einer nur ist euer Meister!




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 23: 1 – 12

1In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger
2und sprach: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt.
3Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.
4Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen.
5Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang,
6bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben,
7und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich grüßen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen.
8Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.
9Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.
10Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.
11Der Größte von euch soll euer Diener sein.
12Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.





Wenn Jesus heute im Evangelium die Lebensführung der Schriftgelehrten und Pharisäer unter die Lupe nimmt tut er dies mit liebenden Augen. Nicht Sensationslust leitet ihn sondern die Sorge um ein wahrhaftiges Leben seiner Zuhörer. Er ist nicht ein Reporter, der mit Skandalmeldungen die Auflage seiner Zeitung in die Höhe peitschen möchte sondern der Sohn jenes Gottes, der nicht nur Hörer und Verkünder sondern auch Täter seines Wortes haben möchte. Hören, Reden und Tun soll eine Einheit ohne Widerspruch sein. Jesus kann völlig zu Recht die Worte des heutigen Evangeliums aussprechen, denn er ist der, dessen Wort und Tat in völligem Einklang mit dem Willen Gottes stehen.

Wenn Jesus seine Worte an das Volk und an seine Jünger richtet, dann nicht, um ihnen zu sagen: schaut wie schlecht und heuchlerisch und inkonsequent eure religiösen Führer sind; er redet sie vielmehr deshalb an, weil er sie vor diesen Fehlhaltungen bewahren möchte. Er weiß, dass auch sie gefährdet sind. Somit sind die heutigen Worte Jesu ein Spiegel, den er seinen Jüngern zu allen Zeiten vorhält und sie fragt: Ist euer Leben eine heilige Einheit? Lebt ihr, was ihr predigt? Oder seid ihr euch zumindest eurer Inkonsequenz bewusst und bemüht ihr euch ehrlich, eurer Berufung gemäß zu leben? Wenn ihr die Leute zum Beten einladet, seid ihr dann die ersten oder zumindest die Letzen die beten? Und wenn ihr sie zum Fasten ermuntert, steht ihr dann mit ihnen unter der Entsagung? Und wenn ihr von den Leuten ein keusches Leben verlangt, meidet ihr dann in Gedanken und Werken Ausschweifung und Unzucht?

Das heutige Evangelium muss wie eine brennende Desinfektion Tropfen für Tropfen in die eitrigen Wunden eines inkonsequenten und unehrlichen Lebens träufeln und uns so lange schmerzhaft an das erinnern, was unserer Berufung als Mensch, als Christ, als Seelsorger widerspricht, bis wir zumindest den Weg der Umkehr und der Erneuerung hin zu einem Leben gehen, indem sich alles im Denken, Reden und Tun mehr und mehr allein auf Gott hin ausrichtet.

Es ist erschütternd, dass Jesus ausgerechnet an den religiösen Führern des Volkes Fehlhaltungen aufzeigt, die er bei den anderen Leuten nicht kritisiert. Man möchte doch meinen, gerade die religiösen Führer sollten von diesen Fehlhaltungen frei sein: Von der Heuchelei; davon, dass sie den Menschen durch die Auslegung der Gebote Gottes das Leben schwer machen; von der Ehrsucht. Und was sie von all dem freihält sollte doch eigentlich ihre Nähe zu Gott sein! Wie ist es nur möglich, mit dem Wort Gottes täglich ganz eng auf Tuchfühlung zu sein, täglich Gottesdienst zu feiern und so Gott ganz nahe zu sein – und dennoch in diesen Fehlhaltungen zu leben – und gebe Gott in nicht noch viel schlimmeren!? Müsste diese Nähe zu Gott nicht gleichsam von alleine eine Angleichung an Gott selber bewirken, so dass die Diener Gottes ungetrübt Gottes Güte den Menschen weitergeben? Offenbar nicht!

Aber warum nicht? Weil die Diener Gottes nicht zuerst Übermittler der Liebe Gottes an die Menschen sein dürfen! Zuerst müssen sie selber Gemeinte und Betroffene, weil Getroffene der Liebe Gottes sein! Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Gnade, die Liebe und das Leben Gottes an ihnen vorbei zu den Menschen fließt. Sie müssen Mitbetroffene, ja zuerst Betroffene sein von Gott – von seiner Gegenwart, seinem Wort, seinem Willen, seinem Leben!

Wem viel gegeben wird, von dem wird um so mehr gefordert, hat Jesus selber einmal gesagt. Im Hinblick auf die Diener Gottes bedeutet dies, dass sie sich in Gottes Gegenwart begeben zuerst einmal um ihrer selbst willen – und dann erst um der Menschen willen, zu deren Dienst sie bestellt sind.

Schauen wir nur auf die Jünger Jesu: Bevor die zu den Menschen geschickt wurden hat der Herr sie in seine Nähe gerufen und sie durch ein Leben in seiner Gegenwart gebildet und geformt zu seinen Zeugen! Und was für eine Schule haben sie da durchlebt an Selbsterkenntnis und an Erkenntnis des dreifaltigen Gottes. Sie haben gelernt, Jesus Rabbi und Meister zu nennen und Gott Vater! Sie haben gelernt zu dienen und ihr Leben hinzugeben.

Das ist eine Lebensschule für die Jünger Jesus – eine Schule, die ein Leben lang dauert, nur in ihr können sie Jesus nachfolgen und sein Evangelium wirkmächtig zu den Menschen bringen. Hier auf Erden ist diese Schule der Platz von uns Christen, wir können sie auch Kirche nennen. Amen!

Keine Kommentare: