Sonntag, Oktober 30, 2011

Der Heiligen Verdienste




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 5: 1 – 12a

1Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
11Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.





Mit Freude feiern wir heute die Verdienste aller Heiligen. Diese Freude ist nicht automatisch da; mit dieser Freude möchte Gott uns beschenken. In dieser Freude lenkt Gott unsere Aufmerksamkeit auf Menschen wie Du und ich, die sich besonders verdient gemacht haben.

Es ist wie im öffentlichen Leben: Wenn sich da Menschen durch ihr Wirken besonders hervortun, kommt früher oder später eine öffentliche Persönlichkeit und ehrt diese Menschen, indem sie ausdrücklich auf das hinweist, was diese Leute in hervorragender Weise getan haben; diese Ehrung wird dann zumeist ausgedrückt in einer Urkunde, einem Ehrenzeichen, einer Medaille oder einem Pokal.

Gerade dies geschieht auch am heutigen Fest: Auf alle Heiligen wir hingewiesen: seht doch ihre Verdienste! Nun werden weder einzelne Heilige noch einzelne Verdienste hervorgehoben. Es wird hingegen gesagt, dass es sich um eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen handelt, die niemand zählen konnte. (vgl. Offb 7:9) Offenbar eine internationale Versammlung, ein weltweites Meeting; nicht unterschieden in Mann und Frau, arm und reich, klein und groß. Diese Unterschiede spielen alle keine Rolle. Die haben mit dem Verdienst dieser Heiligen nichts zu tun.

Worin besteht aber dann ihr Verdienst? Wir lesen,
dass sie vor Gottes Thron und vor dem Lamm stehen (mit dem Lamm ist Christus gemeint) – in weißen Gewändern und mit Palmzweigen in den Händen;
dass sie etwas mit lauter Stimme rufen: „Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.“ (Offb 7:10). Und am Schluss der ersten Lesung hören wir dann noch,
dass sie „aus der großen Bedrängnis kommen und dass sie ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht haben.“ Also: Vor Gott stehen – jenen Gott als Retter preisen, den sie in der großen Bedrängnis ihres Lebens auch als Retter erfahren haben. So sieht Johannes in einer Vision die Schar der Heiligen und ihre Verdienste.

Wie unsere Träume nun ihren Grund in der Wirklichkeit unseres Lebens haben so ist auch die Vision des Johannes aus dem Leben dieser Menschen emporgewachsen: Was Johannes in der Vision von diesen heiligen Menschen schaut, das haben sie zuvor in ihrem irdischen Leben verwirklicht: Sie sind auch hier auf Erden vor Gott gestanden, der auf dem Thron sitzt und vor dem Lamm; sie haben auch hier auf Eden jenen Gott als Retter bekannt, der sie auch wirklich aus ihrer Bedrängnis erretten wird.

Wir können aus all dem die Verdienste der Heiligen auf einen einfachen Nenner bringen:
Heilige sind Menschen, die in der Gegenwart Gottes leben;
es sind Menschen, die von jenem Gott reden, mit dem sie leben.
Und das ist zugleich das, was Heiligkeit ausmacht: In der Gegenwart Gottes zu leben – hier auf Erden und jenseits im Himmel! Und diesen gegenwärtigen Gott als den zu bezeugen, der im Lamm Gottes, in Jesus Christus, zu uns gekommen ist, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen und uns so zu erlösen.

Deswegen zeichnet es Heilige aus, dass in ihrer Gegenwart Gottes Gegenwart spürbar wird – ob sie das wollen oder nicht. Gott haftet ihnen gleichsam an wie ein herrlicher Duft, ein Parfum, das sie nicht loswerden können.
Sie sind wie die Strahlen der Sonne: In die Sonne kann man nicht schauen, ohne zu erblinden; aber im Licht der Sonnenstrahlen können wir die Welt in ihrer wunderbaren Schönheit wahrnehmen. Die Verdienste der Heiligen ist all das, was Gott ihnen geschenkt hat, dass sie es dankbar annehmen, und sich im Teilen mit den Mitmenschen daran erfreuen. Es ist der Segen, den Gott durch sie verschwenderisch ausbreitet auf ihre Mitmenschen und auf die ganze Schöpfung.

Ein besonderes Verdienst der Heiligen ist es, dass wir an ihnen unsere schönste Berufung erkennen können: In der Gegenwart Gottes zu leben und ihn durch Wort und Tat als unseren Erlöser und Heiland zu preisen. In ihrem Wesen ist unsere christliche Berufung Berufung zur Heiligkeit! Aufgrund unserer Taufe haben wir deshalb bereits alle m Glauben, Hoffen und Lieben Anteil an ihrer Gemeinschaft. Die gemeinsame Berufung verbindet uns miteinander und bindet uns durch die Gotteskindschaft an den dreifaltigen Gott, der gepriesen sein in Ewigkeit! Amen!

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