Samstag, September 10, 2011

Kreuzerhöhung




Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 3: 13 – 17

13Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
14Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
16Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.





Liebe Schwestern!

Euer Karmel trägt den Namen des Heiligen Kreuzes. Darum feiern wir heute zu Kreuzerhöhung das Patronatsfest eures Karmelklosters. Wie die Schlange an der Signalstange und unser Herr am Kreuz so ist auch eurer Karmel erhöht auf diesem Heiligen Berg. Der Heilig Kreuz Karmel auf dem Heiligen Berg ist eine besondere Einladung zur Heiligkeit für eure Gemeinschaft. Zur Heiligkeit in der Form der Erhöhung.

Eine Form dieser Heiligkeit klingt in der Geschichte mit der erhöhten Schlange an: Sie zeigt sich zuerst im Verhalten des Volkes und dann im Beten des Mose. Das Volk wendet sich in Erkenntnis seiner Schuld an Mose, er möge zum Herrn beten um Befreiung von der Plage. Das Volk und Mose richten in Bitte und Gebet ihren Blick zum Herrn empor, der in der Höhe thront. Sie richten ihre ganze Aufmerksamkeit empor zu Gott und erhöhen sich selber samt ihrer Erbärmlichkeit zu Gott, dem Höchsten.

So gehört es zu eurer Heiligkeit, dass ihr eure eigene Armseligkeit und Not sowie die Armut und die Not, die zu euch den Berg heraufgetragen wird – dass ihr all dies in beständigem Gebet zu Gott bringt und es in seine Heiligkeit und Herrlichkeit erhöht. Euer Gebet ist ein Dienst der Erhöhung, den die Menschen und die Kirche zurecht von euch erwarten aufgrund eurer Karmelberufung. Mit eurer und der Menschen Not erhöht ihr euch selber und die Menschen in die Heiligkeit Gottes – in der Hoffnung, dass ihr dort Erlösung findet.

Unser Erhöhen im Gebet ist ein Streben aus unserer Herzmitte heraus; es ist ein Ausrichten der Kräfte unseres Leibes und unserer Seele auf Gott. Dies ist uns aber möglich, weil wir zugleich von Gott zu sich erhöht werden. Er zieht uns an sich, um uns zu erlösen und aus der Not zu befreien. Er zieht uns an sein Herz, um uns von den Quellen des Heiles trinken zu lassen.

Dabei stellen uns die neutestamentliche Lesung und das Evangelium Gott in einer wunderbaren Harmonie vor Augen: So hören wir im Evangelium von der Liebe Gottes zur Welt, die so groß ist, dass er seinen einzigen Sohn hingab. In der Lesung hingegen hören wir vom Sohn selber, wie er sich einfügt in diese unfassbare Liebe des Vaters zur Welt: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2:6-8)

Wir erleben hier ein Bestreben, einen Willen, ein Ziel des dreifaltigen Gottes – unsere Erlösung. Diese Einstimmigkeit Gottes für unsere Erlösung ist eine Einladung an uns, dass auch wir uns in diesen Willen Gottes hinein erhöhen, damit Erlösung an uns auch geschehen kann; das heißt, wir sind eingeladen, uns diesem Geschenk zu öffnen und uns erlösen zu lassen. Wir finden hier eine weitere Form der Heiligung durch Erhöhung: Durch den Glauben erhöhen wir uns hinein in den erlösenden Gott und lassen uns von seiner erlösenden Liebe wie von einem Mantel umhüllen: deswegen fährt Johannes im Evangelium fort: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3:16)

Nun können wir noch ein Weiteres den hl. Schriften entnehmen: Moses heftet tatsächlich eine Kupferschlange an eine Fahnenstange; und Gott hat seinen Sohn wirklich hingegeben, indem er ihn am Stamm des Kreuzes erhöht hat sterben lassen; und dem entsprechend ist Jesus tatsächlich den Weg hinauf an das Kreuz gegangen. Das heißt Gott hat seinen Erlösungswillen eins zu eins umgesetzt in die Erlösungstat. Er hat seinen Willen, uns zu erlösen erhöht hinein in sein erlösendes Tun.

Und hier eröffnet sich uns nun eine dritte Form unserer Heiligung durch Erhöhung: Dass wir unserem Aufblick zum erhöhten Herrn unser Herz, unseren Willen und unser ganzes Leben folgen lassen; dass also unser Aufschauen zum Herrn am Kreuz sich umsetzt in die Kreuzesnachfolge. Wir erhöhen unseren Aufblick zu ihm hinein in die Verwirklichung seines Aufrufes: Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (vgl. Mt 16:24 parr.)ß

Der Herr schenke uns heute am Fest Kreuzerhöhung allen die Begeisterung, dass wir uns zu ihm erhöhen lassen im Gebet, im Glauben, in der Nachfolge. So möchte der Herr, dass wir sein Fest Kreuzerhöhung feiern – nicht nur heute sondern täglich. Amen!

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