Montag, September 05, 2011

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?






Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 16:13 – 20

In jener Zeit,
13als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?
14Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.
15Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
16Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!
17Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
18Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.
20Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.




Jesus macht sich selber zum Mittelpunkt des Gespräches, das er heute mit seinen Jüngern führt. Er will wissen, was die Leute von ihm denken. Ihm ist dies offensichtlich nicht egal; und auch seinen Jüngern soll es nicht egal sein. Die Antwort der Jünger ist breit gestreut: Johannes der Täufer, Elias oder sonst ein Prophet – daran denken die Leute, wenn sie Jesus reden hören und handeln sehen. Und sie haben nicht ganz Unrecht, denn von jeder dieser Persönlichkeiten ist etwas in Jesus enthalten.

Nun fragt Jesus seine Jünger direkt: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Die Frage lässt erkennen, dass Jesus von seinen Jüngern eine andere Antwort erwartet, da sie doch in einem anderen Verhältnis zu ihm leben – direkter, unvermittelter, persönlicher, näher. Und Petrus antwortet: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.

Es ist nun bemerkenswert, dass Jesus diese Antwort nicht als Frucht eines größeren Nahverhältnisses zu ihm bezeichnet sondern als Offenbarung von Jesu Vater im Himmel. Jesus zu kennen kann man sich also nicht erarbeiten durch Bemühen um größtmögliche Nähe zum Herrn. Jesus zu kennen ist bleibend ein Geschenk von Jesu Vater. Das Bemühen um Nähe zu Jesus bringt nicht zwingend Erkenntnis Jesu mit sich; die zu geben bleibt Gott frei. Er gibt sie, wem und in welchem Ausmaß er will.

Das lässt uns Wichtiges erkennen für unsere Beziehung zum Herrn und unsere Beweggründe dazu: Das Streben, Jesus nahe zu sein, darf nicht verzweckt werden: Es muss ein Sein bei Jesus sein ohne weil. Es muss einfach sein. Dieses weillose Verweilen bei Jesus hat Jesus zum Ziel und ihn allein. Nur in diesem weillosen Verweilen geben wir Jesus zu verstehen, dass es uns nur um IHN geht und um IHN ALLEIN! Jede mehr oder weniger verkappte Ichsüchtigkeit wird durch die Weillosigkeit im Leben mit Jesus ausgeschlossen. Und es ist genau dieses Bemühen, allein um Jesu willen seine Nähe zu suchen und dort zu bleiben, die uns öffnet für das, was uns der Vater über seinen Sohn Jesus sagen möchte. Und es leuchtet ein, dass es anders nicht sein kann; denn es ist nicht möglich, dass wir Menschen in die Welt Gottes eindringen können aus eigenem Bestreben und Vermögen. Die Welt Gottes können wir uns nur von IHM her schenken lassen durch die Offenbarung; durch das also, was er von sich aus uns in einer Weise mitteilt, die wir erfassen können. Es ist wie mit der Sonne: Ihr Licht und ihre Wärme können wir uns nicht durch eigene Mühe erarbeiten. Wir müssen uns beides schlichtweg schenken lassen. Und wir leben hier auf Erden elementar von diesem Geschenk.

Ein weiteres wird deutlich: Dem Petrus wird die Einsicht über Jesus nicht geschenkt zum Privatvergnügen. Jesus knüpft vielmehr gleich die Aufgabe daran, auf Petrus eine Kirche zu bauen. Die Offenbarung, die Gott schenkt, ist gegeben als Befähigung zu einem Dienst, zu einer Aufgabe, zu einem Amt! So erleben wir es in der Kirche immer wieder, dass besondere Einsichten von Gott gegeben werden als Anfang und Grund eines bleibenden kirchlichen Werkes oder Dienstes.

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Diese von Gott geoffenbarte Einsicht des Petrus wird durch das heutige Evangelium als Grundauftrag für die Kirche hier auf Erden gedeutet. Dieses Bekenntnis ist ihr ins Herz und in den Mund gelegt, dass sie es durch die Zeiten hindurch allen Menschen verkünde.

Damit sind wir wieder am Anfang des Evangeliums angelangt, wo Jesus nachfragt, was die Leute von ihm denken. Weil ihm dies nicht gleichgültig ist, wird dem Petrus die Identität Jesu offenbart und im Petrus der Kirche, die Jesus auf ihn gründet. Die Menschen müssen alle zu dieser Erkenntnis Jesu geführt werden, denn er will ihr aller Messias und Erlöser sein. Damit die Kirche dies tun kann, muss sie ein Ohr am Mund der Menschen haben, damit sie weiß, was die Leute von Jesus denken; zugleich muss sie das andere Ohr am Mund Gottes haben, damit sie immer empfänglich bleibt, was Gott Vater ihr von seinem Sohn sagt. Nur in dieser Offenheit auf Gott und die Menschen hin ist die Kirche in der Lage, das und nur das den Menschen mitzuteilen, was ihr von Gott her über Jesus gesagt wird. Amen!

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