Montag, September 05, 2011

Der Herr hat Großes an mir getan!





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1:39-56

39Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
40Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
41Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
46Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,
47und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
50Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
51Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
52er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
53Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
54Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
55das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
56Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.






„Ganz die Mutter,“ sagt man von einem Kind, das im Verhalten oder Aussehen seiner Mutter ähnlich ist.
Ganz die Mutter ist Jesus, wenn er heute seine Mutter Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufnimmt.
Denn sie hat sich zuvor ja auch um seinen Leib und seine Seele gekümmert, indem sie ihn bei des Engels Botschaft ganz bei sich aufgenommen und ihn in ihrem Leib hat Mensch werden lassen. Sie, die ihn ganz mit Leib und Seele in ihren Leib und in ihr Leben aufgenommen hat, wird heute ganz mit Leib und Seele in seine himmlische Herrlichkeit aufgenommen. Wie die beiden jetzt im Himmel ganz beisammen sind so waren sie es zuvor auf Erden. Dieses ganz Beisammensein auf Erden zeigt sich bei Maria nicht nur in ihrer Mutterschaft sondern auch dadurch, dass sie ihren Sohn begleitet hat: Sie war bei ihm in der Hochzeit zu Kana und bei seinem Sterben unter dem Kreuz. Ganz bei Jesus sein heißt für sie: Teilnehmen an seinem Leid und an seiner Freude. Nun darf sie die Herrlichkeit des Himmels zusammen mit ihrem Sohn erleben – mit Leib und Seele und für immer.

Wenn Jesus seine Mutter Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufnimmt, dann ist er nicht nur „ganz die Mutter.“ Er ist auch ganz der Vater, denn er drückt damit ein bestimmtes Verhalten seines himmlischen Vaters aus: Sich um den ganzen Menschen zu kümmern: Ihm ist nicht nur die Seele wichtig sondern ebenso der Leib. Nicht nur die Seele des Menschen soll zur Vollendung in seiner Herrlichkeit gelangen sondern auch der Leib. So macht es Jesus seinem Vater nach, indem er ganze Arbeit macht – Nägel mit Köpfen sozusagen. Darin trifft er sich übrigens auch mit seiner Mutter: Die zahlreiche Walfahrtsorte Mariens bezeugen, dass Maria den Menschen von ihrem Sohn her Hilfe vermittelt in seelischen und leiblichen Nöten.

Die Art Gottes, auch unseren Leib ganz wichtig zu nehmen und ihm jene Vollendung und jene Herrlichkeit zu schenken, die auch der Seele zugedacht ist, will uns dazu bewegen, dass auch wir unseren Leib hochschätzen und ihm alle Sorge schenken, die er braucht. In der angemessenen und rechten Sorge um unseren Leib ahmen wir das Vorbild Gottes nach und erfüllen wir seinen Willen.

Das bedeutet ganz lebensnahe, dass wir auf ausreichend Schlaf achten und wir unserem Körper ausreichend Gelegenheit zur Bewegung geben. Oder dass wir uns Speis und Trank dankbar schmecken lassen. Oder dass wir ihn verschonen vor Überforderung im Sport und vor Mitteln, die ihm schaden: Vor Drogen, Alkohol, Nikotin und übermäßiger Kosmetik. Aber auch, dass wir ihn nicht um eines gewissen Nervenkitzels in seiner Gesundheit gefährden oder ihn gar der Todesgefahr aussetzen. Dermaßen sorgsam und klug mit unserem Körper umgehen heißt mitwirken an seiner Aufnahme in die Herrlichkeit des Himmels.

Damit wird klar, dass dieser Prozess nicht erst nach unserem leiblichen Tod einsetzt sondern sich bereits in jedem Augenblick dieses Lebens vollziehen möchte. Wir können auch sagen, durch gesunden Umgang mit unserem Leib begleiten wir ihn zur Herrlichkeit des Himmels und holen so schon jetzt den Himmel herab auf diese Erde. Wenn ich nun aber unseren Körper „Leib“ genannt habe, meine ich damit, dass der eigene Umgang mit unserem Körper unweigerlich Einfluss ausübt auf unsere Seele. In diesem Sinne fordert unsere hl. Mutter Teresa auf, unseren Leib so zu behandeln, dass unsere Seele sich darin wohl fühlt. Weil die Befindlichkeit unseres Leibes die Befindlichkeit der Seele mitbestimmt tun wir unserer Seele Gutes, wenn wir dem Leib gutes tun. Das Maß dieser Wohltat finden wir im Evangelium und da näher hin im Verhalten Jesu: So wie er mit seinem Leib umgegangen ist und mit dem Leib jener, die sich in leiblichen Nöten bei ihm Hilfe erhofften, gerade so dürfen auch wir unserem Leibe Gutes tun.

Verwenden wir gerade die noch verbleibende Zeit unseres Urlaubes dazu, auch an unserem Leib Großes zu tun, indem wir uns Ruhe gönnen und indem wir Gemeinschaft pflegen mit Gott und miteinander – denn auch die anderen sind Teil unseres Leibes. So helfen wir mit, dass Marias Lobgesang auch in unserem Leben schon jetzt Wirklichkeit wird: Der Herr hat Großes an uns getan! Amen!

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