Samstag, September 24, 2011

Da reute es ihn - und er ging doch!



Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 21: 28 – 32

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:
28Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!
29Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht.
30Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.
31Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
32Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.





Die Mitte des heutigen Gleichnisses ist das Gespräch des Vaters mit seinen Kindern. Wenn wir uns den Gesprächsverlauf genau ansehen, können wir erkennen, worum es Jesus in diesem Gleichnis geht.

Die Anrede „mein Kind“ drückt deutlich die zärtliche Liebe des Vaters zu seinen Kindern aus. Beide redet er gleichermaßen an.

Die Antwort seiner Kinder ist jedoch verschieden. Das erste Kind antwortet höflich und ehrerbietig: „Ja, Herr!“ Es ging aber nicht in den Weinberg!

Das zweite Kind hingegen lässt es in seiner Antwort an jeder Höflichkeit fehlen: „Ich will nicht“, antwortet es schroff und lieblos. Jedoch reute das Kind sein Verhalten und ging doch in den Weinberg.

Und nun die Frage Jesu: Wer von beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Und nicht etwa: Wer war dem Vater gegenüber höflich? Oder: Wer hat zum Willen des Vaters Ja gesagt?

Wir erkennen: Jesus geht es um die Erfüllung des väterlichen Willens – das zählt, egal, was voraufgegangen ist. Das „Ja“ oder das „Herr“ Sagen allein ist zuwenig. Unüberhörbar ruft uns Jesus in Erinnerung, was er am Ende der Bergpredigt gesagt hat: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr!, Herr!, wird ins Himmelreich eingehen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Mt 7:21)

Und dann löst Jesus das Gleichnis auf, indem er den Neinsager mit den Zöllnern und Dirnen gleichstellt und den Jasager mit den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes; sie hat Jesus mit diesem Gleichnis vor allen anderen angesprochen. Sie, die glaubten, der Umkehrbotschaft Johannes’ des Täufers nicht folgen zu müssen, weil sie sich in ihrer Selbstgerechtigkeit keine Sünde vorzuwerfen hatten.
Zöllner und Dirnen haben der Botschaft des Johannes geglaubt, darum werden sie den Priestern und Ältesten des Volkes ins Himmelreich vorausgehen. In diesem „Vorausgehen“ sollen die Führer des jüdischen Volkes eine Chance sehen, doch noch ihr Unrecht zu erkennen, zu bereuen und den rechten Weg der Umkehr zu gehen.

Wiewohl Jesus mit diesem Gleichnis zuerst die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes angesprochen hat, hat er doch auch die anderen Zuhörer damals und uns heute gemeint.

So stellt sich uns die Frage, ob wir auch die liebevolle Anrede Gottes an uns wahrnehmen: „Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!“ Hören wir diesen Wunsch Gottes heraus aus unserer Berufung, aus unserer Arbeit, aus unserem Dienst? Hören wir sie jeden Tag von neuem als Einladung in eine bestimmte Arbeit für heute? Wir können diese Fragen beantworten mit einem täglich neuen Bewusstmachen, dass uns ein liebender Vater im Himmel je und je heute eine Aufgabe zugedacht hat.

Damit gingen wir bereits einen Weg der Umkehr von einem gedankenlosen Dahinleben zu einem bewussten Gerufensein von Gott in die jeweils konkrete Lebenssituation hinein.

Zugleich kehrten wir um von einer Gottvergessenheit zu einem immer deutlicheren und lebendigeren Empfinden von seiner Gegenwart in unserem Leben. Wir entdeckten mehr und mehr und mit immer größerer Freude, dass Gott ein Gott der Lebenden ist, dass er an meinem Leben interessiert ist, ja, dass mein Leben aus Seinen Händen kommt; dass er wirklich ein Gott mit uns ist.

Und diese lebendig gewordene Gegenwart Gottes in unserem Leben macht uns sehend für das, was zu diesem Gott und zu einem Leben mit ihm passt und was nicht. Wir bekommen ein vertieftes Empfinden für Recht und Unrecht, für Rücksichtnahme und Rücksichtslosigkeit, für Aufmerksamkeit und Oberflächlichkeit, für Hingabe und Egoismus.

So wird es uns möglich, die große Schuld vor zu abzuladen, die nicht in den Sünden besteht, die wir begehen sondern darin, dass wir jeden Augenblick die Umkehr tun können und sie nicht tun. Amen!

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