Montag, September 05, 2011

Angleichung




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 16:21 – 27

In jenen Tagen
21begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.
22Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!
23Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
24Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
25Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
26Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
27Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.




Von Jesus „Satan“ genannt zu werden, ist bisher nur einem widerfahren – dem Satan selber, als der versuchte, Jesus von seinem Weg abzubringen. Was der Teufel absichtlich versucht hat, das versucht Petrus unabsichtlich und in der Gewissheit, dem Herrn einen Freundschaftsdienst zu erweisen, indem er ihn vom Weg nach Jerusalem abhalten möchte. Was Jesus zu seiner heftigen Reaktion veranlasst, ist das menschlich verständliche Bestreben, ihn von dem Weg abzubringen, den er nach dem Willen seines Vaters im Himmel zu gehen hat: den Weg durch Leid und Tod hindurch in die Auferstehung. Die Schärfe von Jesu Antwort zeigt, wie stark der Auftrag seines Vaters in ihm lebt; wie ausschließlich Jesus auf diesen Auftrag hingeordnet ist und wie entschlossen er diese Hinordnung beibehält, ohne auch nur im Geringsten davon abzuweichen.

Es wird für Petrus sehr schmerzlich erfahrbar, wie absolut die Beziehung Jesu zu seinem Vater im Himmel der Maßstab ist zu jeder anderen menschlichen Beziehung. Das heißt für ihn: will er wirklich ein Freund Jesu sein und bleiben, darf er nicht das im Sinn haben, was die Menschen wollen; er muss vielmehr das im Sinn haben, was Gott will. Von ihm ist das gefordert, was Paulus von der Christengemeinde in Rom 12:2 in der heutigen 2. Lesung fordert: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“

Diese Angleichung an die Welt wird gelöst durch die Angleichung an Christus; erst in dieser Angleichung kann sich unsere Wandlung vollziehen. Christus selber wird uns wandeln durch sein Wort, durch seinen Geist, durch seine Gegenwart in unserer Mitte. Dieses Angleichen an Christus ist ein durchaus praktisches Geschehen: Es vollzieht sich im Lesen der Evangelien und der anderen Schriften des Zweiten und Ersten Bundes; es vollzieht sich im Beten und in der Feier der Liturgie; es vollzieht sich im Dienst an den Menschen. Das sind die konkreten Wege des Alltags, auf denen sich unsere Wandlung vollzieht in Menschen, die im Sinn haben, was Gott will.

Wir erleben ein einfaches Gesetz unseres Lebens: Dem wir uns angleichen, mit dem wir uns beschäftigen, von was wir uns beanspruchen lassen – das beeinflusst, das erfüllt und das wandelt uns in eine je größere Ähnlichkeit hinein.

Eine besondere Form der Angleichung an Jesus stellt er seinen Jüngern in der Kreuzesnachfolge vor Augen. Dies erscheint im Wort Jesu als einzige Bedingung, ein Jünger Jesu sein zu können. Wieso dies? Und was ist mit Gebet, Fasten und Almosen?

In der Kreuzesnachfolge geht es Jesus nicht um das Kreuz sondern um die Nachfolge unter der Last des Kreuzes; nicht um das Leiden und Sterben sondern um die Bereitschaft, Leiden und Sterben anzunehmen und sich so mit Jesus zu vereinen. Im Leiden und Sterben geht es um das Letzte, Höchste und Wertvollste, das ein Mensch geben kann – um sein eigenes Leben!

Wenn einer in der Leidens-, Kreuzes- und Todesannahme Jesus nachfolgt, dann tut er, was Jesus getan hat und was Paulus ebenfalls in der heutigen Lesung ausdrückt: Er bringt sich selbst als heiliges und lebendiges Opfer dar, das Gott gefällt. Damit vollbringt er den wahren und angemessenen Gottesdienst (vgl. Röm 12:1) In diesen wahren Gottesdienst ist jeder andere Gottesdienst im Gebet, Fasten und Almosen eingeschlossen. Jede Form wahren religiösen Lebens zielt darauf hin, sein Leben als heiliges und lebendiges Opfer Gott darzubringen. Die Opferhingabe des eigenen Lebens an Gott ist der innerste Kern jeder wahrhaft religiösen Übung. Jedes Beten, jedes Fasten, jedes Werk der Nächstenliebe ist Kreuzaufnahme und Hineinsterben in eine je größere Ähnlichkeit mit dem Herrn. Der hat uns schließlich ja auch erlöst – nicht durch seine Predigten, Heilungen und Wunder sondern durch sein Leiden und sein Sterben am Kreuz. Dem gemäß führt sein ganzes heilvolles Reden und Handeln hin auf sein Erlöserwirken im Tod am Kreuz und in der Auferstehung.

Die Kreuzesnachfolge Jesu ist das Wasserzeichen unseres christlichen Lebens. Amen!

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