Mittwoch, August 10, 2011

Oh, Frau, dein Glaube ist groß!


Aus dem hl.  Evangelium nach Matthäus 15: 21 – 28

In jener Zeit
21zog Jesus sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
22Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
23Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her.
24Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
25Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!
26Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.
27Da entgegnete sie: Ja, du hast Recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
28Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.





Im heutigen Evangelium ist Jesus gar nicht lieb. Der Frau, die ihn um Hilfe für ihre Tochter bittet, antwortet er mit keinem Wort. Dabei spricht sie ihn ehrfürchtig an: Herr, Sohn Davids und bittet ausdrücklich um sein Erbarmen für sie und ihre Tochter.

Wenn Jesus die Liebe nicht aufbringt, dieser Frau zu helfen oder ihr mindestens zu antworten, frage ich mich nach jener „größeren“ Liebe, die diese Liebestat verhindert. Und ich brauche in der Tat nicht lange danach suchen: Jesus enthüllt diese „größere“ Liebe, indem er sagt: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt!“ Die Sendung zum eigenen Volk Israel sieht er als eine ausschließliche Sendung, die es ihm nicht erlaubt, sein Heil Menschen außerhalb Israels zu schenken. Es liegt absolut nicht in seinem Ermessen, nach Belieben sein Heilswirken auch außerhalb seines Volkes Israel zu entfalten. Dazu bräuchte er die ausdrückliche Erlaubnis seines himmlischen Vaters. Und die sah er im vorliegenden Fall nicht gegeben.

Wir erleben Jesus also lieblos aus übergroßer Liebe, mit der er seinen Auftrag erfüllt, Heiland für sein Volk Israel zu sein. Dieser Liebe zugrunde liegt freilich die alles überragende Liebe zu seinem Vater im Himmel. Der beauftragt ihn zum Handeln und nicht etwa im vorliegenden Fall der Wunsch seiner Jünger, er möge dieser Frau doch helfen, weil sie hinter ihnen herschreit – mag dies nun dem Mitleid mit der Frau entspringen oder dass sie endlich von dem peinlichen Geschrei eine Ruhe haben.

So schwer die Lieblosigkeit Jesu auszuhalten ist so bestechend ist die Klarheit, mit der er seinen Auftrag kennt und die Unbeirrtheit, mit der er daran festhält. Beides lässt ihn übrigens jetzt nicht nur lieblos der Frau gegenüber sein – es wird ihn später ans Kreuz und in den Tod führen!

Was mich auch nachdenklich stimmt ist, dass hilfsbereite Liebe hier bei Jesus nicht aus einem emotionalen Mitgefühl erfolgt sondern als klare Entscheidung des Willens gemäß einem vorgegebenen Auftrag gesehen wird. Hinge seine Hilfsbereitschaft allein von seinem Mitgefühl ab – Jesus hätte dieser Frau geholfen noch ehe sie den Mund aufgemacht hätte. Es ist schon faszinierend wie wenig das Lieben Jesu ein Kuschellieben, ein Gefühlslieben ist. Jesus Liebe ist eine entschiedene Entscheidungsliebe. Und noch einmal: Anders hätte er seinen Auftrag nicht zu Ende führen können; er wäre spätestens am Ölberg zusammengebrochen.

Wir müssen uns gerade bei dieser Stelle davor hüten, uns vom Mitgefühl mit dieser Frau einnehmen und blind machen zu lassen für die Position Jesu. Sonst können wir ihm in der Beurteilung seines Verhaltens nicht gerecht werden.

Jesu Verhalten fragt uns zudem, wie sehr unser Lieben vom Gefühl bestimmt ist und wie klar wir um unsere Sendung erkennen – ja, ob wir überhaupt wissen, dass wir als Christen eine Sendung haben.

Schließlich hat Jesus dennoch die Tochter der Frau geheilt. Was hat ihn dazu bewogen? Der große Glaube der Frau: „Oh Frau, groß ist dein Glaube! Es geschehe dir, wie du willst!“ (Mt 15:28) Welchen Inhaltes aber ist dieser Glaube, dass er Jesus dermaßen beeindruckt? Es ist der Glaube an die überfließende Güte Jesu, in der er dem Volk Israel nichts an Heil nehmen muss, wenn er ihr Heil schenken will. Sie glaubt daran, dass Jesus für alle mehr als genug Segen und Heil zum Verschenken hat.

Dieser Glaube ist es auch, der sie hartnäckig an Jesus dranbleiben lässt – trotz seines ablehnenden, unhöflichen und lieblosen Verhaltens. Lassen wir uns diese Frau ein Vorbild sein in jenen Situationen unseres Lebens, in denen wir uns von Jesus nicht erhört, ja womöglich sogar abgelehnt, missverstanden und klein gemacht erleben. Dieser Glaube bringt Verständnis auf für Jesus; zugleich hält er fest an einer Weite und Güte Jesu, die zu zeigen Jesus sich endlich nicht mehr enthalten kann.

Dieses Evangelium gibt ein unglaublich starkes Zeugnis von der Macht eines unerschütterlichen, gläubigen Vertrauens auf Jesus. Der Herr lasse uns in diesem gläubigen Vertrauen wachsen. Amen!

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