Mittwoch, Juli 27, 2011

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?



 


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 14: 13 – 21

In jener Zeit,
13als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach.
14Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.
15Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.
16Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!
17Sie sagten sie ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.
18Darauf antwortete er: Bringt sie her!
19Dann ordnete er an, die Leute sollen sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten,
20und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.
21Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.



„Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?
All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.“ (Röm 8:35.37) So haben wir eben in der 2. Lesung aus dem Römerbrief gehört.

Im Evangelium wird uns diese tröstliche und ermutigende Wahrheit anschaulich und ergreifend vor Augen geführt. Und zwar in zweierlei Hinsicht.

Da ist zum einen die Bedrängnis, in die Jesus geraten ist durch die Nachricht von der Ermordung Johannes des Täufers. Wenn schon seinem Vorläufer so schlimmes widerfährt, was wird dann erst ihm blühen? Es ist menschlich nur zu verständlich, dass es Jesus in die Einsamkeit und in das Alleinsein gezogen hat, damit er sich mit dieser Frage auseinandersetzen kann. Dabei wissen wir aus anderen Stellen, dass Alleinsein für Jesus Beisammensein mit dem Vater im Gebet bedeutet.

Die Leute merkten das Bestreben Jesu, wussten aber wohl nicht, warum es Jesus in die Einöde gezogen hat.

Als Jesus nun aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, die ihn in der einsamen Gegend empfangen haben, dachte er nicht bei sich: Oh Gott, diese lästigen Leute, habe ich denn vor denen überhaupt keine Ruhe? So hätte Jesus nur an sich selber gedacht.

Vielmehr hören wir, dass Jesus Mitleid mit den Menschen hatte und die Kranken heilte, die bei ihnen waren. Wir sehen, wie die Not, die Jesus erleidet, ihn nicht von den Leuten trennt, weil er sie von Herzen liebt.

Diese Zeilen habe ich während einer Zugreise geschrieben in der Hoffnung dabei ungestört zu bleiben. Doch wie dann zwei liebe Mitreisende mir gegenüber Platz genommen haben, hatte auch ich Gelegenheit, nach Jesu Vorbild, meine Predigtausarbeitung zu unterbrechen, sie zurückzustellen und mich angeregt mit ihnen zu unterhalten, bis sie ausgestiegen sind. Dabei wurde manches zurechtgerückt, neue Sichtweisen eröffnet, gemeinsam Freude aus dem Glauben erlebt, Trost und Ermutigung vermittelt.

Auch die Kirche ist aufgerufen, es ihrem Meister gleich zu tun. Sie darf sich nicht von ihrer eigenen Not auffressen und den Menschen wegnehmen lassen. Sie muss mitten in ihren Problemen offen bleiben für die Menschen, die von ihr zu Recht eine Heilsbotschaft in Wort und Tat erwarten. Und es ist dies nicht ihre eigene Botschaft sondern die von Jesus. Und die Probleme, die die Kirche hat, werden durch die beharrliche Verkündigung von Jesu Botschaft gelöst. Von ihren Krankheiten wird sie nicht durch Nabelschau sondern durch ihren Verkündigungsdienst und ihr Heilswirken an den Menschen geheilt. Der Arzt der Kirche ist Jesus selber in den Menschen, zu denen sie gesandt ist.

Zum anderen ist da nun die Not der Menschen, dass sie Hunger und nichts zu essen haben. Auch hier droht die Trennung von Jesus, denn die Jünger empfehlen Jesus: „Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ (Mt 14:15b) Aber auch hier lässt es Jesus nicht zu, dass die Leute ihrer Not wegen von ihm getrennt werden. Es ist schon interessant: Die Jünger empfehlen Jesus, die Leute wegzuschicken; Jesus fordert sie im Gegenzug auf, beizutragen, dass sie bei ihm bleiben können: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Ihr armseliger Beitrag spielt keine Rolle; wichtig ist, dass es ihr Beitrag ist – alles, was sie vermögen; alles, was sie haben. Das sollen sie zu Jesus bringen. Mehr ist nicht erforderlich. Das Wenige wird von Jesus im Aufblick zum Himmel und im Lobpreis zu einer Gabe, die mehr als reicht, um den Hunger der Leute zu stillen.

Auch hier wieder eine Botschaft an die Kirche: Nicht das Wenige angesichts übergroßer Not beweinen und dabei entmutigt und verzweifelt werden sondern sich mit dem Wenigen zusammentun mit Jesus und so durch das Tor des unbedingten Vertrauens hineintreten in die unvorstellbare Fülle der Liebe und des Segens Gottes, der auch uns beistehen und uns Tag für Tag seine Liebe erweisen will durch Christus, unseren Herrn! Amen!

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