Sonntag, Juli 17, 2011

Ruhe bei Jesus



Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 11: 25 – 30

25In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.
29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
30Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.






Mit den Leuten, die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben, meint Jesus im Evangelium jene Menschen, die unter dem jüdischen Gesetzes stöhnen und sich schwer tun mit dessen zahlreichen Vorschriften. Diese Leute lädt Jesus ein; sie sollen zu ihm kommen; er wird ihnen ihre Lasten abnehmen.

Doch tut er dies, indem er ihnen an Stelle des Gesetzesjoches sein eigenes Joch anbietet: das heißt: an Stelle der Lehre des jüdischen Gesetzes sollen sie seine Lehre annehmen – nämlich die Botschaft vom nahe gekommenen Reich Gottes. Dieses Annehmen ist ein Lernprozess. Von jemand lernen bedeutet, bei dem Betreffenden bleiben und mit dem Betreffenden leben.

Jesus lädt ein in seine Nachfolge. Und wenn sie bei Jesus bleiben, werden sie erfahren, dass er nicht streng sondern gütig ist; dass er sie nicht von oben herab sondern von unten herauf behandelt. Sie werden erfahren, dass Jesus sie nicht beherrschen sondern bedienen wird.

Wohlgemerkt: Jesus lädt die Bedrückten nicht in die Gemeinschaft seiner Jünger ein oder in die Gemeinschaft der Kirche – er lädt sie zu sich ein: in die unmittelbare Gemeinschaft mit ihm, von Angesicht zu Angesicht und von Herz zu Herz. Aug in Aug mit Jesus sollen sie von ihm selber geprägt, befreit und gewandelt werden. An der Seite Jesu werden sie lernen, wie er zu leben.

Dies sage ich im Hinblick auf unsere Kirche, die auch ihre Gesetze und Normen hat, mit denen nicht wenige ihrer Mitglieder Probleme haben. Sie werden auch von Jesus eingeladen in seine Nähe, damit sie dort das drückende Joch kirchlicher Gesetze vertauschen mit dem milden Joch, wie Jesus zu empfinden, zu denken und zu handeln.

Jedoch gibt es noch andere, die unter dem Joch kirchlicher Gesetze zu leiden haben – jene nämlich, die diese Gesetze erlassen und bewahren müssen. Ich meine die Hirten unserer Kirche. Es ist ja nicht so, dass sie nach Lust und Laune beliebig Gesetze erlassen und dann wieder aufheben. Sie stehen in der Gesetzgebung in der Verpflichtung Heiliges zu bewahren und zu fördern, indem sie Gesetze erlassen. Sie ringen darum, in den Umständen der Zeit um  jene Bestimmungen, die die Glieder der Kirche auf dem Weg des Lebens Jesu und in der Freiheit der Kinder Gottes bewahren. Gerade ihnen gilt die Einladung Jesu: Kommt zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Denn gerade sie brauchen für ihr schweres Amt die persönliche Nähe Jesu besonders notwendig, damit sie in ihrem Hirtenamt von seiner Güte und seiner demütigen Hilfsbereitschaft lernen. Denn nur in diesen Haltungen können sie in ihrem Dienst als Hirten und Gesetzgeber den Geist Jesu weitergeben.

Es ist an sich schon ein Gütesiegel – und das betrifft alle Menschen und nicht nur die Glieder unserer Kirche – dass da jemand an unseren Mühsalen und an unseren Lasten interessiert ist – und zwar ohne damit Gewinn zu machen und daran zu verdienen!

In der Regel dürfen wir nämlich mit der Not unseres Lebens bei unserem Nächsten nicht landen – wenn der nicht wirklich ein wahrer Freund oder ein liebender Partner meines Lebens ist. Die hören von uns viel lieber, dass es uns problemlos gut geht; unsere Sorgen würden sie in arge Verlegenheit bringen.

Aber Jesus lädt frei weg ein: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.“ Da ist niemand ausgenommen und keine Last ist zu groß oder zu geringfügig, als dass Jesus ihr nicht gewachsen wäre oder sie für Jesus nicht der Rede wert sei. Jeder darf sich angesprochen und gemeint fühlen genau mit der Last, die ihn gerade bedrückt.

Durch die Einladung Jesu wird der verborgene Segen meiner Last deutlich: Sie wird zu etwas, das mich mit Jesus verbindet. Was von den übrigen Menschen sonst trennt – mit Jesus wird ein Band der Gemeinschaft geknüpft gerade durch meine Not hindurch. Jesus möchte, dass meine Last und meine Not mich mit ihm zusammenschweißt. Die Last selber wird so zum Weg, der zum Leben führt; zum Sprungbrett ins Heil; zur Brücke in eine neue Freiheit. Amen!

Keine Kommentare: