Samstag, Juli 23, 2011

Der verborgene Schatz




Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13: 44 – 46


In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
44Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.






In den beiden eben gehörten Gleichnissen sagt Jesus einiges aus über das Himmelreich: Etwa, dass es eine verborgene Größe ist; dass es verborgen ist in Alltäglichem; dass es Freude bereitet; dass es einem einerseits zufällt dass es aber andererseits auch gesucht werden kann; dass es anregt, mit Freude alles dafür herzugeben, was einer besitzt; dass jegliches Hergeben für dieses Himmelreich ein absoluter Gewinn ist.

Das Himmelreich ist eine Größe, die unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermag: Unser ganzes Denken, Empfinden, Reden und Tun hat es zum Inhalt und kreist um es – wie die Erde um die Sonne. Und in diesem Kreisen erhalten wir uns am Leben, entfalten wir uns; vergehen wir in ein neues Werden; werden wir hinein ins Vergehen. In diesem Lebensprozess wird das Himmelreich in unserem Leben Wirklichkeit – so wie die Sonne Wirklichkeit wird in dem vielfältigen Leben, das erst durch sie auf Erden ermöglicht wird.

Oder schauen wir uns selber beim Beten an: da versuchen wir auch mehr oder weniger beständig, alles loszulassen, alles herzugeben, um dann ganz bei dem sein zu können, der uns zum Gebet gerufen und bewegt hat: beim dreifaltigen Gott! Und je lebendiger uns Gott geschenkt wird oder wir ihn finden umso freudiger lassen wir alles zurück, um unsere ganze Aufmerksamkeit Gott schenken zu können.

In diesem Zusammenhang dürfen wir auch das hörende Herz verstehen, um das König Salomon in der ersten Lesung betet. Dieses hörende Herz ist ein ganz waches und aufmerksames Herz auf den Schatz des Himmelreiches. Denn ohne dieses hörende Herz könnte es ja auch passieren, dass wir einen Schatz entdecken – aber in unserer Blindheit gar nicht wahrnehmen, dass wir eben einen Schatz entdeckt haben. Im hörenden Herz können wir die hellwache Aufmerksamkeit für den Schatz des Himmelreiches wieder erkennen.
So könnte es mir passieren, dass ich im „Acker“ meiner Predigvorbereitung einen Anruf bekomme und mich ohne hörendes Herz innerlich errege über diese lästige Störung. Das hörende Herz hingegen lässt mich in der anrufenden Person den Schatz erkennen, den ich im Ackerboden meiner Predigtvorbereitung entdecken darf. Alles, was ich besitze, verkaufen, um diesen Schatz zu erwerben heißt dann, mit ganzer Hingabe dieser Person am Handy zu begegnen, ihr zuzuhören, mit ihr zu sprechen und ihr so freudig meine Zeit und meine Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist klar, dass es nicht immer auf den ersten Blick gelingt, derartige Schätze im Acker unseres Alltages zu entdecken; aber wir sind schon dankbar, wenn es auf den zweiten, dritten.... Blick möglich ist.

Bereits im Tagesgebet wurden wir ja auf die eben angedeutete Gefahr aufmerksam gemacht, indem wir dort gebetet haben, Gott möge uns helfen, die vergänglichen Güter so zu gebrauchen, dass wir die ewigen nicht verlieren. Mit den ewigen Gütern ist der Schatz gemeint; mit den vergänglichen Gütern der Acker, in dem der Schatz des Himmelreiches verborgen liegt. Fatal wäre es, erblindet das Ewige für das Vergängliche und das Vergängliche für das Ewige zu halten; Gott bewahre uns vor dieser Verkehrung der Werte, die ja so viel Unheil über uns bringt.

Und vergessen wir nicht, dass der Mann im Evangelium, den Acker gekauft hat, in dem der Schatz verborgen war. Er hat den Acker um des Schatzes willen geschätzt. Gerade so müssen auch wir den Acker unserer Alltäglichkeit schätzen lernen um des Schatzes des Himmelreiches willen, der in ihm verborgen liegt.

Mit einem hörenden Herzen gelingt es uns, den Alltag so zu leben, dass wir aufmerksam bleiben auf den Schatz des Himmelreiches, den Gott dort für uns verborgen hat und den er uns in verschiedener Schönheit je und je schenken möchte.

Und schließlich gehört zum Himmelreich ja nicht der Schatz allein sondern neben dem Acker ja auch das Finden, das sich darüber Freuen, das alles Verkaufen, das Ausgraben. Alles zusammen macht das Himmelreich aus. Unser Christsein sollte recht eigentlich eine Schatzgräberexistenz sein: Hellwach und mit lebendigem Interesse unterwegs sein und bleiben auf der Suche nach dem Schatz, der im Acker unseres Alltages verborgen ist. Amen!

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