Sonntag, Juli 17, 2011

Der Samen des Wortes




Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13: 1 – 23


1An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.
2Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.
3Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.
4Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.
5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;
6als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
7Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.
8Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
9Wer Ohren hat, der höre!
10Da kamen die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du ihnen in Gleichnissen?
11Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben.
12Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat.
13Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen.
14An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen aber nicht erkennen.
15Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.
16Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören.
17Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
18Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.
19Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.
20Auf felsigen Boden ist der Samen gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt,
21aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall.
22In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.
23Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.







Am Wort werden wir, was wir sind – so können wir das heutige Evangelium auf einen kurzen Nenner bringen: Ob Weg, oder Fels oder Dornengestrüpp oder guter Boden; Wie wir das Wort vom Reich aufnehmen zeigt unsere Einstellung ihm gegenüber. Das ist gewiss die erste „Frucht,“ die das Wort vom Reich hervorruft: Es deckt unmissverständlich auf, ob wir uns ihm verschließen oder für es offen sind. Ob es uns gleichgültig ist, wir es zurückweisen oder aufnehmen und wie wir es aufnehmen. Das Wort vom Reich wird zum Indikator unserer Gottesbeziehung: Es zeigt an, wer zum Reich Gottes gehört und wer nicht.

Das Wort vom Reich trägt bereits die Frucht in sich – nämlich das Reich Gottes; es ist schwanger davon. Dieses Wort macht sich beim Aussäen auf die Suche nach dem fruchtbaren Boden, in dem es sich entfalten kann. Die Fruchtbarkeit dieses Bodens wird von Jesus durch zwei Worte gekennzeichnet: hören und verstehen. Im Hören dringt das Wort vom Reich in den Menschen ein und im Verstehen kann der Inhalt des Wortes, das Reich Gottes, sich entfalten. Im Verstehen kommt das Hören zur Vollendung. Das Verstehen drückt Einverständnis aus mit dem Reich Gottes. Es bejaht das Reich Gottes. Es signalisiert jene Offenheit, die ein gegenseitiges Durchdringen ermöglicht: Im Verstehen dringe ich ein in das Reich Gottes und zugleich werde ich vom Reich Gottes ergriffen und geformt: Mein Leben wird in seinen Gedanken, Worten und Werken geprägt vom Reich Gottes; das ist schließlich die vielfältige Frucht, die Jesus im Evangelium anspricht.

Im Hören und Verstehen wenden wir und ganz dem Wort vom Reich zu. Wir beantworten so die Zuwendung Gottes zu uns, aus der heraus er uns sein Wort schenkt. Die Zuwendung Gottes zu uns setzt ihrerseits bereits voraus, dass Gott uns Menschen gehört und verstanden hat. Sein Wort ist die Antwort auf unsere Erlösungsbedürftigkeit; die hat er gehört und verstanden und uns in seinem Wort vom Reich genau das mitgeteilt, was unsere Erlösung und Befreiung bewirkt. So versuchen wir im Hören und Verstehen des Wortes vom Reich eben dieses Reich Gottes ganz in uns aufzunehmen wie Gott uns zuvor schon ganz aufgenommen hat und zum Zeichen dafür sein Wort vom Reich uns ins Herz und ins Leben gesät hat.

Es ist unverkennbar, wie Gottes Reich wird im offenen und aufmerksamen Miteinander und Zueinander von Gott und Mensch. Das wird umso deutlicher bei jenen, wo das Wort vom Reich nicht auf fruchtbaren Boden fällt. Es ist das völlige Verschlossensein für das Wort vom Reich zum einen, dann wohl das Hören aber dann das mangelnde tiefere Verstehen zum anderen und schließlich zum dritten das Behindertsein für das Wort vom Reich – anderes hat Vorrang! Dieses fehlende und mangelhafte Offensein für das Wort vom Reich ist tragisch, da doch das Aussäen des Wortes vom Reich auch auf den unfruchtbaren Boden von der Großzügigkeit und vom Wohlwollen Gottes Zeugnis ablegt gerade auch denen gegenüber, die dieses Wort vom Reich eigentlich am nötigsten bräuchten und es doch nicht aufnehmen können.

Diese Tragik spricht Jesus im heutigen Evangelium auch ausdrücklich an. Uns ist sie eine Mahnung, es beileibe nicht als Selbstverständlichkeit zu sehne, dass wir das Wort Gottes hören und verstehen dürfen. Vielmehr soll sie uns bitten lassen, dass wir das Wort vom Reich auch richtig hören und verstehen; dass wir es zudem immer tiefer und umfassender verstehen; und dass wir schließlich in manchen Hinsichten wie Weg, Fels und Gestrüpp für das Wort vom Reich sind – womöglich gerade dort, wo wir uns ganz sicher wähnen, das Wort vom Reich richtig zu hören und ganz genau zu verstehen.

Jesus möchte uns durch das Gleichnis vom Sämann demütig machen, damit wir vor allem Empfangende bleiben und wir begreifen, dass uns mit dem Wort vom Reich schlichtweg alles mitgeschenkt wird: das Hören, das Verstehen, das Fruchtbringen. Nur als rein Empfangende können wir richtig hören und recht verstehen. Nur als rein Empfangende können wir aus dem Hören und Verstehen heraus in rechter Weise Frucht bringen und so mithelfen, dass das Reich Gottes sich entfalten und wachsen kann hin auf seine Vollendung bei der Wiederkunft des Herrn! Amen!

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