Freitag, Juni 10, 2011

Worte in Taten vergolden




Hl. Antonius von Padua

Markus 16:15 – 20


15            Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
16                   Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
17                   Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18                   wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19                   Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20                   Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.]







So wie die Jünger hat auch Antonius den Auftrag Jesu erfüllt, in die Welt zu gehen und das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden. Und auch ihm ist der Herr beigestanden und hat seine Verkündigung durch Zeichen bekräftigt. Viele  dieser Zeichen sind weithin bekannt.

In der Vorbereitung auf diese Predigt bin auch ich auf solche Zeichen gestoßen.

Sein Ordensgeneral hat ihn beauftragt, von 1222 bis 1224 zuerst in Rimini und Mailand gegen die Katharer und dann in Südfrankreich gegen die Albigenser zu kämpfen. Das waren Gruppierungen, die sich von der Kirche losgelöst hatten. Ich fragte mich, wie mag dieser Kampf wohl ausgesehen haben und welche Waffen hat er dabei benutzt?

Er hat mit diesen Leuten öffentlich geredet, hat sie beeindruckt mit seiner enormen Bibelvertrautheit und durch seine gelebte Armut seinen Worten großes Gewicht verliehen. Und dann habe ich noch entdeckt, dass sich in seinen Predigtunterlagen kein einziges Wort der Kritik oder des Angriffes findet.

Er hat offensichtlich nicht nur den Predigtauftrag des Herrn im heutigen Evangelium erfüllt sondern auch eine alltägliche Weisheit, dass nämlich durch das Reden die Leute zusammenkommen. Diese Gesprächsbereitschaft ist in unserer Zeit ein wichtiges und geschätztes Gut, das auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen gepflegt wird. Es bleibt jedoch nach wie vor ein gefährdetes Gut, weil unsere Ichsucht uns beständig weiß machen will, nur wir hätten recht und nur unser Standpunkt sei der richtige.

Antonius zeigt uns, wie wir diese Fehlhaltung bändigen können; seine gelebte Armut hat die Leute beeindruckt. Das heißt für uns, ein Leben in größerer Einfachheit ist ein größerer Schutz gegen den Egoismus. Diese Einfachheit ist lebbar im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes, der unser Leben in seiner Hand geborgen hält und der uns gibt, was wir brauchen, weil er weiß, was uns gut tut. Ein Wort des Heiligen möge uns zu dieser Einfachheit ermutigen: „Frei gewollte Armut gibt dem Menschen Kraft, Reichtümer aber machen ihn schwach. Denn schnell wird der Mensch seines Besitzes Knecht, statt über ihn zu herrschen. Wenn nämlich jemand Verlust erleidet und darüber traurig wird, ist er in seiner Trauer ein Knecht, wie er vorher in seinem Glück ein Knecht war.“

Des weiteren hat die Leute seine Bibelvertrautheit fasziniert. „Doctor Evangelicus“ nennen wir ihn. Dieses Vertrautsein mit der hl. Schrift bedeutet nun nicht zuerst, dass er vieles aus der Bibel zitieren konnte – das freilich auch, aber was die Leute geradezu angesprungen ist bei seinen Predigten, das war die tiefe persönliche Ergriffenheit beim Aussprechen und Erklären der Bibelworte. Da merkten die Leute: Mein Gott! Das ist ja kein Hirnwissen sondern ein Herzwissen. Da spricht ja nicht Antonius sondern Gott selber, den er so gern hat, dass er in seinem Herzen wohnen darf.

Antonius hat im Wort der Bibel ganz tief das Herabneigen Gottes erfahren, der ihn in seiner Leere und Armut erfüllt, reich macht und zu sich in seine unbegreifliche Gegenwart erhebt.

Seht ihr, und genau das macht das Geheimnis seiner Redekunst aus; er beschreibt es so: „Der Prediger muss zu den Menschen hinabsteigen und dann wieder emporsteigen, um die darniederliegenden Menschen aufrichten zu können.“ Er erlebte sich selber ganz als ein von Gottes Liebe Ergriffener und Heimgeholter; darum konnte er auch mit seinen Predigten ergreifen und zahlreiche Menschen in die Kirche und zu Gott heimholen.

Schließlich ein weiterer Garant für sein Ankommen bei den Leuten: seine Vernarrtheit ins Tun. Ein merkwürdige, ja kontraproduktive Leidenschaft für einen großen Prediger – möchte man meinen! Aber das Predigtwort war ihm nur notwendiges Mittel zum Zweck, zum guten Tun hinzuführen und so Gott und die Menschen zu lieben. Wortverliebtheit ist ihm fremd. Er will die Menschen zum guten Tun führen und dass sie durch ihr Tun reden: „Die vom heiligen Geist erfüllt sind, reden in vielen Sprachen, die im mannigfaltigen Zeugnis für Christus bestehen: in Demut, Armut, Geduld oder Gehorsam. Wir reden in ihnen, wenn wir sie anderen durch unser Tun beweisen. Lebendig ist das Wort, das vom Tun getragen ist. Darum beschwöre ich euch: Lasst die Worte verstummen und an ihrer Stelle die Taten reden. Worte haben wir mehr als genug, dafür aber an Werken großen Mangel. Wer anders redet, ist vom Herrn verflucht wie der Feigenbaum, an dem er keine Früchte fand, sondern nur reichlich Blätter.“

Heute, am Pfingstmontag, bitten wir den Hl. Geist, er möge uns zu Menschen machen, die, wie der hl. Antonius jene Liebe im Herzen tragen, die ihre Worte in Taten vergolden! Amen!

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