Mittwoch, Juni 22, 2011

Jesusjünger




 Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 10: 37 – 42


 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
37Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.
38Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mit nachfolgt, ist meiner nicht würdig.
39Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
40Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.




Die Worte des heutigen Evangeliums richtet Jesus an seine Jünger im Rahmen der sogenannten Aussendungsrede. In dieser Rede überträgt er ihnen die Vollmacht, sein Heilswirken in Wort und Tat fortzusetzen.

Die heutigen Worte Jesu bilden den Abschluss dieser Rede. Jesus macht deutlich, dass die Liebe zu ihm Vorrang haben muss, will jemand zu ihm gehören.
Dieser Vorrang ist dann geltend zu machen, wenn er in Konflikt gerät mit der Liebe zu Familienangehörigen. Die Verbundenheit mit Jesus sprengt die Familienbande – sollte es zu einem Konflikt zwischen beiden kommen.
Die Worte Jesu spiegeln die Situation der Urkirche wider, wo das Christsein in der Regel den Austritt aus dem Familienverband bedeutet, in dem man bisher gelebt hat.

Dadurch wird deutlich, wie ausschließlich der Jünger Jesu auf den Herrn hin ausgerichtet sein muss, will er dem Jüngersein gerecht werden und fähig sein den Auftrag Jesu an ihn in Wort und Tat zu erfüllen.

Diese Verbundenheit mit Jesus wird dann in zwei Schritten noch einmal vertieft im Hinblick auf den Umgang mit seinem Kreuz und mit seinem Leben.

Das Kreuz heißt es für den Jesusjünger annehmen und Jesus so folgen, denn Jesus hat das auch gemacht: Er hat das Kreuz angenommen, das ihm auferlegt wurde und ist daran gestorben. Jesusnachfolge muss immer im Zeichen des Kreuzes stehen in dem Sinn, dass dem Leiden nicht ausgewichen, dass es aber auch nicht verherrlicht sondern mit dem Blick auf Jesus getragen wird.

Das eigene Leben ist jedem Menschen das Teuerste, von dem er sich am schwersten lösen kann. Bereits beim Kreuztragen geht es um Lebenshingabe. Jesunachfolge heißt Lebenshingabe um seinetwillen. Nur so können die Jünger Jesu das Leben gewinnen, das in der Gemeinschaft mit Jesus geschenkt wird: Es ist göttliches Leben und erhebt jedes vorauf gehende Leben auf das Niveau der Gotteskindschaft.

Unbedingter Liebesvorrang für Jesus – Bereitschaft jegliches Kreuz mit Blick auf Jesus anzunehmen und zu tragen – Loslassen des Lebens um Jesu willen: Dies befreit den Jünger Jesu und öffnet ihn, so dass er Jesus aufnehmen kann – und in Jesus den, der ihn gesandt hat, den Vater im Himmel. Das Bestreben des Jesusjüngers, diese innige Gemeinschaft mit Jesus und seinem Vater in möglichster Ungetrübtheit und Entschiedenheit zuzulassen und in ihr zu leben, macht ihn bereit, den Auftrag Jesu zu erfüllen in der Verkündigung des Evangeliums und im Heilungs- und Heiligungsdienst an den Mitmenschen.

So werden die Worte Jesu wahr: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ (Mt 10:40) In dieser innigen Gemeinschaft des Jüngers mit Jesus und seinem Vater lebt in ihm die Gewissheit: Jesus sendet mich! In seinem Namen gehe ich zu den Menschen! Sein Wort, sein Tun, ja, ihn selber bringe ich den Menschen. Jeder Eigendünkel, jede Selbstherrlichkeit, jede Selbstdarstellung sind ausgeschlossen. Die Leute merken vielmehr: Dieser Jesusjünger ist bloß Gefäß und bringt eine unermessliche Kostbarkeit; dieser Jünger ist bloß Hinweis auf eine unerhörte Botschaft. Die kostbare Botschaft vom Reich Gottes kann ungehindert ergehen und unverstellt die Zuhörer erreichen. Wie ein klarer Spiegel ist dieser Jesusjünger, der Jesus aufstrahlen und hineinleuchten lässt in das Leben der Mitmenschen. Er erscheint wie ein anderer Christus – eingefügt in die Realität der jeweiligen Umstände des Jüngers.

Der Weg eines Jesusjüngers ist ein andauernder Prozess, auf den der Jünger sich einlässt und den er zugleich in seinem Leben zulässt. Dieser Prozess ist in einem ein Loslassen und Ergriffenwerden, ein Leerwerden und ein Erfülltwerden, ein Sterben und Auferstehen. Ein unablässiges Schwangersein und ein beständiges Gebären. Diesen Jüngern verdanken wir, dass auch wir Jesus erleben dürfen. Und gebe Gott, dass andere dankbar sein werden, weil wir ihnen Jesus vermittelt haben. Amen!

1 Kommentar:

Freiwirtschaftler hat gesagt…

Zivilisation

"Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten."

Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

Die sinnfreie Beschäftigung hochgradig Verwirrter (Politiker und Theologen) ist der halbwegs zivilisierten Menschheit noch immer wichtiger als der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation. Ob der Prophet Jesus von Nazareth geahnt hat, dass es so lange dauern würde, bis die Menschheit erwachsen wird, ist im Nachhinein schwer zu sagen; sicher ist, dass der kollektive Wahnsinn der Religion erst dann überwunden wird, wenn die reale Angst vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) größer geworden ist als die vor Urzeiten eingebildete Angst vor dem Verlust des "Schnullers" (der "liebe Gott").

Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:
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