Donnerstag, Juni 09, 2011

Der Atem des Herrn!



Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20:19 – 23


19Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.






Wir erleben Jesus und seine Jünger in familiärem Beisammensein. Im Verlauf dieser Begegnung schenkt Jesus seinen Jüngern durch Anhauch den hl. Geist. Völlig unspektakulär. Doch wird eines klar: Der Hl. Geist kommt hervor aus der vertrauten, freundschaftlichen Begegnung mit Jesus.

Doch sehen wir uns nun das Unscheinbarste dieser ganzen Szene an: den Atem Jesu! Man sieht ihn nicht, die Jünger hörten ihn wohl kaum und spürten ihn vielleicht ein wenig.

Aber das Tun Jesu erinnert an den Schöpfungsbeginn, wo „Gott, der Herr, den Menschen aus Staub vom Erdboden bildete und in seine Nase Atem des Lebens hauchte; so wurde der Mensch eine lebende Seele.“ (Gen 2:7)

Bedenken wir weiter, was Jesus mit seinem Atem gewirkt hat: Das Evangelium hat er damit verkündet; Worte der Vergebung und der Heilung hat er damit gesprochen; er hat damit gestritten und das Endgericht angedroht; er hat damit gewarnt, getröstet und in seine Nachfolge gerufen; er hat damit zu seinem Vater gebetet; Tote hat er damit aufgeweckt; geweint hat er damit; geschlafen und geatmet hat er damit. Schließlich hat er ihn ausgehaucht in die Hände seines Vaters.

Doch der hat ihm göttlichen Atem in der Auferstehung wieder gegeben; in die Unterwelt ist er damit hinabgestiegen und hat dort die Toten lebendig gemacht; auferstanden ist er damit und hat die Jünger erneut um sich versammelt – und nun schenkt er ihnen Anteil an diesem seinem Atem, der geschwängert ist mit Göttlichem und Menschlichem, mit Himmel, Erde und Unterwelt, mit Tod und Leben. Dieser Atem war gleichsam das Gefährt des Hl. Geistes; und jetzt gibt er in seinem Atem den Jüngern den Hl. Geist. Im Pfingstgeschehen in der Apostelgeschichte wird die Machtfülle des Hl. Geistes in Sturm und Feuer versinnbildlicht; jedoch kommt seine Macht aus dem Innersten Jesu, von dorther, wo er mit seinem Vater ein Herz und eine Seele ist.

Ich sagte eingangs, dass Jesus den Hl. Geist seinen Jüngern in freundschaftlicher Begegnung geschenkt hat. Es ist ein Geist der Freundschaft mit Jesus. Erinnern wir uns nur an jene Stelle, wo Jesus seine Jünger nicht mehr Knechte sondern Freunde nennt.

Es ist diese Freundschaft mit Jesus, welche die Jünger wie ein Sturm und wie Feuer drängt, jede Furcht abzulegen, die Türen zu öffnen und fortan das Evangelium von Jesus allen Menschen zu verkünden.

Jeder von uns weiß wohl, wie es ist mit einem Menschen, den wir überaus lieben: Wir denken oft, ja, unentwegt an ihn; wir freuen uns über jedes Zeichen von ihm – besonders aber über seine Gegenwart, über sein Dasein; wir sind mit allen Kräften bemüht, ihm seine Wünsche von den Lippen abzulesen und sie zu erfüllen; er kann von uns praktisch alles haben und wir würden für ihn auch alles tun.

Geradeso haben sich die Jünger verhalten, als der Hl. Geist sie erfüllt hat. Er hat sie in freundschaftlicher Hingabe ganz auf Jesus ausgerichtet. Ihre Ichbezogenheit wurde von diesem Geist aufgesprengt und wo vorher ihr Ich hauste, da wohnte fortan Jesus. So war es eben dieser Geist, der Paulus ausrufen ließ: Nicht mehr ich lebe sondern Christus lebt in mir!

Am Leben Jesu, am Leben der Jünger können wir die Früchte dieses Geistes ablesen, Früchte der Verbundenheit mit Gott, bzw. mit Jesus. Im Blick auf unser eigenes Leben werden auch wir diese Früchte mehr oder weniger erkennen dürfen und zugleich bemerken, dass sie sich entfalten möchten und dass sie auf eine größere Fülle hin wachsen wollen: Eine gewisse Sympathie für Jesus; eine bedingte Bereitschaft, ihm zu folgen; ein halbes Hinhören auf seinen Willen; ein laues Lieben; eine getrübte Freude; eine halbe Entschlossenheit zur Umkehr – gehemmtes Leben – jedoch mit der Sehnsucht nach mehr!

Wir werden uns unterwegs erleben auf eine je größere Freundschaft mit Jesus hin. Und es wird das Werk dieses Geistes sein, uns aufzurütteln aus einer religiösen Trägheit und uns anzuregen zu einer lebendigeren Freundschaft mit Jesus, die unserem Leben neue Tiefen eröffnet, neue Quellen erschließt, neue Wege weist, neuen Mut schenkt, eine neue Liebe entzündet, eine neue Entschlossenheit zur Umkehr schenkt – ein neues Leben in Christus ermöglicht. Amen!

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