Dienstag, Juni 21, 2011

Brot, das lebt und gibt das Leben




Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6:51–58



In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
52Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
55Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank.
56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.





Die Schönheit und der Reichtum des heutigen Festes Fronleichnam kommt aus der Wirklichkeit, dass in der Brotscheibe der Hostie, dem Mittelpunkt der hl. Messe Jesus selber da ist als Sohn Gottes und als Mensch wie wir. Das Rosenkranzgesetzchen, das dieses Geheimnis einfängt drückt es ganz einfach aus: „Jesus, der im allerheiligsten Sakrament zugegen ist als wahrer Gott und Mensch.“ Diese Wirklichkeit ist eine besondere Weise, in der Jesus sein Versprechen wahr macht, „bei uns zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28:20)

Besonders ist auch die Situation, in der diese Daseinsweise Jesu in unserer Mitte ihren Anfang hier auf Erden genommen hat: Es ist das Letzte Abendmahl – das Gedächtnismahl von Jesu Tod und Auferstehung. Bei diesem Mahl bindet Jesus sein Dasein in Zeit und Ewigkeit hinein in ein Stück Brot und zwar dermaßen elementar, dass dieses Brot nicht ein bloßes Zeichen für Jesus – sondern Jesus selber ist. Im Brot der Hostie spiegelt sich sein gesamtes Wirken hier auf Erden wider; in ihm leuchtet auf sein Leiden, Sterben und Auferstehen; es ist durchflutet von seinem Sein beim Vater in Herrlichkeit – noch vor Beginn der Schöpfung und bis in Ewigkeit. Diese seine Lebensüberfülle vertraut Jesus beim Letzten Mahl einem Stück Brot und in diesem Brot den Händen seiner Jünger an.
Dieses Geheimnis entspringt dem unbändigen Wunsch des Herrn, uns unmittelbar nahe zu sein in unserem alltäglichen Leben – darum tragen wir es an diesem Tag in einer Prozession durch die Straßen, auf denen wir täglich unterwegs sind.
Es ist ein Geheimnis jener Liebe, in der Gott sich durch und durch mit uns verbinden will – darum dürfen wir dieses Brot, den Leib des Herrn, im Mahl verzehren, auf dass der Herr sich ganz in unseren Leib erfließe, um dort
zur Kraft zu werden, die stärkt;
zum Mut, der aufrichtet;
zum Licht, das die Nacht erhellt;
zur Liebe, die uns selber und unseren Nächsten ergreift;
zum Leben, das jeden Tod überwindet.

Dieses Brot als Nahrung für uns ist eine wunderschöne Veranschaulichung und eine liebende Fortsetzung dessen, was sich im Geheimnis der Menschwerdung Gottes vollzogen hat.
Auf diesem Hintergrund hat der hl. Thomas von Aquin das folgende Lied zum heutigen Festtag gedichtet:

„Deinem Heiland, deinem Lehrer, / deinem Hirten und Ernährer, /  Sion, stimm ein Loblied an!
Preis nach Kräften seine Würde,/ da kein Lobspruch, keine Zierde / seinem Ruhm genügen kann.
Dieses Brot sollst du erheben, / welches lebt und gibt das Leben, / das man heut‘ den Christen weist.
Dieses Brot, mit dem im Saale / Christus bei dem Abendmahle / die zwölf Jünger hat gespeist.
Laut soll unser Lob erschallen / und das Herz in Freude wallen, / denn der Tag hat sich genaht,
Da der Herr zum Tisch der Gnaden / uns zum ersten Mal und geladen / und dies Mahl gestiftet hat. Neuer König, neue Zeiten, / neue Ostern, neue Freuden, / neues Opfer allzumal!
Vor der Wahrheit muss das Zeichen, / vor dem Licht der Schatten weichen, / hell erglänzt des Tages Strahl.
Was von Christus dort geschehen, / sollen wir fortan begehen, / seiner eingedenk zu sein.
Treu dem heiligen Befehle / wandeln wir zum Heil der Seele / in sein Opfer Brot und Wein.
Doch wie uns der Glaube kündet, / der Gestalten Wesen schwindet, / Fleisch und Blut wird Brot und Wein.
Was das Auge nicht kann sehen, / der Verstand nicht kann verstehen, / sieht der feste Glaube ein.
Unter beiderlei Gestalten / hohe Dinge sind enthalten, / in den Zeichen tief verhüllt.
Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise, / doch der Herr bleibt gleicherweise / ungeteilt in beider Bild.
Wer ihm nahet voll Verlangen, / darf ihn unversehrt empfangen, / ungemindert, wunderbar.
Einer kommt, und tausend kommen, / doch so viele ihn genommen, / er bleibt immer, der er war.
Gute kommen, Böse kommen, / alle haben ihn genommen, / die zum Leben, die zum Tod.
Bösen wird er Tod und Hölle, / Guten ihres Lebens Quelle, / wie verschieden wirkt dies Brot!
Wird die Hostie auch gespalten, / zweifle nicht an Gottes Walten, / dass die Teile das enthalten, / was das ganze Brot enthält.
Niemals kann das Wesen weichen, / teilen lässt sich nur das Zeichen, / Sach‘ und Wesen sind die gleichen, / beide bleiben unentstellt.
Seht das Brot, die Engelspeise! / Auf des Lebens Pilgerreise / nehmt es nach der Kinder Weise, / nicht den Hunden werft es hin!
Lang im Bild war‘s vorbereitet: / Isaak, der zum Opfer schreitet; / Osterlamm, zum Mahl bereitet; / Manna nach der Väter Sinn.
Guter Hirt, du wahre Speise, / Jesus, gnädig dich erweise! / Nähre uns auf deinen Auen, / lass uns deine Wonnen schauen / in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet, / uns im Tal des Todes weidet, / lass an deinem Tisch uns weilen, / deine Herrlichkeit uns teilen. / Deinen Seligen mach uns gleich!

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