Samstag, Mai 07, 2011

Es ist der Herr!



Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 21: 1 – 14

In jener Zeit
1offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
2Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.





Ohne Jesus sind die Jünger ein armseliges Häufchen. Beim letzten Mahl sagte er ihnen, er werde ihnen nach seiner Auferstehung nach Galiläa vorausgehen (vgl. Mt 26:32). Das wird den Frauen von den Engeln am Grab aufgetragen, dass sie eben dies den Jüngern in Erinnerung rufen und dass sie ihn dort in Galiläa sehen werden (vgl. Mt 28:7).

Und nun sind die Jünger also in ihre Heimat zurückgekehrt an den Ort, wo ihr Weg mit Jesus begonnen hat: an den See von Tiberias – ein anderer Name für den See Gennesaret. Dort hat er sie von ihrer Arbeit als Fischer weg in seine Nachfolge gerufen.

Dort sind sie nun – wie bestellt und nicht abgeholt. Sie wissen nicht, wie es weitergehen wird. Was sollen sie tun? Petrus ganz praktisch: Etwas müssen wir ja tun; und zum Essen brauchen wir ja auch etwas; also tun wir, was wir gelernt haben und gehen wir fischen. Bezeichnenderweise redet Petrus nicht für alle sondern nur für sich: „Ich gehe fischen!“ So als fühlte er sich nur für sich selber verantwortlich. Er beansprucht von sich aus nicht die Führerrolle – gar an Stelle von Jesus! Wie sollte er auch von sich aus diesen Anspruch erheben können, da er es doch war, der Jesus so feige verleugnet hat. Es ist zu spüren, dass ohne die einigende Gestalt Jesu die Jüngerschar sich aufzulösen beginnt; die Gruppe ist ohnedies bereits auf sieben an der Zahl zusammengeschrumpft.

Dennoch schließen die übrigen sechs sich dem Petrus an: „Wir kommen auch mit!“ Zu dieser Atmosphäre passt es gut dazu, dass sie in dieser Nacht nichts fangen. „Diese Nacht“ ist nicht nur zeitlich gemeint; sie bezeichnet auch ihren inneren Zustand ohne Jesus. Ohne ihn können sie mit seinen eigenen Worten nichts tun (vgl. Joh 15:5) Dem entsprechend ist ihre Laune auf einem Tiefpunkt angelangt, der sich deutlich im knappen und mürrischen Nein auf die freundliche Anfrage Jesu vom Ufer her ausdrückt. Wäre es etwas lichter gewesen vor allem in ihnen drinnen, hätten sie Jesus womöglich an seinen Umrissen erkennen können. So aber musste Jesus sich deutlicher ausdrücken und er fragt sie nach Essbarem.

Erst nachdem sein Tipp völlig unerwartet ein übervolles Netzt beschert klingelt es bei den Jüngern – vorerst auch nicht bei allen sondern nur bei dem, den Jesus liebte: Es ist der Herr!

Diese Erkenntnis ist der Wendepunkt, der neues Leben bringt; wie eine aufkommende kräftige Brise nach einer langen Windstille. Wieder ist es Petrus, der sich aktiv hervortut: Er wirft sich das Gewand über, springt in den See und schwimmt und watet die knapp 100 Meter den übrigen Jüngern voraus an das Ufer. Warum es Petrus wohl so eilig hat? Drückt die dreimalige Verleugnung Jesu sein Gewissen? Ist er bemüht, dies so weit wie möglich wieder gut zu machen?

Dieser Eindruck wird noch verstärkt, als Jesus die Jünger bittet, sie sollen von den gefangenen Fischen bringen: Es ist erneut Petrus, der sich zum Boot begibt und gleich alle Fische an Land zieht. Trotz der großen Anzahl der Fische zerreißt das Netz nicht. Ein weiter Hinweis auf das wunderbare Wirken Jesu.

Auch beim abschließenden Mal ergreift Jesus die Initiative: ER lädt sie zum Essen ein; ER reichte ihnen das Brot und dann den Fisch. Dieses Mahl zeigt den Jüngern, dass Jesus lebt und dass er sein neues, unvergängliches Leben dafür einsetzen will, seine Jünger wieder um sich zu versammeln, sie zu einer Gemeinschaft zusammenzuführen, die von IHM als Mitte geprägt ist, die seinen Namen trägt und von seinem Geist belebt und bewegt wird.

Das Evangelium stellt uns deutlich zwei Lebensmodelle vor Augen: Eines ohne Jesus und das andere mit Jesus. Eines im Leerlauf und das andere geordnet und geformt von seiner Nähe. Eines fruchtlos und das andere fruchtbar auf sein Wort hin. Eines wie tot und das andere lebendig durch seine Gegenwart.

Das heutige Evangelium möchte uns freilich anregen, nachzuschauen, zu welchen der beiden Varianten unser Leben zuneigt. Ist es ein christliches Leben im Vollsinn dieses Wortes, weil Christus lebendig da ist und wir zumindest beharrlich bemüht sind, in lebendiger Gemeinschaft mit ihm zu leben.

Sollten wir uns jedoch vom Herrn verlassen fühlen, da mag das heutige Evangelium uns Mut machen, mit verschärfter Aufmerksamkeit auf das Ufer unseres Lebensmeeres zu achten und zu bedenken, dass ER uns ja auch jetzt zum Mahl eingeladen hat und uns die Speise des ewigen Lebens reicht. Amen!

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