Samstag, Mai 28, 2011

Der andere Beistand





Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 14:15 – 21


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.
17Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
18Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch.
19Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.
20An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.
21Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.





Vor wenigen Tagen erst hat die Fußballmannschaft Sturm Graz das Erringen des Meistertitels gefeiert. Es war eine berauschende Feier, die sich die ganze Nacht hingezogen hat. Zuerst das Fußballstadion und dann der Hauptplatz waren zum Bersten voll mit Leuten.

Wir stehen auch in so einer Meisterfeier. Wir feiern den Meistertitel, den Jesus im Match mit dem Tod errungen hat, da er als Sieger aus diesem Wettkampf hervorging. Und weil es sich da um einen Sieg in viel tieferer Dimension handelt, wäre eine Nacht viel zu wenig zum Feiern; unsere Feier streckt sich über 40 Tage hin. Nunmehr neigt sich diese Siegesfeier dem Ende zu. Aber Jesus scheint des Feierns nicht müde zu werden. Denn intensiv bemüht er sich heute im Evangelium um eine Verlängerung dieser Siegesfeier: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“ (Joh 14:16) Und er nennt diesen Beistand dann auch beim Namen: „Es ist der Geist der Wahrheit.“ (Joh 14:17a) Jesus entflieht dieser Feier keineswegs sondern setzt sie fort auf einer höheren Ebene, nämlich bei seinem Vater im Himmel. Uns aber erbittet er den Hl. Geist der Wahrheit, der uns beim Weiterfeiern beistehen soll – das ist seine ausdrückliche Aufgabe! Und dieser Geist wird uns für immer beistehen, weil der Sieg Jesu nicht einer war bloß für ein Jahr! Das war ein Sieg für die Ewigkeit!

Wie mag sich wohl dieser Beistand bewähren? Die „Lange Nacht der Kirchen“ von vorgestern auf gestern gibt eine Antwort darauf. Dieser Beistand wandelt die Lange Nacht der Kirchen von einer Zeit des Dunkels in eine Zeit des Lichtes; von einer Zeit des Todes in eine Zeit des Lebens; von einer Zeit der Einsamkeit in eine Zeit der Gemeinschaft; und alles hat Platz, was das Leben ausmacht: Das Gespräch und das Schweigen; das Beten, Singen und Tanzen; das Hören, Lauschen und Staunen. Dieser Beistand entfaltet gerade in der Langen Nacht der Kirche den unermesslichen Lebensreichtum eben dieser Kirche.

Mit der Langen Nacht der Kirchen meine ich zuerst einmal das eben erlebte nächtliche Event. Doch weist mich diese Lange Nacht der Kirchen hin auf jene lange Nacht der Kirche, die sich erstreckt von Jesu Heimgang zum Vater bis zu seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten.

Für diese lange Nacht der Kirche ist ihr der Hl. Geist der Wahrheit als besonderer Beistand zugesagt. Diese lange Nacht ist die besondere Zeit des hl. Geistes: Er stärkt unseren Glauben, damit das Licht der Gegenwart des Herrn gerade in dieser Nacht nicht erlischt. Durch den Hl. Geist ist der Herr selber in unserer Mitte, denn es ist der Geist Jesu und der Geist Gottes. Jesus nennt ihn einen Geist der Nähe, der bei uns bleiben wird – und noch mehr: der in uns sein wird. So wie Jesus von diesem Geist erfüllt ist soll er auch uns erfüllen; wir – ein Gefäß des Hl. Geistes. Wir merken schon, Jesus will uns vorbereiten; wir sollen uns öffnen, damit dieser Hl. Geist in uns sein kann: in unserem Leib, in unserem Herzen, in unseren Beziehungen in unserem ganzen Leben; Jesus will uns vorbereiten darauf, dass dieser Hl. Geist eine Kraft von innen heraus ist und zugleich eine Kraft, die uns von außen umgibt.

Wenn Jesus den Hl. Geist einen Geist der Wahrheit nennt, merken wir, dass ihm die Wahrheit für uns am Herzen liegt; die Wahrheit über die Beziehung zwischen ihm und uns, seiner Kirche; die Beziehung zwischen ihm, seinem Vater und uns. Jesus will uns durch das heutige Evangelium vorbereiten auf unsere Einbeziehung in die Gemeinschaft des Sohnes mit dem Vater im Himmel. Der Hl. Geist eben soll diese Einbeziehung erwirken und andauernd bewahren.

Jesus bereitet heute seine Jünger darauf vor, dass durch seinen Heimgang zum Vater ihre Verbundenheit mit ihm keineswegs gelöst sondern vielmehr vertieft und gestärkt werden soll. Und wer könnte dies besser bewirken können, als eben der Geist, den Jesus von seinem Vater für uns erbittet. Und die geistgewirkte Verbundenheit mit Jesus und mit dem Vater macht die lange Nacht der Kirche zu einer unaufhörlichen Siegesfeier über den Triumph Jesu, der sich dann bei seiner Wiederkunft in Herrlichkeit in aller Öffentlichkeit erweisen und vollenden wird. Auf diese Wiederkunft feiern, leben, gehen wir zu unter dem Beistand des Hl. Geistes, der uns diese Wahrheit bis zuletzt lebendig erhalten wird! Amen!

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