Freitag, April 01, 2011

Gib mir zu trinken





Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 4: 5 – 42


In jener Zeit
5kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
6Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.
7Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
8Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.
9Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
10Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
11Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?
12Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?
13Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
14wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.
15Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.
16Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her!
17Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.
18Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.
19Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
20Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
21Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
23Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
24Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
25Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.
26Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.
27Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr?
28Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten:
29Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?
30Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus.
31Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!
32Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt.
33Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?
34Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen.
35Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte.
36Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
37Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät, und ein anderer erntet.
38Ich habe euch gesandt, zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit.
39Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
40Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.
41Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.
42Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.






Was einen Brunnen auszeichnet, ist, dass er ohne Unterschied jedem zu trinken gibt, der das Schöpfgefäß ins Wasser hinablässt. Ob klein ob groß, ob Sünder oder Gerechter, ob arm oder reich, ob Mann oder Frau, ob Jude oder Samariter – jedem füllt der Brunnen den Schöpfeimer mit Wasser

So einen Ort sucht Jesus sich heute aus, um uns zu erzählen, dass Gott auch so wie dieser Brunnen ist. Und dass Gott so einen Brunnen sein möchte in Jesus. In Jesus fließt die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes nicht nur für seine Jünger und nicht nur für Juden: Darum beginnt er ein Gespräch mit der Samariterin, die, wie er selber zum Schöpfen du Trinken an den Brunnen kommt. Und durch diese Frau fließt das Wasser aus Jesus, dem göttlichen Brunnen, weiter zu den übrigen Leuten der Stadt Sychar; denn sie laden Jesus ein und er bleibt zwei Tage bei ihnen. Bedenken wir außerdem, dass die Erinnerung an den Patriarchen Jakob in eine Zeit führt, in der das Volk noch eines war und nicht gespalten in Juden und Samariter. Diese Einheit möchte Jesus wieder herstellen und damit einen Prozess ins Rollen bringen, der nicht bei der Einheit zwischen Juden und Samaritern stehen bleibt sondern weiter führt zur Einheit zwischen Juden und Heiden und schließlich hinzielt zur Einheit aller Menschen in Jesus Christus. Diese Einheit ist in der katholischen Kirche verwirklicht und soll durch sie immer umfassender werden. Ein Aufruf zum Einheit stiftenden Dienst seiner Kirche.

Beim Meditieren dieser Verse ist mir eingefallen, was C.F. Meyer über einen römischen Brunnen schreibt:
„Aufsteigt der Strahl und fallend gießt

Er voll der Marmorschale Rund,

Die, sich verschleiernd, überfließt

In einer zweiten Schale Grund;

Die zweite gibt, sie wird zu reich,

Der dritten wallend ihre Flut,

Und jede nimmt und gibt zugleich

Und strömt und ruht.

Eine erfrischende Fastenübung: Uns so wie Jesus und dann die Samariterin als Brunnenschale zu entdecken, die empfängt und weitergibt; und dann näherhin zu bedenken, welcher Art die Gabe dieses Wasser ist. Das führt uns zur Dankbarkeit für alles Empfangene und zur Großzügigkeit im Verteilen dessen, was uns geschenkt wird. Großzügigkeit wird uns auch nahegelegt durch die Bemerkung, dass dieser Brunnen sich in einem Gebiet befindet, das Jakob seinem Sohn Josef geschenkt hat.
Des weitern ist zu beachten, wie Jesus das Gespräch mit der Samariterin beginnt. Er sagt zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Jesus ist bereit, ihre Hilfsbereitschaft in Anspruch zu nehmen und auf diese Weise einen Kontakt zu knüpfen, der sonst nicht üblich ist und gemieden wird.

Das Verhalten Jesu regt zu einer weiteren Fastenübung an: den ersten Schritte zu machen in einer Situation tiefer Unversöhntheit oder leichter Verstimmtheit; zuzugehen auf Menschen einer Randgruppe. So könnte ich in dieser Bußzeit Versöhnung oder neue Gemeinschaft stiften – und dies auf die sympathische Art aus der Position der Bedürftigkeit und der Abhängigkeit von unten herauf und nicht gönnerisch von oben herab.

Und schließlich die „Männergeschichte“ dieser Frau: „Fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“ Sechs Männer konnten ihre Sehnsucht nach Liebe nicht stillen und jetzt ist sie bei Jesus als dem siebten Mann angelangt. Bedenken wir die Zahl Sieben als hl. Zahl und als Zahl der Vollendung. So ist es Jesus, der ihr das Tor in eine neue Lebensdimension aufstößt; das wird dadurch angedeutet, dass sie ihren Wasserkrug stehen lässt und in ihr Dorf eilt.

Für uns die Fastenübung, alles, was uns nicht zufriedenstellt, was uns nicht erfüllt, was uns nicht heiligt und heilt, stehen zu lassen und uns ganz bewusst und entschlossen Jesus zuzuwenden als dem „siebten Mann“ unseres Lebens, in dem wir unseren Messias erkennen, unseren Heiland, Erlöser und Befreier, unsere Lebensfülle unseren Frieden und unsere wahre Freude – der allein es wert ist alles aufzugeben und ihm zu folgen. Amen!

Keine Kommentare: