Samstag, April 02, 2011

Geh, und wasch dich!






Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 9: 1 – 41



In jener Zeit
1sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
2Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?
3Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
4Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.
5Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
6Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen
7und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
8Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
9Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.
10Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?
11Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.
12Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.
13Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
14Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
15Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.
16Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.
17Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
18Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten
19und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?
20Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.
21Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.
22Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen.
23Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.
24Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
25Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.
26Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?
27Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?
28Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.
29Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
30Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
31Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.
32Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.
33Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
34Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
35Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
36Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
37Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.
38Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.
39Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.
40Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
41Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.






Ich warte sehr gerne auf die großen Feste unserer Kirche und mag es überhaupt nicht, wenn schon gegen Ende der Weihnachtszeit die ersten Osterhasen in den Geschäften auftauchen.
Ein Osterleuchten ganz anderer Art erleben wir am heutigen 4. Fastensonntag: wir bemerken es am besonderen Namen dieses Sonntags: Lätare – Freue dich! Oder mancherorts am rosa Messkleid, das nur an diesem Sonntag und am 3. Adventsonntag vom Priester getragen wird.
Wir werden so zu einer Art Vorfreude auf Ostern eingeladen, die dann freilich noch einmal im tiefen Dunkel der Passions- und der Karwoche untergeht.
Besonders durch das heutige Evangelium werden wir an Ostern erinnert. Denn in den Osterberichten hören wir immer wieder, dass die Zeugen den Herrn gesehen haben. Dass ihre Augen fähig waren, den auferstandenen Herrn wahrzunehmen.

Nun, in der Geschichte vorhin hörten wir von einem Blingeborenen, der durch Jesu Wirken sehend wird. Ihm werden auf wunderbare Weise die Augen des Leibes geöffnet, so dass er Jesus sehen konnte. Zugleich öffnete ihm Jesus aber auch die Augen des Herzens, so dass er Jesus im Glauben als den Menschensohn sehen und öffentlich bekennen konnte.

Durch den Blindgeborenen hindurch möchte Jesus auch an uns eine Augentherapie beginnen, damit wir dann zu Ostern Augen haben, die unseren auferstandenen Herrn sehen können. Und wie bei dem Mann geht es auch bei uns um die Augen des Leibes und der Seele.

Versuchen wir die einzelnen Schritte dieses Genesungsweges unserer Augenkraft zu erkennen.

Der Weg beginnt damit, dass Jesus sieht. Er sieht den Mann aber der merkt gar nicht, dass Jesus ihn ansieht, da er ja blind ist. Was bedeutet das für uns? Dass die Fastenzeit eine Zeit ist, in der zu erst einmal Jesus uns ansieht obwohl auch wir das oft du oft nicht wahrnehmen, weil wir es vergessen oder übersehen und unsere Augen und unsere Aufmerksamkeit dermaßen von anderem gefangen genommen wird, dass wir für die Wirklichkeit, dass Jesus uns anblickt, schlichtweg blind sind.

Dabei ist dieser Blick Jesu ein besonderer; wir können ihn so beschreiben: Jesus wirft eine Auge auf uns; oder: er nimmt uns ins Visier; oder: er sieht uns einfach mit großer innerer Aufmerksamkeit an. Es ist ein Blick der Liebe, mit dem Jesus uns ansieht; dieser Blick kommt nicht von seinem Verstand sondern von seinem Herzen; es ist ein Herzensblick. Dieser Blick möchte daher auch nicht unsere Phantasie anregen sondern unser Herz, indem wir uns fragen, wie fühle ich mich unter diesem Blick des Herrn? Ist es Freude, Dankbarkeit, Traurigkeit, Unsicherheit.... Mit diesen Regungen meines Herzens versuche ich unter den liebenden Augen des Herrn zu bleiben. Damit beginnt bereits der Heilungsprozess meiner Sehkraft, denn so kann der Herr das an mir tun und mir das sagen, was ich tun soll, damit ich wieder sehend werde: Und wie den Mann zum Teich wird der Herr mich womöglich zur Beichte schicken oder zu einem Menschen mit dem ich mich längst schon versöhnen sollte oder dem ich endlich einmal etwas gutes tun soll.

Es kann aber auch sein, dass mein Teich „Schiloach“ darin besteht, dass ich achtsamer mit meinem Körper umgehe, indem ich ihm den Schlaf oder die Bewegung gönne, die er braucht; oder dass ich meine Arbeitswut mäßige und mir mehr Zeiten der Ruhe schenke. Oder dass ich meine Trägheit überwinde und etwas unternehme, was mir und/oder anderen gut tut. Oder dass ich versuche, eine angewöhnte Abhängigkeit zu lockern.

So sieht der Weg zum Teich Schiloach bei jedem anders aus. Und wenn wir dann zu Ostern von unserem Teich Schiloach zurückkehren, wird der auferstandene Herr uns fragen: Glaubst du an den Menschensohn? Dann mögen wir antworten: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagt dann zu uns: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Und wir dann: Ich glaube, Herr! Und wir werfen uns dann vor ihm nieder und werden unseren auferstandenen Herrn verehren!

Auf diesem Weg werden auch wir durch den Herrn Licht! (Eph 5:8) Amen!

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