Mittwoch, April 20, 2011

Anteil an Jesus




Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15

1Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
2Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
3Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.





Du, Herr, willst mir die Füße waschen?“ (Joh 13:6b) Petrus merkt deutlich das Skandalöse im Handeln Jesu – wie wohl die andern Jünger auch; er hat jedoch die Impulsivität, sie auszudrücken – und sich zu verweigern: Du, Herrmir die Füße waschen! Niemals! Das kommt nicht in Frage!

Jesus, der Herr, tut einen der niedrigsten Sklavendienste. Und Jesus tut ihn ganz bewusst; auch er empfand das Außergewöhnliche, ja, das Ungeheuerliche seiner Aktion: Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. (Joh 13:13) Und Jesus handelt so, um seinen Jüngern ein Beispiel zu geben, das umso drängender zur Nachahmung verpflichtet, als unter ihnen die Differenz von Herr und Diener, Meister und Schüler nicht besteht. Zugleich ist das Beispiel Jesu eine unerlässliche Kraftquelle für unseren Dienst aneinander auf gleicher Ebene.

Die Fußwaschung durch Jesus hat bei Johannes deshalb ein ganz besonderes Gewicht, weil er, wie sonst keiner der übrigen Evangelisten, die göttliche Hoheit und Würde Jesu besonders betont. Durch sein Tun will Jesus zeigen, dass ihm seine Jünger alles wert sind und dass ihm keine Mühe zu groß und kein Dienst zu gering ist – sofern ihnen damit gedient, also geholfen ist.

Die Fußwaschung ist eine starke äußere Zeichenhandlung; sie steht für eine innere Wirklichkeit, für eine innere Haltung Jesu, die wir „Ganzhingabe“ nennen können. In dieser Hinsicht meint die Fußwaschung dasselbe, was Jesus durch das letzte Abendmahl ausdrücken wollte. Bei diesem Mahl kommt seine Ganzhingabe dadurch zum Ausdruck, dass er sich ganz in das Brot und den Wein hinein gibt, um sich durch den Verzehr dieser Speise ganz in das Leben seiner Jünger hinein geben zu können.

Beide Zeichenhandlungen lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und bringen die Kompromisslosigkeit seines Liebens unmissverständlich zum Ausdruck. Durch das Setzen dieser Zeichenhandlungen die Jahrhunderte hindurch im Handeln der Kirche gibt der Herr unablässig seine Lebensimpulse und zwar so, dass er sich je und je selber gibt in seiner menschlich göttlichen Fülle.

Die beiden Zeichenhandlungen sind für Jesus wie Gefäße, die er schließlich füllt mit der schrecklichen Wirklichkeit seines Leidens und Sterbens am Kreuz. In der Fußwaschung und in den eucharistischen Gestalten wird auf unblutige Weise das blutige Kreuzesopfer Jesu gegenwärtig. In beiden Zeichenhandlungen dürfen wir uns mit der Frucht von Jesu Lebensopfer beschenken lassen: mit der Befreiung von Schuld und Tod; mit der Versöhnung mit Gott und mit einander; mit der Gabe der Gotteskindschaft; mit der Fülle des göttlichen Lebensgeistes.

Wir bemerken an all dem: Das Wirken Jesu bei der Fußwaschung, beim Letzten Abendmahl und letztendlich am Kreuz ist wohl eine unbegreifliche Herablassung Gottes zu uns Menschen; dieses Zuneigen Gottes will uns unsere Armseligkeit und unsere Bedürftigkeit vor Augen halten. Aber das Ziel ist, dass wir so von ihm angezogen, werden – erhöht in die Würde des Kindseins vor Gott. Wie sagt dies Jesus zu Petrus: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir!“ (Joh 13:8). Es geht um diesen Anteil an Jesus: Im Übertragen seines Beispieles in unser Leben haben wir Anteil an seinem Leiden – wiewohl in der Liebe dieser Leidensanteil bereits den Keim der Herrlichkeit in sich trägt, die schließlich als Anteil an der Osterherrlichkeit Jesu an uns offenbar wird.

Dieser Anteil an Jesus ist Gabe und Annahme. In jeder Form der Begegnung mit dem Herrn wird diese Gabe und Annahme Wirklichkeit. In jeder Begegnung möchte der Herr uns Anteil an sich geben; das bedeutet Anteil an seiner Lebensfülle, deren Ziel es ausschließlich ist, uns in unserer menschlichen Würde zu heilen, zu befreien, aufzurichten, zu erleuchten, zu erfreuen und uns so jener Fülle möglichst nahe zu bringen, die Gott uns schon zugedacht hat, als er uns als sein Abbild erschaffen hat. Diese Lebensfülle verwirklicht sich in Gottes Nähe.

Darum haben wir eben vorhin gebetet: Allmächtiger, ewiger Gott, am Abend vor seinem Leiden hat dein geliebter Sohn der Kirche das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet. Gib, dass wir aus diesem Geheimnis die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen. Amen!

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