Dienstag, März 08, 2011

In der Versuchung





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 4: 1 – 11


In jener Zeit
1wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.
2Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.
3Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
4Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
5Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel
6und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
7Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
8Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
9und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
10Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
11Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.




Freundschaft ist, wenn man in die gleiche Richtung schaut! Diese Erfahrung dürfen wir heute, am 1. Fastensonntag mit Jesus machen. Mit uns steht er am Beginn einer 40tägigen Fastenzeit. Und er tut das für uns, zum Zeichen seiner Freundschaft. In den Mühen der kommenden Tage dürfen wir gewiss sein: Jesus fastet mit uns. So will er uns Mut machen und uns stärken auf unserem Weg durch die kommenden 40 Tage der Buße und der Umkehr.

Jesus schaut mit uns in die gleiche Richtung, weil er zuvor in Liebe auf uns schaut. Er geht mit uns den gleichen Weg, damit wir uns seiner Gemeinschaft erfreuen – gerade in den kommenden Tagen. Wie er auf uns schaut sollen auch wir auf ihn schauen und dieser Blick auf ihn eröffnet uns den Herrn
als eine Quelle der Kraft, wenn wir schwach werden,
als eine Quelle der Stärke wenn wir in Versuchung geraten,
als eine Quelle des Lichtes, wenn es gar zu dunkel wird.
Möge es uns in diesen Tagen geschenkt sein, den Herrn nie aus den Augen zu verlieren, damit er uns auch nie aus dem Sinn kommt und wir ihn unserem Herzen immer nahe erleben dürfen.

Dieses immerwährende Blicken auf den Herrn erinnert mich an unseren Hund. Mein Vater legt ein Stück Hundefutter auf den Boden und sagte: „Nein!“ Der Hund wusste, dass er das Stück nicht fressen durfte. Er schaute aber nie auf das Futter, als fürchtete er, die Versuchung zum Ungehorsam könnte zu groß für ihn werden; er schaute vielmehr unentwegt meinen Vater an. Die Lehre daraus: Immer auf Jesus schauen!

Und Jesus verhält sich in den Versuchungen des heutigen Evangeliums genauso: Er schaut unentwegt auf seinen Vater. Wie er das macht? Indem er gegen jede der drei Versuchungen das Wort Gottes zitiert und dadurch gleichsam die Macht seines himmlischen Vaters gegen den Versucher ins Feld führt. Er stellt sich dem Versucher nicht allein sondern verbündet sich unverzüglich mit seinem Vater im Himmel: Der ist seine Kraft und Stärke, gegen die der Versucher nichts ausrichten kann und schließlich das Feld räumen muss.

Und wenn wir nachschauen aus welcher Schrift Jesus das Wort Gottes zitiert entdecken wir, dass es das Buch Deuteronomium, das 5. Buch Moses, ist. Dieses Buch erzählt vom Weg des Volkes Israel durch die Wüste. Wir lesen darin, dass Gott Israel in die Wüste führt, um es zu erproben, ob es seine Weisungen beachtet, und um es zu lehren, dass der Mensch nicht allein von Brot lebt, sondern gerade auch von Gottes Wort. Israel erfährt, dass Gott sogar in der Wüste gegenwärtig ist und auch dort – wie immer – für sein Volk sorgt.

Jesus macht dieselbe Erfahrung wie das Volk Israel in der Wüste. Seine Antwort entspricht den Erwartungen Gottes. Jesus gibt gleichsam Modellantworten. Zu diesen Antworten befähigt ihn der hl. Geist, der ihn in die Wüste geführt hat. Diese Antworten bestätigen Jesus als den geliebten Sohn, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat. (vgl. Grilli, Langner 56.58)

In der 1. Lesung hörten wir von der Versuchung Adams und Evas im Paradies. Sie haben sich vom Bösen den Zweifel an Gottes Güte einreden lassen; dieser Zweifel führte zum Misstrauen Gott gegenüber und dieses Misstrauen hat schließlich die Beziehung zu Gott zerstört. Dies kam zum Ausdruck im Essen der verbotenen Frucht.

Ganz anders hat sich Jesus in der Versuchung verhalten: Auch bei ihm versuchte der Teufel, das Vertrauen auf Gott zu zerstören. Aber Jesus erneuert bei jeder Versuchung eben dieses Vertrauen auf Gott:
„Der Mensch lebt von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt;
du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen;
vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen."
Jede dieser drei Aussagen von Gott spricht davon, wie absolut Jesus IHM, seinem Vater vertraut.

In seinem Verhalten gleicht Jesus einem Habicht. Wenn der von Krähen angegriffen wird dann startet er keinen Gegenangriff auf die Krähen sondern fliegt immer höher hinauf, bis ihn die Krähen schließlich nicht mehr erreichen können.

Möge uns denn die kommende Bußzeit zwei Wege führen: Demütig in unsere eigene Armseligkeit und vertrauensvoll in die Weite Gottes, der unsere Zuflucht und unser sicherer Schutz ist durch Christus, unseren Herrn! Amen!

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