Freitag, Februar 18, 2011

Besiege das Böse durch das Gute!





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 5:38 – 48


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 
38Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.
39Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
40Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.
41Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.
42Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
43Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
44Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
45damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
46Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?
47Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
48Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.







„Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5:48) Das ist ein hoher Anspruch. Wie können wir dem gerecht werden?

Da braucht es einmal die innere Ausrichtung auf Gott als unserem himmlischen Vater. Jesus stellt uns ja nicht die Vollkommenheit eines völlig fremden Wesens vor Augen sondern die von unserem himmlischen Vater. Wenn also die Ausrichtung auf Gott wie die von einem Kind auf seinen Vater ist, haben wir schon die halbe Miete. Wenn diese Ausrichtung zudem von Sympathie geprägt ist, kann eigentlich nichts mehr daneben gehen.

Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es uns leicht fällt, Menschen nachzuahmen, die wir lieben und von denen wir wissen, dass sie uns lieben. Diese Menschen haben wir gerne zu unseren Vorbildern. Wir schauen mit neugieriger Hingabe ihr Leben an, wir halten uns gerne und oft in ihrer Nähe auf. Wir sind wie ein weit offenes Gefäß für das, was sie sagen und was sie tun. So eine Kind-Vater Beziehung müssen wir uns bei Jesu Worten als Hintergrund vorstellen. Dann verlieren sie ihre Schwere und wir selber werden uns sagen: Ja wie anders könnte ich denn auch werden wenn nicht vollkommen wie unser himmlischer Vater!?

Diese innere Ausrichtung in gespannter, liebender Zuneigung zum himmlischen Vater lässt mich dann wahrnehmen, dass es stimmt, was Jesus sagt: „Er lässt tatsächlich seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und läst es regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5:45) Gott liebt tatsächlich in einer Weise, die Grenzen überschreitet; er reserviert seine Zuneigung nicht nur für jene, die ihn mögen. Er schenkt seine Liebe auch jenen, die ihn nicht wahrnehmen, die ihn nicht lieben, die ihn hassen. Gott liebt tatsächlich grenzenlos. Die Beispiele von der Sonne und vom Regen, die Jesus anführt, könnten wir beliebig vermehren. Wenn wir uns in dieses Lieben Gottes versenken, wird es unser Verhalten beeinflussen, ändern, prägen und uns zu großen Liebenden machen mit einem weiten Herzen, das die Grenzen, die ihm gezogen werden, immer überschreiten wird.

Wie diese Grenzüberschreitung ausschauen kann, zeigt Jesus an lebensnahen Beispielen aus seiner Umwelt: die Feinde lieben und für die Verfolger beten; dem, der uns bittet, geben und dem, der von uns borgen will, ausleihen; wenn mich einer zwingt eine Meile mit ihm zu gehen, zwei Meilen mit ihm gehen; wenn einer vor Gericht mein Hemd erstreiten will, ihm auch den Mantel geben und dem, der mich auf die rechte Wange schlägt, auch die linke hinhalten.

Bei all diesen Beispielen wird ein besonderer Umgang mit dem Bösen deutlich: Es wird nicht mit Bösem bekämpft sondern mit dem Guten beantwortet! Das Böse findet keinen Platz im Herzen eines Jüngers Jesu; es kann sich dort nicht einnisten; es ist immun gegen das Böse. So kann es die Weisung Jesu in die Tat umsetzen. Paulus gibt mit anderen Worten die gleiche Weisung: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12:21)

Dieser Sieg über das Böse hat ein Ziel vor Augen; Jesus nennt es im heutigen Evangelium: „damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet!“ (Mt 5:45) Von diesem Ziel her wird uns die Kraft geschenkt, das Böse durch das Gute zu besiegen. Es ist der kindliche Aufblick zum himmlischen Vater, der den Horizont weitet über das Böse hinaus und das Herz öffnet für das Gute, das so von Gott her in unser Leben einströmen und unser Handeln bestimmen kann. Der Sieg über das Böse macht uns zu Kindern Gottes und zugleich besiegen wir das Böse aus der Kraft heraus, die den Kindern Gottes eigen ist. Johannes hat es bereits im Prolog zu seinem Evangelium geschrieben: Allen aber, die Jesus aufnahmen gab er Macht Kinder Gottes zu sein, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes sondern aus Gott geboren sind. (vgl. Joh 1:12f.)

Kind Gottes zu sein – das ist eine Macht! Aber welche Macht? Wir hörten es eben: eine gute, eine gütige, eine liebende Macht – genau jene Macht, die das Böse besiegt. Und wie wird diese Macht wirksam? Im Glauben an den Namen Jesu! Dieser Glaube ist das Leben unserer Gotteskindschaft; er ist das Einfallstor für Gottes Kraft und Stärke in unser Leben.

Bitten wir um diesen Glauben, leben wir aus diesem Glauben und wir werden eine Liebeskraft haben, die uns furchtlos macht und alles Böse in unserem leben überwinden wird! Gepriesen sei Gott, der uns durch seinen Sohn Jesus Christus diese Liebe schenkt! Amen!

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