Freitag, Januar 14, 2011

Seht, das Lamm Gottes!





Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 1:29 – 34

In jener Zeit
29sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
30Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.
31Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen.
32Und Johannes bezeugte: Ich sah. dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.
33Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.
34Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.





Die Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und Jesus verläuft im heutigen Evangelium anders als in den übrigen drei. Vor allem anderen wird Jesus nicht von Johannes getauft. Dem Evangelisten erschien es nicht passend, dass der, von dem es eben noch geheißen hat, er sei das Wort, das Fleisch geworden ist und das am Anfang bei Gott war und das Gott war – dass also dieser die Taufe zur Sündenvergebung empfange sollte. Das ist beim Evangelisten Johannes kein Thema!

Dennoch hat Jesus etwas mit den Sünden zu tun – zwar nicht mit den eigenen wohl aber mit denen der Menschen. Johannes nennt ihn „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1:29)

Wie kommt Johannes dazu, Jesus das Lamm Gottes zu nennen? Diese Bezeichnung erinnert an die Lämmer, die im Tempel zu Jerusalem geschlachtet wurden zur Vergebung der Sünden Israels. Diese Lämmer haben die Leute nach dem Gesetz des Mose zum Schlachten in den Tempel gebracht.

In Jesus nun bringen nicht mehr die Menschen ihr Lamm sondern Gott das seine; und recht eigentlich bringt er es nicht selber – es kommt aus eigenen, freien Stücken im Auftrag Gottes! Das Ziel seines Kommens sind jedoch nach wie vor die Sünden des Volkes.

Aber auch hier hat sich etwas geändert: Es heißt nämlich nicht: es nimmt hinweg die Sünden des Volkes Israel, sondern: es nimmt hinweg die Sünde der Welt! In diese Sünde sind die Sünden Israels mit eingeschlossen in die Sünde aller Menschen zu aller Zeit auf der ganzen Welt.

Die universale Sündenbefreiung wird zudem dadurch unterstrichen, dass dieses Hinwegnehmen in der Zeitform der Gegenwart steht: Das universale Befreien von der Sünde der Welt geschieht in einem immerwährenden Jetzt. Mit Sünde ist dabei die Schuld gemeint, die durch sündhaftes Vergehen aufgeladen wird. Die universale, befreiende Aufgabe des Gotteslammes entspricht dem Wort, das am Anfang bei Gott war und das Gott war.

Ich habe schon in der Predigt letzten Sonntag angedeutet, dass Johannes der Täufer wie in einer Seelenschau eine tiefere Einsicht in Jesus hatte, als die umstehenden Leute. Diese Einsicht wurde ihm allerdings geschenkt von dem, der ihn in die Wüste zum Prediger- und Taufdienst gerufen hat.

Dem äußerst einfachen und stillen Leben des Täufers ward es gegeben, tief in die Seele und in das Leben Jesu blicken zu dürfen; und nicht etwa den Schriftgelehrten, Priestern und Pharisäern im Tempel und in Jerusalem!

Das heutige Evangelium entfaltet stufenweise die Einsicht des Täufers in das innerste Geheimnis Jesu. Soweit Menschen blicken konnten wurde ihm diese Einsicht ermöglicht: So nennt er Jesus zuerst das Lamm Gottes; als nächsten Schritt darf er sehen, wie der hl. Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herabkommt und auf ihm bleibt; das führt ihn zur Erkenntnis, dass Jesus mit dem hl. Geist taufen wird und mündet schließlich im Zeugnis: „Er ist der Sohn Gottes!“ (Joh 1:34)

Hier wird nicht Jesus getauft sondern Johannes; er wird getauft mit der tiefen Einsicht in die Person Jesus und mit der Erkenntnis von Jesu Auftrag in und an der Welt: Dass er gekommen ist, nicht nur das Volk Israel sondern die ganze Welt zu erlösen und zu befreien.

Johannes der Täufer kommt mir vor wie ein Priester bei der Beichte: Die Leute kommen zu ihm und bekennen ihre Sünden. Aber hinwegnehmen tut diese Sünden Jesus, das Lamm Gottes. Der Priester tut seinen Dienst im Namen des Sohnes; aber das tut Johannes ja auch – allerdings im Namen des Vaters. Ob Johannes diese dreifaltigen Zusammenhänge auch erkannt hat?

Schließlich noch ein weiterer Gedanke: Das Lamm Gottes, das die Sünde hinwegnimmt steht zu Beginn eines Weges an dessen Ende die Erkenntnis steht: dieser ist der Sohn Gottes. Das heißt: die Befreiung von Schuld eröffnet einen Weg, der hinführt zur wahren Erkenntnis Jesu als des Sohnes Gottes. Zugleich ist dieser Weg in die Erkenntnis Jesu ein Weg in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes. So wird deutlich, warum Jesus gekommen ist, uns von unserer Sündenschuld zu befreien: Damit wir am seligmachenden Leben des dreifaltigen Gottes teilnehmen dürfen! Amen!

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