Freitag, Januar 21, 2011

Lebenswandel





+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 4: 12 – 23

12Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück.
13Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.
14Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
15Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa:
16das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
17Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
18Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer.
19Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
20Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
21Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie,
22und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.
23Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.





„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 4:17) Mit diesem Ruf beginnt Jesus heute sein missionarisches Wirken. Er ist wie eine Überschrift seines folgenden Wirkens. Wenn wir diesen Ruf des Herrn gut verstehen, werden wir auch das gut verstehen, was er im Verlauf seines Wirkens reden und tun wird. Dieser Ruf ist wie ein Schlüssel, der uns die Tür öffnet zur Berufung Jesu und zu unserer eigenen Berufung. Mit dem besseren Verständnis dieses Rufes können wir nicht nur Jesu Leben sondern auch das unsere besser verstehen.

„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“ Nicht zum ersten Male erklingt dieser Ruf aus dem Munde Jesu! So hat schon Johannes der Täufer am Jordan gerufen und zwar mit genau den gleichen Worten!

Es ist nun bemerkenswert, dass wir eben hörten, wie man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, Jesus davon gehört und sich nach Galiläa zurückgezogen hatte. Für Jesus wird damit klar, dass Johannes diese Botschaft nicht mehr verkünden kann; zugleich erkennt er dies als Auftrag, dass nun ER diesen Auftrag übernehmen und weiterführen muss. Es ist wie bei einem Staffellauf: Der Vorläufer beendet seinen Lauf und gibt den Stab dem folgenden Läufer weiter – oder eigentlich, der folgende Läufer übernimmt den Stab vom Vorläufer. Und genau das tut Jesus!

Aber das erfordert etwas von Jesus: μετάνοια! Änderung seines Denkens und seines Lebens! Wie das zum Ausdruck kommt? Er verlässt Nazareth um in Kafarnaum zu wohnen, das am Meer liegt! Er geht aus der Abgeschiedenheit Nazarets in die Öffentlichkeit Kafarnaums; Er tritt aus dem Schweigen in die Verkündigung; Und – wie wir gleich sehen werden: aus dem Alleinsein in ein Leben in Gemeinschaft! Was ihm die Kraft dazu gegeben hat? Das nahe Königreich der Himmel! Nahe in der Verkündigung des Täufers; Nahe in der drängenden Einladung, es zu verkündigen; Nahe im Prophetenwort des Jesaja! Dies alles zusammen ändert bei Jesus das Denken und Handeln! Nicht, dass er bisher bisher böse gedacht und gehandelt hätte; Sondern sein Leben wird in eine neue Richtung gelenkt. Jesus geht darauf ein und schwenkt voll ein – und er tut dies durch μετάνοια, durch Änderung seines Lebens.

Zugleich bemerken wir, dass Jesus im eigenen Leben zuvor selber vollzieht, was er dann verkündet: Kehrt um – im Sinne von: Ändert euer Leben! Denn das Himmelreich ist nahe!

Was dies für seine ersten Jünger bedeutet, werden wir gleich erleben: Sie verlassen ihren bisherigen guten Lebensweg und geben ihm eine völlig neue Richtung, indem sie fortan Jesus nachfolgen.

Das sagt uns etwas über den Begriff μετάνοια: Es bedeutet dies nicht nur Reue, Buße und Umkehr von einem bösen Weg; Gewiss dies gehört oft genug auch dazu – aber nicht nur: Worauf es eigentlich ankommt ist die Änderung und Neuausrichtung des Lebens. Das hat zur Folge, dass der Ruf zur Umkehr nicht nur die Sünder sondern auch die Gerechten und Braven treffen soll: alle sind wir aufgerufen, unter dem Andrang des nahe gekommenen Königreiches der Himmel uns zu fragen: ja – und ich, wie soll ich meinem Leben eine neue Richtung, ein neues Ziel, einen neuen Inhalt geben? Genau zu dieser Frage will der Ruf Jesu uns heute aufwecken! Und wie werden wir die Antwort finden: Im «Gespräch» mit den gegebenen Umständen meines Lebens und im Gespräch mit Jesus selber.

Ich sagte schon: Jesus wurd zur Neuordnung seines Lebens geführt durch seine Verbundenheit mit Johannes und seine Offenheit für das Wort des Propheten Jesaja; In desem Prophetenwort begegnet ihm Gottes Wort!

Dieses Vorbild Jesu soll unseren Blick auf Jesus ziehen und uns Mut machen, uns dem nahen Königreich der Himmel zu öffnen, uns von seinem Drängen bewegen und uns vom Wort Jesu, überliefert vom Evangelisten, den Weg zeigen zu lassen: Und dieser Weg führt genauso wie jener der Jünger in die Gemeinschaft mit dem Herrn. Dort werden wir erleben, was es mit dem Königreich der Himmel auf sich hat, dass es dabei um die milde Herrschaft der barmherzigen Liebe Gottes geht und dass von dort die Schönheit unserer Kirche herkommt. Amen!

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