Donnerstag, Januar 06, 2011

Gerechtigkeit, die Gott fordert


 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 3: 13 – 17

13Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
14Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?
15Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
16Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
17Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.






Wenn wir uns das so vorstellen, wie Johannes da nacheinander die Menschen tauft, sie dabei ihre Sünden bekennen und im Taufwasser von ihrem geistlichen Schmutz befreit werden dann können wir das Wasser dort an der Taufstelle als eine geistliche Kloake bezeichnen.

Und nun kommt da Jesus daher und hat gar nichts abzuwaschen, weil er der Sündenlose ist. Johannes erkennt das – als hätte er das Charisma der Seelenschau! Dennoch steigt Jesus in diese geistliche Scmutzbrühe hinab und taucht darin unter mit dem Hinweis, nur so ganz die Gerechtigkeit Gottes erfüllen zu können.

Mir ist bei diesem Geschehen das Wort des Täufers in den Sinn gekommen, das er bei Johannes von Jesus sagt: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1:29) Wenn er die Sünde der Welt hinwegnehmen will, muss er sich diese vorerst aufladen; das tut er sinnenfällig auf eindrückliche Weise durch das Untertauchen in jenes Wasser, in dem die Menschen vor und nach ihm von ihren Sünden abgewaschen wurden. Selber ohne Schuld taucht er ganz in die Schuld der Menschen ein, nimmt sie auf sich und trägt sie hinweg.

Jesus erscheint dabei wie ein geistliches Klärwerk, das durch den Klärschlamm der Liebe die Sünde geradezu auffrisst und vertilgt. So reinigt er uns Menschen von aller Schuld und heiligt das Wasser, um es fortan zu einem Element zu machen, das in der Taufe zeichenhaft auf diese Reinigung von Schuld und Sünde hinweist.

Gerade dadurch aber erfüllt er ganz die Gerechtigkeit Gottes, der so unsere Ungerechtigkeit beantwortet: Im Eintauchen in unsere Ungerechtigkeit, im Annehmen und Ertragen derselben, im Sterben an ihr nimmt er sie hinweg und erweist sich in der Auferstehung tatsächlich als ihr Bezwinger und somit als unser Erlöser. Das ist die Gerechtigkeit Gottes: Böses mit Gutem zu beantworten, die Finsternis mit Licht, den Hass mit Liebe, das Unheil mit Heil, die Gefangenschaft mit Befreiung, den Tod mit Leben.

Was Jesus dazu befähigt ist freilich nicht menschliche Macht und Weisheit sondern die Kraft von oben, die Kraft des Heiligen Geistes. Darum kommt diese Kraft auch sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und die Stimme aus dem Himmel erklärt Jesus als den geliebten Sohn, an dem sie Gefallen gefunden hat.

Für die übermenschliche Aufgabe, die Gerechtigkeit Gottes ganz zu erfüllen und uns Menschen aus der Macht der Sünde zu befreien, braucht es die übermenschliche Kraft des Hl. Geistes. Weil wir Menschen ganz unter der Knechtschaft der Sünde gefangen waren musste Gott selber zu uns unter dieses Joch kommen, um es von uns nehmen und wegtragen zu können. Genau deshalb ist er Mensch geworden in Jesus Christus. So wird dieses Eintauchen in das Wasser des Jordan nicht nur zum sinnfälligen Zeichen dafür, dass er unsere Schuld auf sich nimmt;

Es wird auch zum Zeichen seiner Menschwerdung und dass Gott in Jesus Christus ganz in unser Menschsein eintaucht; er wird wahrer Mensch und bleibt dabei doch wahrer Gott, wie es die Theologie ausdrückt. Er wird in allem uns gleich außer der Sünde.

Der Geist und die Stimme aus dem Himmel – beides ist wie eine Grundmelodie, die zu Beginn seines öffentlichen Auftretens anklingt und sich dann im Verlauf seines Wirkens ausgestaltet – in den Zeichenwundern einerseits und in seiner Verkündigung andererseits.

Beides – Geist und Stimme vom Himmel – sind aber auch für uns Menschen maßgeblich; denn auf sie hin werden wir von der Sünde befreit. Wir sollen von der Sünde entleert nicht leeres Gefäß bleiben sondern gefüllt werden mit dem Geist aus der Höhe und Hörende werden auf Gottes Wort.

Maria, die Mutter Jesu, ist uns hierin Vorbild: Denn Heiliger Geist kommt über sie und die Kraft des Höchsten überschattet sie. Und aus ihrem Mund vernehmen wir: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast (Lk 1:35.38). Gerade so sollen auch wir Tempel des heiligen Geistes und Täter des Wortes Gottes sein! Amen!

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