Dienstag, Dezember 07, 2010

Maria - Begnadete!




Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1: 26 – 38

26In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.






Wir haben eben die Geschichte von der Empfängnis des Herrn durch die Jungfrau Maria gehört. Im Verlauf der Begegnung mit dem Engel Gabriel ist sie Mutter Gottes geworden.

Jedoch ist das heutige Festgeheimnis Mariens eigene Empfängnis; in neun Monaten feiern wir demnach das Fest ihrer Geburt.

Wie hängen nun die beiden festlichen Ereignisse zusammen?

Im heutigen Evangelium wird hingewiesen darauf, dass Maria von jeher für die Aufgabe vorbereitet wurde, Mutter Gottes zu sein. Und dieses „von Jeher“ meint zum einen vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis im Leib ihrer Mutter Anna.

Und zum anderen meint es, dass Gott sie von Ewigkeit her als Mutter seines Sohnes in seinen Heilsplan einbedacht hat.

Wo kommt dies im heutigen Evangelium zum Ausdruck? Im Wort des Engels: „Du Begnadete, der Herr ist mit dir!“ Der Engel sagt nicht: „Du warst begnadet“, oder: „Du bist jetzt begnadet“, oder: „Du wirst begnadet sein!“ Der Engel bezeichnet sie als Begnadete – ohne zeitliche Einschränkung! Das heißt, dass die Begnadung, die da der Engel von ihr aussagt, ihr ganzes Leben von Anfang bis zum Ende umfasst und darüber hinausreicht in die Ewigkeit vor und nach ihrem irdischen Leben.

Und er fügt gleich an, worin diese Begnadung besteht: „Der Herr ist mit Dir!“ Und auch hier wieder diese zeitliche Unbegrenztheit, die leider nur im Griechischen Urtext zum Ausdruck kommt: Dort heißt es wörtlich übertragen: „Der Herr mit Dir!“ Weder „war mit dir“, noch „ist jetzt mit dir“ noch „wird mit dir sein!“

„Der Herr mit Dir“ – das meint jene Gegenwart Gottes in ihrem ganzen Leben, die jeglichem Bösen grundsätzlich den Zugang verweigert. In ihrem Leben ist von Anfang bis zum Ende die reine, ungetrübte Güte Gottes da!

Wenn ich daher auf Maria schaue, dann blicke ich in die kristallklare Anwesenheit Gottes im Leben eines Menschen; ich finde nur Umschreibungen für diese Schönheit; und allesamt reichen sie nicht aus, um sie auch nur annähernd zu beschreiben. So bleibt zuletzt ein Verstummen und ein Staunen, das übergeht in ein Freuen und Danken und Loben. Da die Freude die angemessenste Reaktion auf dieses Handeln Gottes an ihr ist, fordert der Engel Gabriel sie gleich zu Beginn des Gespräches dazu auf: „Freue Dich!“ Durch diesen Freudengruß dürfen wir uns alle angesprochen und gegrüßt wissen und eingeladen, uns mit ihr zu freuen über, das Große, was Gott an ihr tut.

Diese Freude bleibt nicht eine Freude von eigentlich Unbeteiligten – so als beträfe die gnadenhafte Gegenwart in ihrem Leben nur Maria alleine. Gewiss, es ist allein schon das ein Grund zur Freude, dass Gott so an einem Menschen handelt, wie er es an Maria getan hat.

Ich habe oben schon gesagt, dass Gott auf diese Weise Maria als Mutter seines Sohnes in seinen Heilsplan einbedacht hat. Darauf hin zielt die Begnadung durch Gottes Gegenwart, dass diese Gegenwart sich dermaßen verdichtet, dass sie im Schoß Mariens Mensch wird. „Gott ist nicht zu ihr gekommen, um ihr bloß einen Besuch abzustatten – sondern er ist auf neue geheimnisvolle Weise in sie hineingekommen, um aus ihr geboren zu werden. ... So ist Maria wirklich zu Mutter geworden für jene, die aus der Gnade leben“ (Petrus Chrysologus, Predigt 140) Doch dieses Geheimnis zu entfalten ist uns für das Weihnachtsfest vorbehalten.

Hören wir abschließend einen andern Kirchenvater, wie er das Geheimnis des heutigen Festtages bestaunt: „Andere empfangen Gnade stückweise; in Maria hat sich auf einmal die Fülle der Gnade selbst ergossen. Sie ist wirklich voll der Gnade durch den, der über jedes Geschöpf die Fülle des Hl. Geistes ausgegossen hat. Aber Der, Der den Engel zu Maria sandte, war zuvor schon bei der Jungfrau. Der Herr ist seinem Botschafter vorausgegangen, denn Der kann durch keinen Ort begrenzt werden, Der an allen Orten wohnt.“ (Pseudo-Hieronymus)

Verweilen wir beim Staunen über das heutige Festgeheimnis und freuen wir uns aus ganzem Herzen darüber, denn auch dies geschieht zu unserem Heil. Im staunenden Schauen und im frohen Danken tun wir das Beste zu unserer Vorbereitung auf das Kommen des Herrn in unserem Fleisch. Wir reinigen dadurch unsere Fleisch, damit es der Herr nehmen und zu seinem machen kann. Amen!

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