Montag, Dezember 27, 2010

Josef nahm das Kind und dessen Mutter




Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 2:13-15.19-23

13Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
14Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
15Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
19Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum
20und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.
21Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.
22Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa
23und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.







Das Kind, das wir eben erst vorgestern abends und gestern als unseren Erlöser gefeiert und verehrt haben, erleben wir heute auf besondere Weise geborgen bei seinen Eltern: Es ist die Geborgenheit, die schützt vor der Gefährdung durch Menschen, die das Kind töten wollen. Familie zeigt sich als Schutzraum für das Kind.

Dieses Thema jederzeit aktuell; denn die Bedrohungen für das Kind vom Zeitpunkt seiner Empfängnis an sind auch heute vielfältig und intensiv. Ich denke dabei an die Abtreibung, der ein werdendes Baby ausgesetzt ist, wenn es nicht den Schutzraum einer Familie hat. Oder die unguten Einflüsse, die durch die zahlreiche Medien über das Kind hereinbrechen – wenn da nicht der Schutzschild einer Familie da ist, unter dem das Kind liebende Annahme findet und einen Raum, in dem es gut bewältigen kann, was ihm Ungutes widerfährt.

Die Bedrohungen, die ich hier erwähne, sind gewiss nicht harmloser als jene, die von Herodes für Jesus ausgegangen ist.

Das heutige Evangelium zeigt zudem, dass die hl. Familie nicht aus sich heraus diesen Schutzraum gewähren kann. Sie befindet sich vielmehr selber in einem Schutzraum. In den Träumen des Josef wird deutlich: Gott ist die schützende Macht, die das Kind und seine Eltern vor dem Bösen bewahrt! Und Josef und Maria können nur deshalb das Kind beschützen, weil sie der Schutzmacht Gottes vertrauen. Von Gott geführt können sie jene Maßnahmen treffen, die das Kind effektiv schützen.

Ihr Glaube an den Gott Israels schenkt Maria und Josef das Vertrauen auf Gottes Schutz. Dieses Vertrauen macht sie hörend und empfänglich für die Weisung Gottes.

Wie sehr wünsche ich doch auch den Eltern unserer Zeit diesen Glauben. Was dieser Glaube den Eltern von heute sagen würde? Das, was Paulus im Kolosserbrief schreibt: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen!“ Dieses Wissen aus dem Glauben würde sie dann zu dem befähigen, was der Apostel weiter schreibt: „Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Milde, Demut, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht“ (Kol 3:12-14)

Es ist das Band der Liebe, das die hl. Familie mit Gott und miteinander verbindet. Diese Liebe schenkt ihnen Freiheit; die Freiheit Mobilität; die Mobilität Fügsamkeit für den Plan Gottes. In der Tat erleben wir die hl. Familie als Familie unterwegs. Nicht aus Reiselust sondern aus Sorge um ihr Kind; nicht nach eigenen Überlegungen sondern nach einem Reiseplan Gottes, der so beginnt, dieses Kind von Bethlehem als seinen geliebten Sohn zu offenbaren: Der Schriftverweis, dass Gott seinen Sohn aus Ägypten rufen werde (vgl Hos 11:1) und dass er Nazoräer genannt werde, machen das deutlich.

Die Freiheit von Josef kommt besonders bei seinem Aufbrechen zum Vorschein: Er stand auf, nahm das Kind und dessen Mutter und floh nach Ägypten und später dann zog er nach Israel zurück. Da gibt es sonst nichts zum Packen – nur eben das Kind und seine Mutter. Freiheit als Losgelöstheit von jeglicher Bindung an irdische Güter. Armut zugunsten einer uneingeschränkten Verfügbarkeit nach dem Willen Gottes und zum Wohl des Kindes und dessen Mutter. Es ist hier nicht einmal von einem Esel die Rede – dabei wird die hl. Familie auf der Flucht und auf ihrer Rückkehr nach Israel in der Malerei zumeist mit einem Esel dargestellt.

Diese Freiheit von Anhänglichkeit an materielle Güter darf freilich kein staatliche Freibrief sein, die finanzielle Unterstützung der Familien auf ein Mindestmaß herunterzufahren. Dies zeigt vielmehr, wie blind die Politiker für das gewaltige Zukunftspotential sind, das für unser Volk in den Familien enthalten ist.

Und doch müssen wir auch sagen, dass das rein materielle und wirtschaftliche Denken die Familien nicht nur von außen würgt sondern auch von innen her austrocknet und entkräftet. In beiden Dimensionen muss dem Menschlichen zum Vorrang verholfen werden – und das kann wirklich nur in der Liebe zu Gott und zueinander geschehen, die als Band alles zusammenhält und vollkommen macht. Amen!

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