Montag, Dezember 13, 2010

Hl. Johannes vom Kreuz







Den Advent 1577 – also vor 433 Jahren – hat Johannes vom Kreuz im Gefängnis von Toledo verbracht – besser gesagt: durchlitten! Diese Zeit ist für ihn wie eine dunkle Nacht. Die Schrecklichkeit dieser Nacht wird ihm bereitet durch die Lieblosigkeit, Ungerechtigkeit und Brutalität seiner Mitbrüder, die ihn in einem finsteren, engen Verließ einsperren und der bitteren Kälte jener Tage aussetzen.

Johannes wurde als religiös reifer Mensch in diese Nacht gestoßen. Wie sehr ihn die Schwere dieser Nacht menschlich auch bedrückte – er hatte das christliche Rüstzeug, sie segensreich zu bewältigen.

Dieses christliche Rüstzeug besteht im Wesentlichen in seiner Ausrichtung auf Gott. Dazu befähigte ihn sein Glaube. Der ließ ihn das erlebte Dunkel als Weg erkennen, der zu Gott hinführt – sicherer als jede Prachtstraße eines unangefochtenen, bequemen Lebens. „Das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.“ (Mt 7:14) In der graphischen Darstellung des Aufstieges zum Berg Karmel, die er dem gleichnamigen Werk voranstellt, skizziert er eben dieses Wort Jesu.

Die Ausrichtung auf Gott nahm bei Johannes die Gestalt der Kreuzesnachfolge Jesu an. Er suchte mit allen Kräften, das Wort Jesu zu leben: „ Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16:24)

Die christlich erlittene Gefängnisnacht macht diese für Johannes zu einer adventlichen Nacht. Eine Nacht, die nicht endlos dauert, sondern in das Licht mündet, das von Gott kommt.

Die herzliche Weise, in der er in seiner Gemeinschaft die Geburt Jesu feiert – inmitten seiner Brüder tanzt er, das Jesuskind in seinen Armen – hat eine seiner Hauptwurzeln gewiss im Erleben jenes dunklen Advent in Toledo. Genau darauf weisen auch die Romanzen hin, die er im Gefängnis gedichtet hat und die in das zentrale Geheimnis der Menschwerdung Gottes münden.

Dies alles fließt zusammen in der 5. Strophe seines Gedichtes, das er sowohl dem „Aufstieg zum Berg Karmel“ wie auch „Der Dunklen Nacht“ voranstellt. Er hat es geschrieben als mystische Frucht der Aufarbeitung jener schrecklichen toledanischen Nacht:

                  O Nacht, die führtest!
                  O Nacht, liebenswerter als das Morgengrauen!
                  O Nacht, die zusammenführtest
                  Geliebten mit Geliebter,
                  Geliebte in Geliebten überformtest!

Wandel der Nacht in einem doppelten Sinn wird hier erlebbar: Das Wandeln in der Nacht als ein mutiges Ausschreiten in der Liebe wird zu einer Wandlung in den Anderen – Gottes in den Menschen und des Menschen in Gott!

Johannes stimmt in dieser Liedstrophe geradezu einen Hymnus an auf jene Nacht und das Loblied der Engelchöre in der Nacht von Bethlehem klingt unüberhörbar mit: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2:14)

Es ist in der Tat die Übermacht der Gnade, die das Licht zur Mitte der Nacht macht: Christus wurde in der Nacht auf den Feldern Bethlehems geboren; er starb, „als eine Finsternis über das Land kam und die Sonne sich verdunkelte“ (vgl. Lk 23:44f); und frühmorgens, als eben erst die Sonne aufging, war er schon aus dem Grab erstanden.

Seitdem Gott dermaßen in Christus die Nacht leidend und sterbend aus Liebe durchschritten hat, ist ihr Schrecken gebrochen, denn ER hat den Tod besiegt und uns unvergängliches Leben gebracht. Und in der Kreuzesnachfolge Jesu dürfen wir an diesem Sieg über die Nacht teilhaben. Gewiss, auch uns wird das Leiden nicht erspart bleiben an dem, was in unserem Leben noch Nacht ist, weil es noch der Erlösung bedarf. Aber in Christus ist uns der Sieg gewiss. In IHM gehören wir nicht mehr der Nacht und nicht mehr der Finsternis. Wir alle sind Kinder des Lichts und Kinder des Tages (vgl. 1 Thess 5:5) Und Paulus fährt in 1 Thess dann fort: „Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen sondern wach und nüchtern sein.“ Diese Wachsamkeit hat Johannes uns gerade in der Nacht vorgelebt und in ihr wollen wir dem kommenden Herrn entgegengehen! Amen!

Keine Kommentare: