Mittwoch, Dezember 29, 2010

An der Hand der Mutter





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 2: 16 – 21

16So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
17Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
18Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
19Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
20Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.
21Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.






Oktav von Weihnachten – Hochfest der Gottesmutter Maria – Neujahr – das ist viel für einen Tag, nicht wahr?

Wenn wir jedoch bedenken, dass heute ein neues Jahr beginnt und dass es in diesem Jahr erneut um unser Leben geht – als Einzelne, als Gemeinschaft, als Volk, als Menschheit;

wenn wir uns zudem besinnen, dass es nicht nur um unser leibliches Wohlbefinden geht – und dies nicht einmal erstrangig; dass es vielmehr um unser seelisches Wohlergehen geht – also um unser Leben in der Gnade Gottes, um unser Leben in SEINER Liebe, um unser Leben in SEINEM Geist – dann, ja dann können wir nicht genug Kraft bekommen – gerade in einer Zeitstimmung, die dieses Leben aus der Gnade Gottes notorisch ignoriert; und dabei völlig übersieht, dass gerade dieses Leben aus der Gnade Gottes der Überlebensgarant ist für uns als Einzelne und als Gesamtheit.

Es geht also nicht nur oberflächlich um einen mehr oder weniger gelungenen Rutsch in ein neues Jahr mit mehr oder weniger ernsten Vorsätzen. Es geht um einen bewussten Schritt in einen neuen Zeitraum – im Herzen den tief verwurzelten Wunsch nach einem gangbaren Weg, nach einem sicheren Grund, der uns trägt, nach einer starken Hand, die uns stützt und führt.

Den Wunsch nach dieser führenden Hand lenkt die heutige Liturgie auf Maria, indem sie bewusst ihre Gottesmutterschaft in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt. Die Kirche feiert heute den Muttertag Mariens. An diesem Tag hält uns Maria ihre Mutterhand hin.

Zwei Gründe mögen uns bewegen, dass wir sie ergreifen.

Der erste Grund ist der, dass an der Hand Mariens Jesus herangewachsen ist. An ihrer Hand ist der groß geworden, den wir als den Sohn Gottes verehren, den König der Könige und den Herrn der Herren, den Heiland und Erlöser von uns allen. Den hat Gott der Hand dieser Frau anvertraut – und wie sehr war das Vertrauen berechtigt, das Gott in diese Frau gesetzt hat? Wie sehr ist an ihrer Hand Jesus zu jenem Sohn Gottes geworden, der in Wort und Tat den Willen seines Vaters im Himmel vollkommen erfüllt und uns Menschen erlöst hat? So hat er seinen Vater vollkommen verherrlicht.

Und der Hand dieser Frau sollten wir uns nicht anvertrauen? Unser selber, unsere Angehörigen, das ganze kommende Jahr mit allem was es bringt an Licht und Schatten, an Frohem und Traurigem?

Der zweite Grund, der uns liebend gern die Hand Mariens ergreifen lässt ist der, dass sie unsere Hand nicht für sich festhalten will. Es sind warme, trockene Hände. Ihre Hände sind nicht feucht aus Angst vor dem Loslassen.

Sie hat nämlich von Anfang an gelernt, die Hände ihres Sohnes loszulassen: Angefangen beim 12jährigen im Tempel, über die Hochzeit in Kana und jene Begebenheit, in der Jesus all jene seine Mutter nennt, die den Willen des Vaters im Himmel erfüllen bis hin unter das Kreuz, da Jesus ihr gleichsam seine Sohnschaft nahm um ihr dafür die unsere zu geben. Maria hat sehr intensiv und gründlich gelernt, die Hand ihres Sohnes loszulassen.

Seht ihr, und das lässt uns zuversichtlich unsere Hand in ihre legen: denn sie wird unsere Hand sehr wohl halten – sicher, entschlossen und fest; aber sie wird sie nicht behalten sondern in die Hand ihres Sohnes legen!

Genau dafür hat sie es gelernt, ihren Sohn loszulassen und herzugeben, damit Jesus uns ihr anvertrauen kann und sie uns verlässlich und treu zu ihm hinführt.

Und in der Tat – bei ihr allein wären wir bei nichts und bei niemandem; aber bei ihr als Mutter Jesu und unserer Mutter sind wir bei allem, was uns gewiss Jesus nahebringt – mögen dabei unsere Wege noch so mühsam, noch so dunkel und noch so verschlungen sein. Werde wir nur nicht müde, uns ihrer Hand anzuvertrauen und bereiten wir ihr heute zu ihrem Muttertag die größte Freude nach jener Freude, Mutter Jesu zu sein: Dass sie uns ihrem Sohn zuführen kann! Es gibt für sie im Hinblick auf uns nichts Schöneres, als wenn wir in der Gemeinschaft mit ihrem Sohn alles vergessen und wir Jesus allein unsere Aufmerksamkeit schenken. In unserer Gemeinschaft mit ihrem Sohn kommt ihre Mutterschaft zur Vollendung. Für so eine Mutter können wir nur danken und ihren Sohn bitten, dass alle Menschen ihre Kinder werden mögen! Amen!

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