Donnerstag, November 11, 2010

Endzeit





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 21: 5 – 19

In jener Zeit
5als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus:
6Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.
7Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?
8Er antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach!
9Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.
10Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.
11Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
12Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.
13Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
14Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
15denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.
16Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten.
17Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.
18Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
19Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.





Jesus hat die Schönheit des Tempels auch bemerkt; jedoch sieht er weiter und mehr. Er weiß: Es ist eine vergängliche Schönheit. Von dieser Vergänglichkeit ist nicht nur der Tempel betroffen. Die ganze Welt wird vergehen – und dies unter schlimmen Umständen. Am Ende des Kirchenjahres wird uns die Vergänglichkeit von allem besonders scharf vor Augen gestellt. Unterstrichen wird dies durch die herbstliche Stimmung und den Übergang in den Winter.

Von Kriegen und Unruhen spricht Jesus; von gewaltigen Erdbeben, von Seuchen und Hungersnöten an vielen Orten; von schrecklichen Dingen. Sie kündigen das Ende an. Wer von uns denkt dabei nicht an die Katastrophen in anderen Ländern, die wir über die Medien zu hören bekommen und froh sind, dass wir nicht – noch nicht – davon betroffen sind. Oder die Folgen des Klimawandel, die in naher Zukunft drohend auf uns warten?

Diesem universalen, schrecklichen Wandel stellt Jesus einen Wandel im Leben seiner Jünger gegenüber. Dieser Wandel wird zeitlich vorausgehen aber nicht weniger schmerzlich, schrecklich – ja, tödlich sein. Jesus sieht seinen Jüngern einen „Sozialen Weltuntergang“ voraus: Sie werden aus ihrem bisherigen gesellschaftliche, familiären und freundschaftlichem Gefüge brutal herausgerissen und von allen gehasst werden! Was damit gemeint ist kann der in etwa verstehen, der bereits einmal geschnitten oder gemobbt worden ist; der von seiner Familie oder seinen Freunden verraten, verleugnet und ausgestoßen worden ist;

Und warum wird seinen Jüngern dies passieren? Es wird ihnen passieren um seines – Jesu – Namens willen! Die Zugehörigkeit zu ihm wird diese Tragödien verursachen. Weil sie zu Jesus gehören, werden sie vor Gericht kommen und ins Gefängnis geworfen. Das besondere in diesen Situationen ist für Jesus, dass sie dabei Gelegenheit haben werden, Zeugnis abzulegen. So sehr sie nun von allen verlassen sind sichert Jesus ihnen zugleich seinen Beistand zu: Er wird bei ihnen sein in dieser Situation – so sehr, dass er ihnen Worte und Weisheit geben wird bei Ihrem Zeugnis. Sie brauchen sich also keine Sorge im Voraus machen um ihre Verteidigung. Wie umfassend sie durch seine Gegenwart geschützt sein werden macht er ihnen dadurch klar, dass ihnen kein Haar gekrümmt wird. Von ihrer Seite ist zur Wirksamkeit dieses Schutzes lediglich erforderlich, dass sie standhaft bleiben. Nur so werde sie das Leben gewinnen.

Es ist offensichtlich, dass damit nicht nur und nicht zuerst ihr irdisches Leben gemeint ist; das ist genauso wie der Tempel und die gesamte Welt dem Wandel und dem Vergehen unterworfen. Das Leben, das Jesus meint, wird greifbar durch das Eintauchen in die Gemeinschaft mit ihm. In der Folge äußerst es sich in der Gelassenheit dem äußeren Wandel gegenüber und in einem umfassenden Frieden. Diese Gelassenheit bedeutet jedoch nicht Untätigkeit sondern gesammelte Bereitschaft zu einem ordentlichen Leben, wie es Paulus in der 2. Lesung darlegt. Es ist ein Tätigsein hingeordnet auf das Reich Gottes, wie es auch das II. Vaticanum dringend nahelegt: „Die Wahrheit verfehlen die Christen, die meinen, sie könnten ihre irdischen Pflichten vernachlässigen, weil wir hier ja keine bleibende Stätte haben. Sie verkennen, dass sie durch den Glauben erst recht aufgerufen sind, ihre Pflicht zu erfüllen. Ein Christ, der seine irdischen Pflichten vernachlässigt, versäumt damit seine Pflichten gegen den Nächsten, ja gegen Gott selbst und bringt sein ewiges Heil in Gefahr.“ (GS 43)

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! (Gal 5:1) Befreit von der Welt leben wir doch mitten in dieser Welt – fähig, ganz aus dem Geist des Herrn heraus zu wirken und als seine Kirche das Reich Gottes zu verwirklichen. Dies ist ein vielgestaltiges Geschehen und läuft jenem Vergehen der Welt zuwider, das Jesus im Evangelium anspricht. Bei allem Untergehen ist es ein Teil des Aufgehens von jenem neuen Himmel und jener neuen Erde, die der Herr bei seinem Kommen in Herrlichkeit mit sich bringt.

Bleiben wir bei dem, der bei uns bleibt! Dann brauchen wir niemand und nichts zu fürchten und es ist uns jenes Licht und jene Kraft geschenkt, in einer vergehenden Welt das Bleibende zu wirken, das von Gott kommt. Amen!

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