Samstag, November 06, 2010

Ein Gott der Lebenden, nicht der Toten!





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 20:27 – 38

In jener Zeit
27kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn:
28Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
29Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.
30Da nahm sie der zweite,
31danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben.
32Schließlich starb auch die Frau.
33Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
34Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen.
35Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.
36Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind.
37Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.
38Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.





Passend zum Seelenmonat November hören wir heute in den liturgischen Texten von Tod und Auferstehung. Beide Themen sind im Hochfest Allerheiligen und zu Allerseelen angeklungen. Sie geben eine christliche Antwort auf die Frage, wie es nach dem Tod weitergeht.

In diese Frage verwickeln die Sadduzäer Jesus. Sie treten allerdings mit der Auffassung an ihn heran, dass es Auferstehung nach dem Tod nicht gebe. In einem Fallbeispiel, das sehr vom Leben abgehoben ist, wollen sie Jesus dies beweisen. Dabei stützen sie sich auf das Gebot der Leviratsehe, das vorsieht, dass ein Bruder einspringen muss, wenn sein verstorbener Bruder mit der nun zur Witwe gewordenen Frau keine Kinder gezeugt hat. Der Bruder ist verpflichtet, seinem verstorbenen Bruder subsidiär Nachkommenschaft zu erzeugen. Wo führt das ihrer Meinung nach hin, wenn es die Auferstehung gäbe?

Es ist offensichtlich, dass die Sadduzäer nach dem Tod nichts wesentlich Anderes erwarten als vorher. Ihr Horizont ist allein auf dieses irdische Leben beschränkt; genauso phantasielos und unbeweglich sind sie im Hinblick auf die gesellschaftlich politische Situation ihrer Zeit: Es wäre ihnen am Liebsten, der momentane Zustand bliebe erhalten und sie könnten ihr privilegiertes Wohlleben ungestört weiterführen.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Sadduzäer nicht im Volk verwurzelt sind wie etwa die Pharisäer. Sie sind die Partei der Oberschicht; die tut sich naturgemäß zu allen Zeiten mit revolutionären Änderungen schwer und ihr liebster Zustand ist der für sie günstige Status quo.

Es ist zudem nicht verwunderlich, dass in der Rede der Sadduzäer Gott kein einziges Mal erwähnt wird. Instinktiv scheinen sie ihn zu meiden, denn er bedeutet Leben und Leben heißt Werden und Vergehen; es heißt Wandlung.

Ihre Anschauung riecht nach Verwesung; sie ist morbid – an den Tod gebunden, der von sich aus kein Leben zulässt!

Wie beantwortet Jesus die Anfrage der Sadduzäer?

Er sagt ihnen, dass sie ihre Überlegung ganz im Rahmen dieser vergänglichen Welt anstellen.

Und dann geht er über diese Welt hinaus in die Welt Gottes. In ihr leben zu dürfen, ist eine Würde, ein Geschenk, das Gott in der Auferstehung verleiht: Es ist ein Leben, den Engeln gleich und ein Leben als Kinder Gottes. Was ist den Engeln und den Kindern Gottes vor allem zu eigen? Was verbindet die beiden? Die völlige Hinordnung auf Gott! Und Gott ist Leben und der Quell allen Lebens. In Gott gibt es keinen Tod. Und alle, die auf Gott hin leben, leben von seinem Leben. Darum kann Gott nur ein Gott von Lebenden und nicht von Toten sein.

Diese Hinordnung auf Gott sehen wir im Leben der Väter Israels: Abraham, Isaak und Jakob! Das bereitet sie für das Geschenk der Auferstehung nach ihrem Tod. Wir bemerken die Verbindung zwischen dem Leben hier auf Erden und dem Leben der Auferstehung nach dem Tod. Wir haben auf Grund eines guten Lebens zwar kein Recht auf die Auferstehung – jedoch dürfen wir begründete Hoffnung haben, kraft der Auferstehung am Leben Gottes teilnehmen zu dürfen.

In dieser Hoffnung lebten die Mutter und ihre Söhne, die in der 1. Lesung (2Makk 7:1-14)  auf grausame Weise umgebracht wurden, weil sie sich weigerten, ein göttliches Gebot zu übertreten. In dieser Hoffnung konnten sie mutig die Qualen des Martyriums ertragen. Anders als die Sadduzäer haben sie nicht über die Auferstehung geredet – sie haben aus der Hoffnung auf die Auferstehung gelebt!

Wenn wir Christen nun bedenken und glauben dürfen, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat als den ersten von vielen Geschwistern, dann dürfen wir eine noch viel größere Hoffnung haben, aufgrund der Taufe und unserer Zugehörigkeit zu Christus mit ihm auferstehen und in Gott leben zu dürfen.

Im Tagesgebet haben wir es so ausgedrückt: Allmächtiger und barmherziger Gott, wir sind dein Eigentum und du hast uns in deine Hand geschrieben. Wir sind zum Leben berufen und dem Tod ist der Stachel gezogen. Fortan bestimmt unser Leben nicht mehr die Furcht vor dem Tod sondern die Freude am Leben mit Gott! Amen!

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