Montag, Oktober 18, 2010

Schule der Freundschaft




Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 5: 5 – 15a

Er kommt nun in eine Stadt Samarias, genannt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab.
Es war aber dort eine Quelle Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich ohne weiteres an die Quelle nieder. Es war um die sechste Stunde.
Da kommt eine Frau aus Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!
– Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen. –
Die samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein Jude bist, von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin? – Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern. – 
10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken! so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
11 Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn das lebendige Wasser?
12  Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank daraus und seine Söhne und sein Vieh?
13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten;
14  wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.
15a  Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,





Teresa nennt inneres Beten Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt. (Vida 8:5)

Das ist zumindest erstaunlich, weil sie denselben, den sie hier als Freund bezeichnet, an anderen Stellen als Majestät anspricht, in deren Gegenwart sie sich als unwürdige Sünderin erlebt. Und es ist wirklich etwas besonderes, eine Majestät Freund nennen zu dürfen. Ob sie den Herrn nun als Freund oder Majestät anredet hängt gewiss nicht von ihrer Laune ab.

Es müssen ganz starke Impulse vom Herrn gekommen sein, die ihr dies erlauben. Und so ist es in der Tat: Den stärksten Eindruck, den der Herr bei ihr hinterlassen hat, ist die Langmut, mit der er sie ertragen hat in ihrer Inkonsequenz, in ihrer Lauheit, in ihrer Abhängigkeit von den Bequemlichkeiten des Lebens und des menschlichen Beisammenseins. 19 Jahre führt sie als Karmeliten ein Leben im Hin und Her zwischen Gott und Welt. 19 Jahre versuchte sie das Unmöglich: Gott und der Welt zu dienen!

Sie schreibt selber über diese endgültige Bekehrung in Vida 9:1. „Meine Seele lebte schon ganz müde dahin, aber die schlechten Gewohnheiten, die sie an sich hatte, ließen sie nicht in Ruhe, obwohl sie das wollte. Da geschah es mir, dass ich eines Tages beim Eintritt in den Gebetsraum ein Bild sah, das man zur Verehrung dorthin gebracht und für ein Fest, das im Haus gefeiert wurde, aufgestellt hatte. Es war das Bild eines ganz mit Wunden bedeckten Christus und so andachterweckend, dass es mich beim Anblick zuinnerst erschütterte, ihn so zu sehen, denn es stellte gut dar, was er für uns durchlitten hatte. Das, was ich empfand, weil ich mich für diese Wunden kaum dankbar gezeigt hatte, war so gewaltig, dass es mir war, als würde es mir das Herz zerreißen. Aufgelöst in Tränen warf ich mich vor ihm nieder und flehte ihn an, mir ein für allemal Kraft zu geben, ihn nicht mehr zu beleidigen.“
In der Langmut, mit der der Herr sie ertragen hat, liegt ihr weiteres geistliches Leben begründet. Es waren diese 19 Ordensjahre im Rückblick eine Schule der Freundschaft. In dieser Schule lernte sie dass der Herr sie zuerst geliebt hat und dass in dieser Liebe ihr gesamtes Leben begründet ist.

In dieser Schule lernt sie außerdem, dass der Herr nicht gekommen ist um bedient zu werden sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele – und auch für sie.

In dieser Schule lernt sie, wie der Herr es bei ihr aushält und wie er gern und oftmals zu ihr kommt um bei ihr zu sein; er tut dies, indem er sie seine Gegenwart lebendig erleben lässt. In großer Milde und unermesslicher Geduld erträgt er ihre Schwachheit.

Es geht Teresa wie der Samariterin am Brunnen im eben gehörten Evangelium; diese Frau erfährt Jesus als Freund, obwohl die Juden mit den Samaritern keine Gemeinschaft haben. Jesus knüpft diese Gemeinschaft durch ein Gespräch – er hält es gerne aus bei dieser Frau, obwohl sie alles andere als eine Heilige ist – wie sich im Verlauf des Gespräches herausstellt. Jesus ist offenbar mehr als ein Jude; und dieses „Mehr“ erweist sich in seiner offenen Güte und Menschenfreundlichkeit.

Und genau die erlebt auch Teresa; Jesus lehrt sie durch Freundschaft, dass er auch von ihr eben diese Freundschaft als Antwort erwartet. Das gibt ihr die Einsicht und den Mut, Jesus Freund zu nennen, unter allen Umständen seine Nähe zu suchen und möglichst bei ihm zu bleiben. Und weil diese Freundschaft von Jesus angeregt und von ihm geschenkt ist, wagt sie Jesus Freund zu nennen und weiß doch zugleich, dass er „Seine Majestät“ ist und bleibt. Das ist keine plumpe Kumpanei sondern Liebe als Antwort auf des Herren Liebe.

Nehmen wir den heutigen Festtag als Anlass, auf Spurensuche zu gehen nach der Freundschaft des Herrn zu uns. Bitten wir um ein wachsames und hörendes Herz. Suchen wir dabei vor allem die Stille auf, denn dort sind diese Spuren des Herrn besonders deutlich zu bemerken.

Wenn Teresa eine Botschaft für uns hat, dann die, dass auch wir berufen sind, in vertrauter Freundschaft mit dem Herrn zu leben so wie sie es getan hat. Amen!

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