Freitag, Oktober 01, 2010

Glaube klein wie ein Senfkorn





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 17: 5 – 10

In jener Zeit
5baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben!
6Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.
7Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen?
8Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken.
9Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?
10So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.



 Woher kommt die Frage der Jünger, mit der das heutige Evangelium beginnt? Was hat ihren Wunsch nach einem stärkeren Glauben geweckt? Was lässt sie den Herrn bitten: Stärke unseren Glauben?

Antwort auf meine Frage finde ich, wenn ich lese, was Lukas unmittelbar vor dem heutigen Evangelium berichtet: Dort sagt Jesus zu seinen Jüngern im Rahmen seiner Belehrung über das Verzeihen: „Wenn dein Bruder sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern!, so sollst du ihm vergeben.“ (Lk 17:4) Es braucht nun in der Tat einen starken Glauben an die Aufrichtigkeit dieses Bruders; dieser starke Glaube erst befähigt zum Verzeihen.

Wenn ich mir überlege, wie schwer es mir fällt auch nur ein einziges Mal zu verzeihen und meinem Nächsten abzunehmen, dass es ihm leid tut, was er mir angetan hat, muss ich mich dieser Bitte der Jünger um stärkeren Glauben unverzüglich anschließen.

Mit dem Glauben an die aufrichtige Umkehrbereitschaft des Bruders ist unlösbar der Glaube an die Botschaft Jesu verbunden. Der Glaube an Jesu Botschaft stärkt mich im Glauben an den reuigen Bruder.

Es geht hier um jenen Glauben, aus dem heraus Petrus vor dem überreichen Fischfang zu Jesus sagt: „Auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen.“ (Lk 5:5b)

Wenn die Apostel den Herrn um stärkeren Glauben bitten, dann bitten sie damit um stärkere Ergriffenheit durch sein Wort – und das bedeutet letztlich um stärkere Ergriffenheit durch seine Person.

Das Hinneigen zum Herrn, das Ausrichten auf IHN ist die Kraft, die sich dann mit dem Glauben bekleidet.

Oder sagen wir es anders: Es ist der Glaube an den Herrn, der den Glauben an sein Wort ermöglicht. Es ist als sagte ich: Ich glaube an Dich, o Herr, damit ich Dir glauben kann!

Dieses Glauben an den Herrn bedeutet bedingungsloses Vertrauen aus Anhänglichkeit, aus Zuneigung, aus Liebe. Dieser Glaube erfüllt die Seele. Und erst dieser beseelende Glaube kann dann „in den Kopf steigen“ und sich durch meine menschlichen Begabungen hindurch in jenen Glauben ausformen, der das Wort des Herrn hört, im Gehorsam erfüllt und so mein Leben christlich gestaltet – z.B. durch die andauernde Bereitschaft zur Vergebung.

Aus diesem ganzen Zusammenhang heraus ist sehr schön zu sehen, wie Herz und Kopf, wie Seele und Leib in einem gesunden Glauben untrennbar zusammenwirken.

Es ist auch deutlich erkennbar, dass Glaube nicht etwas Abstraktes ist sondern im konkreten menschlichen Zusammenleben steht. Der beseelte und daher lebendige Glaube an den Herrn beseelt und verlebendigt auch die zwischenmenschliche Beziehung – gerade dort, wo sie bedroht wird durch menschliche Schwäche.

Und dann spricht Jesus in einem Gleichnis von dem Glauben, um dessen Stärkung die Apostel eben gebeten haben. Markant ist dabei der Kontrast zwischen dem kleinen Senfkorn auf der einen und der gewaltigen Wirkung auf der anderen Seite.

Und in der Tat ist der Glaube äußerlich nicht bemerkbar – ist er doch eine verborgene Haltung des inneren, geistlichen Menschen. Aber welch gewaltige Wirkung hat er hervorgebracht – geschichtlich erfahrbar in der Gestalt der Kirche die Jahrhunderte hindurch. Sie ist erwachsen aus dem unscheinbaren aber unerschütterlichen Glauben der Apostel; aus jenem Glauben, um dessen Stärkung die Apostel im heutigen Evangelium bitten. Wir können an der sichtbaren Gestalt der Kirche von Anfang an erkenne, dass der Herr der Bitte seiner Apostel entsprochen und ihren Glauben tatsächlich gestärkt hat.

Im abschließenden Gleichnis erkennen sich seine Jünger in dem Sklaven, der das Werk des Glaubens getan hat, das ihm befohlen wurde. Dieser Glaube ist der grundlegende Dienst ihres Apostelamtes. Dieser Dienst ist ein Auftrag des Herrn und sie dürfen sich freuen, vor diesem Herrn zu stehen, ihm zu dienen und so ihre Schuldigkeit zu tun! Der Herr will wirken aus dem Glauben heraus. Amen!

Keine Kommentare: