Sonntag, Oktober 31, 2010

Du, ein Heiliger





Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 5:1 – 12a

1Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
11Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.






Wir hörten gestern das Evangelium vom Zöllner Zachäus (Lk 19:1-10). Ich komme nochmals auf diesen Mann zurück, weil er uns in das Geheimnis des heutigen Festtages einführen kann. Er ist wie ein Türsteher, der uns erzählen kann, worum es beim Heiligsein ankommt und was das Wesen der Heiligkeit ist.

Als unübersehbare Tatsache auf seinem Weg zur Heiligkeit ist die Begegnung mit Jesus. Zu dieser Begegnung kam es, weil Zachäus Jesus sehen wollte. So machte er sich bereit, den Wunsch Jesu zu erfüllen, bei ihm Gast sein zu dürfen.

Jesus begegnen und ihn aufnehmen heißt, Jesus ganz nahe an sich heranlassen, ihn nicht nur in mein Haus sondern auch in mein Leben hereinlassen. Dann kann Jesus auch zu mir sagen: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden.“ (Lk 19:9)

Was meint dieses Heil? Nun, vor allem anderen Jesus selber: Jesus selber ist das Heil schlechthin. Es kommt von Gott und ist sein unübertreffliches Geschenk an uns Menschen. Jesus ist das Mensch gewordene Heil Gottes.

Mit Heil ist aber dann auch alles gemeint, was uns von Jesus her Gutes widerfährt; alles, was unsere Krankheiten an Leib, Seele und Geist heilt. Setzen wir uns diesem Heil aus, werden wir geheiligt, werden wir heil in uns und um uns herum in den Beziehungen unseres Lebens. Jesus hat den Zachäus heiliggesprochen und wir dürfen ihn auch ohne offizielle Heiligsprechung den hl. Zachäus nennen.

Zur Heiligkeit gehört des Weiteren die Offensichtlichkeit der Heiligung durch den Herrn. Sie ist jenes Licht, das auf den Leuchter gestellt wird und allen leuchtet, die im Hause sind. Die Heiligkeit erweist sich in der Umkehr eines verirrten Lebens. Und sie erweist sich in der Fruchtbarkeit dieser Umkehr für jene, die mit dem Heiligen in Beziehung stehen. Bei Zachäus ist es das Verteilen seines Vermögens und das vierfache Rückerstatten der Wucherzölle.
Wenn wir also heute freudig die Verdienste aller Heiligen feiern, dann sind dies eben die Früchte des Heiles, das sie vom Herrn geschenkt bekamen. Wir feiern in den Verdiensten der Heiligen Gott, den Quell aller Heiligkeit. (vgl. 2. Hochgebet)

Wir sehen also, durch das Heil, welches Gott seinen Heiligen schenkt, werden sie nicht von den Menschen abgehoben sondern im Gegenteil noch viel mehr in die Menschen hinein verwurzelt. Wie der heilige Gott in seinem Sohn Jesus durch die Menschwerdung noch näher zu den Menschen hindrängte so rücken auch die Heiligen noch näher mit den Menschen um sie herum zusammen. Sie gehen den Weg, den Gott in Jesus gegangen ist mit – hinein in die Not, das Elend und die Unerlöstheit der Menschen ihrer Zeit. Es ist wesentliches Zeichen der Heiligkeit eine liebende Antwort zu sein auf die Not der Menschen.

Heiligkeit als Zugewandtheit zu Gott und zu den Menschen gleichermaßen kommt auf unübertreffliche Weise in den Seligpreisungen zum Ausdruck, die wir eben gehört heben. In diesem Sinne sind Heilige fromme Politiker oder politische Fromme. In diesen Menschen reichen sich Frömmigkeit und Politik untrennbar die Hand. Und ohne einem Bund zwischen Thron und Altar zu frönen bauen sie in dieser Welt das Reich Gottes auf. Und so sind es seine Heiligen, durch die Gott die Welt rettet.

Heiligkeit ist keine Reservierung für den Himmel. Heilige sind Menschen, die im Auftrag Gottes hier auf Erden heilig geworden sind. Und sie sind es hier auf Erden geworden, um ihre Mitmenschen, ihre Erde und ihre Welt zu heiligen. Ihr Heimgang in den Himmel ist nur die konsequente Weiterführung ihres Lebens hier auf Erden; denn ob sie leben oder sterben, sie gehören dem Herrn (vgl. Röm 14:8)! Sie verlassen diese Erde nicht sondern werden vielmehr Bürger zweier Welten – des Himmels und der Erde.

Loben sie Gott im Himmel von Angesicht zu Angesicht im Chor der Engel und Heiligen so loben sie ihn hier auf Erden durch den Samen, den sie durch ihr Wirken ausgestreut haben – in ihren Werken, in ihren Schriften, in den Menschen, die ihrem Beispiel zu folgen versuchen.

Der heutige Festtag hat also nicht nur die Anderen als die Heiligen im Blick sondern genauso jeden von uns. Das Fest Allerheiligen will uns zurüsten, selber Heilige zu werden. Amen!

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