Donnerstag, Oktober 14, 2010

Allezeit beten





Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 18: 1 – 8

In jener Zeit
1sagte Jesus ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
2In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
3In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind!
4Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht;
5trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.
6Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt.
7Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?
8Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?





„Jesus sagte ihnen dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten.“
Wie mag Jesus wohl dieses „allezeit beten“ verstehen. Offensichtlich nicht so, dass wir ununterbrochen mündliche Gebete verrichten. Ja, Jesus warnt sogar vor dieser Weise zu beten, wenn er bei Mt 6:7 spricht: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.“ Es geht also nicht um die vielen Worte. Worum geht es dann?

Zufälliger Weise haben wir vor zwei Tagen das Hochfest unserer hl. Ordensmutter Teresa von Avila gefeiert. Auch sie schlägt in dieselbe Kerbe und ermutigt zu unablässigem Gebet. Als Karmelitin versuchte sie nach dem Regelsatz zu leben, „ jeder soll in seiner Zelle oder in deren Nähe bleiben, Tag und Nacht im Gesetze des Herrn betrachten (vgl. Ps 1,2; Jos 1,8) und im Gebete wachen (vgl. 1 Petr 4,7).“

Das Leben nach diesem Regelsatz führte sie auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise; und je tiefer sie in seine Wirklichkeit Eindrang umso wunderbarer wurde die Welt, die sich ihr erschloss: die Welt des Gebetes als eine Welt der Freundschaft mit Gott, die sich an Tiefe, Weite und Schönheit nicht ermessen ließ. Schließlich konnte sie nur mehr mit Bildern diese Welt in etwa ausdrücken. Eines dieser Bilder ist das der Seelenburg, deren zahllose Gemächer hinführen zu jenem innersten Gemach, in dem die wunderbaren und unaussprechlichen Dinge zwischen Gott und der Seele geschehen. Der Weg in dieses innerste Gemach ist eben nicht gekennzeichnet durch viele Worte sondern durch Liebe, Hingabe und Vertrauen. Im Leben machen sich diese Haltungen bemerkbar in geschwisterlicher Liebe, in Loslösung von allem Geschaffenen und in tiefer Demut.
In diesen Haltungen spinnt sich die Seele wie die Raupe den Kokon des Gebets, in dem sie dann verwandelt wird in einen wunderbaren Schmetterling – ein weiteres ausdrucksstarkes Bild für ein Leben in entschiedenem Gebet.
Im innersten Gemach der Seelenburg und im Schmetterling sehen wir die Witwe durchschimmern, die sich im Evangelium darüber freut, dass der Richter sich ihrer Sache angenommen hat.

Sie hat ihr Ziel erreicht, weil sie im Gebet nicht nachgelassen hat. Sie ist dem Richter so lange auf die Nerven gegangen, bis er sich ihrer angenommen hat. Sie hat jene Haltung gelebt, die Teresa Entschlossenheit nennt. Sie empfiehlt diese Haltung als Fundament für das Beten. Dieses Fundament ist die halbe Miete – ja, mehr noch: „Alles ist an einer großen und ganz entschlossenen Entschlossenheit gelegen, um nicht aufzuhören, bis man auf diesem Weg des Gebetes zur Quelle vorstößt, komme, was da kommen mag, passiere, was passieren mag, sei die Mühe so groß, wie sie sein mag, lästere, wer da lästern mag, mag ich dort ankommen, mag ich unterwegs sterben oder nicht beherzt genug sein für die Mühen, die es auf dem Weg gibt, ja mag die Welt untergehen!“ (CE 35:2) „Wer sich mit solcher Entschlossenheit auf diesen Weg des inneren Betens begibt ...hat einen großen Teil des Weges schon hinter sich gebracht hat. Er braucht sich nicht zu fürchten, dass er wieder zurückfällt, mag er noch so häufig stolpern, denn das Gebäude ist von Anfang an auf ein festes Fundament gegründet.“ (Vida 11:13)

Diese Entschlossenheit trägt durch Unlust, Misstrost und Trockenheit, durch Bequemlichkeit, Zweifel und Unsicherheit; weder Gewalten aus der Höhe noch Mächte aus der Tiefe (vgl. Röm 8:38f.)können sie beeindrucken.

Sie ist die Wiege des Wunsches, dass durch mein Beten der Name Gottes geheiligt werde, SEIN Reich komme, SEIN Wille geschehe (vgl. Mt 6:9f.) 

Sie überwindet meine Ichsucht und richtet mich in meinem Beten – und dadurch unweigerlich auch in meinem Leben – mehr und mehr auf Gott aus. Sie ist Frucht jener Freundschaft (vgl. Vida 8:5), die wir mit dem Herrn leben dürfen und fördert zugleich diese Freundschaft.

Sie führt zu einer sehr reinen Form der Hingabe und Selbstlosigkeit: zu einem echten und vorbehaltlosen Sich-lassen, Sich-hineinbegeben in den unbegreiflichen, dunklen und heiligen Abgrund des göttlichen Wesens. (F. Moschner)

Sie entfacht die Liebe, sie erneuert die Hoffnung und belebt jenen Glauben, den der Menschensohn bei seinem Kommen vorzufinden wünscht (vgl. Lk 18:8) Amen!

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