Dienstag, September 07, 2010

Leben durch die enge Tür

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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 13: 22 – 30

In jener Zeit
22 zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.
23Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
24Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
25Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
26Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
27Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan!
28Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
29Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
30Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.




Es ist schon eine besondere Fügung, im Urlaub über das Evangelium von der engen Türe zu predigen und über das Reich Gottes, in die hinein sie führt.
Denn zum einen will das „Bemühen mit allen Kräften“ so gar nicht zur Zeit der Entspannung und der Erholung zu passen, die wir mit dem Urlaub verbinden;
Zum anderen kann gerade „Urlaub“ in besonderer Weise etwas vom Reich Gottes vermitteln – nicht nur durch die vielfältige Schönheit dieser Zeit sondern auch durch das Zusammenkommen vieler Menschen aus aller Welt in den Urlaubsorten;

Gerettet zu werden, hat mit den Worten Jesu niemand gepachtet. Es bedarf unserer ganzen Aufmerksamkeit, in das Reich Gottes zu gelangen. Es ist unsere ganze Anstrengung und Mühe wert, dort zu sein, wo Gott ist. Es genügt nicht, mit dem Herrn zu essen und zu trinken und seine Worte zu hören. Aber was ist dann nötig, um ins Reich Gottes zu gelangen? Recht zu tun!

Als Beispiel führt Jesus die Väter Israels und seine Propheten an. Allesamt Menschen, die aus dem Glauben an Gott gelebt und geredet haben. Menschen, die Gottes Wort hörten und danach handelten. Menschen, die durch ihr Reden und Tun zu einem lebendigen Widerspruch ihrer Zeitgenossen wurden und sich so Unwillen, Ablehnung und Verfolgung ihrer Zuhörer zugezogen haben.

Jesus führt aber jene zahl- und namenlosen an, die von Ost und West, von Nord und Süd im Reich Gottes zusammenkommen und dort zu Tisch sitzen. Er spricht offensichtlich jene Menschen an, die nicht zum auserwählten Volk Israel gehören und denen dennoch die Tür zum Reich Gottes offen gestanden ist. Jesus spricht da eine Weite Gottes an, die Israel nicht mehr mitvollziehen kann. Es gehört wesentlich zur Auserwählung Gottes dazu, mit IHM zu wachsen, je und je in SEINE Weite mit hineinzugehen. Die Enge, die uns begrenzten Geschöpfen eignet, zu sprengen – das ist auch gemeint mit dem Mühen, durch die enge Tür zu gelangen.

Sollen wir uns also den Urlaub einschränken lassen durch die enge Tür im heutigen Evangelium? Keineswegs! Vielmehr wollen wir dieses Mühen in unseren Urlaub integrieren. Wie das gehen soll? Nun, indem wir den Urlaub als Gabe Gottes sehen lernen, uns geschenkt zum rechten Umgang, damit wir uns wieder neu ausrichten und sammeln können auf unseren Beruf, auf unsere Aufgaben, auf die Menschen, die uns das Jahr über auf verschiedene Weisen anvertraut sind.

Das heißt mit anderen Worten: Urlaub steht auch auf dem Plan Gottes für uns – und das gewiss nicht an letzter Stelle. Und Urlaub bedarf durchaus auch der Anstrengung – etwa unsere Arbeiten nicht nur äußerlich sondern auch innerlich loszulassen. Das ist nicht selbstverständlich und nicht so leicht, wie es klingt. Denn wie schnell passiert es, dass wir vom Arbeitsstress in den Urlaubsstress fallen!

Es bedarf der bewussten Aufmerksamkeit, einmal wirklich zur Ruhe und zu kommen und etwa die Stille auszuhalten, die sie mit sich bringt. Dabei entdecken wir, dass wir nicht so sehr unsere Arbeit als vielmehr uns selber loslassen müssen – etwa dadurch, dass wir uns nicht zu wichtig nehmen und dass es auch ohne uns geht. Oder dadurch dass wir lernen, dass nicht alles an uns hängt, dass vielmehr auch wir hängen – an anderen zum Beispiel oder an Gott. Unser Vertrauen ist gefordert, das sieht, wie wir alle in einem Flechtwerk hängen, in dem wir einander tragen und in dem Gott letztlich uns alle trägt. Dieses Vertrauen erst kann uns zum Loslassen bewegen und uns in die eigentliche Ruhe führen, die den wahren Frieden bringt. Das ist Urlaub in Reinkultur; das die Erholung, die Gott uns allen schenken möchte; das die Tür, die in sein Reich führt – nicht nur in den Zeiten der Erholung sondern zu jeder Zeit.

Im Urlaub dürfen wir in besonderer Weise den Schatz entdecken, dass Gott uns immer ganz nahe ist und dass auch wir ihm ganz nahe sein dürfen. Wir dürfen entdecken, dass in Zeit und Ewigkeit unsere Heimat bei Gott ist – unser wahrer, ewiger Urlaub. Amen!

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