Samstag, September 11, 2010

Geht dem Verlorenen nach, bis er es findet





Aus dem heiligen Evangelium 
nach Lukas 15: 1 – 10

In jener Zeit
1 kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm, um ihn zu hören.
2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.
3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
4 Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,
6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war.
7 Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.
8 Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet?
9 Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte.
10 Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.





Es ist der Vorrang des Verlorenen, der mich in allen drei Lesungen anspricht! Das Verlorene, das Verirrte, das Widerständige, das in Sünde Gefallene – ihm wird von Gott her besondere Aufmerksamkeit zugewendet.

Eine Haltung, der Welt so fremd: Da hat das Verlorene keinen Platz, denn es bringt nichts mehr; es ist nicht mehr effizient, sich mit ihm abzugeben. Zugunsten möglichster Gewinnmaximierung wird Verlust eingeplant.

Oder es ist nicht „in“, sich mit ihm abzugeben. Man schämt sich der Verlorenen; sie werden versteckt und abgesondert. Widerständiges schließlich wir gemobbt, ausgegrenzt, bekämpft, vernichtet.

Dem Verlorenen wird kein Potential mehr zuerkannt. Es wird ihm keine Lebenschance mehr gegeben.

In der Klage Gottes über die Hirten seines Volkes beim Propheten Ezechiel 34:2-6 kommt diese Haltung zum Ausdruck: „Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
Die Milch genießt ihr, und mit der Wolle kleidet ihr euch, das fette Vieh schlachtet ihr – die Herde weidet ihr nicht.
Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt und das Kranke nicht geheilt und das Gebrochene nicht verbunden und das Versprengte nicht zurückgebracht und das Verlorene nicht gesucht, sondern mit Härte habt ihr über sie geherrscht und mit Gewalt.

Und sie zerstreuten sich, weil sie ohne Hirten waren, und wurden allen Tieren des Feldes zum Fraß. So zerstreuten sich und irrten umher meine Schafe. Auf allen Bergen und auf jedem hohen Hügel und über das ganze Land hin sind meine Schafe zerstreut worden, und da ist niemand, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.“

Wie so ganz gegensätzlich die Haltungen in den Lesungen des heutigen Sonntags: Wie ein Morgenrot beginnt es in der 1. Lesung, wenn wir dort hören: „Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.“ (Ex 32:14)

Und dann leuchtet die helle Sonne, wenn im Evangelium dem einen verlorenen Schaf alle Aufmerksamkeit geschenkt wird, um es wieder zur Herde zurückzubringen und der einen verlorenen Drachme – damals der Betrag für den Lebensunterhalt der ganzen Familie an einem Tag – um sie wieder zu finden. Der Schein dieser Sonne spiegelt sich wider in der Freude über den Rückgewinn des Verlorenen.

Und schließlich diese beiden Gleichnisse auf ein Menschenleben umgelegt, wenn Paulus in der 2. Lesung schreibt: „Ich, der ich den Herrn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte, ich habe Erbarmen gefunden damit Christus Jesus an mir als Erstem seine ganze Langmut beweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen.“ (1Tim 1:16)

Und dann streicht er den Primat des Verlorenen hervor, indem er schreibt: „Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der erste.“ (1Tim 1:15)

Als Frucht der vorrangigen Sorge um das Verlorene hebt Jesus im Evangelium die Freude hervor: Hirte und Hausfrau freuen sich mit Freunden und Nachbarn über das wiedergefundene Verlorene. Und im Himmel herrscht Freude bei den Engeln Gottes über einen einzigen Sünder der umkehrt.

Mit der Umkehr des Sünders klingt ein neuer Ton an. Wie passt er zur Sorge um das Verlorene? Der Sünder erlebt sich in seiner Verlorenheit von Gott geliebt: Wenn andere und er selber sich auf seinem Irrweg nicht mehr mögen – Gott bleibt in seiner Liebe treu. Nicht dass er das Verhalten des Sünders gutheißt! Aber er bietet ihm trotzdem die suchende weil liebende Hand an als einzige Chance für die Umkehr und Erneuerung seines Lebens.

Bedenken deshalb auch wir im Hinblick auf alles, was wir in unserem Leben nicht mögen, dass der Herr gerade deswegen auf der Suche nach uns ist. Dies ist der Zündfunke für das Heilwerden in unserem Leben. Hier kann Umkehr und Heimkehr beginnnen. So entzündet die Macht seiner Liebe unsere Liebe zu ihm, zueinander und zu uns. Lassen wir uns von der Liebe Gottes finden, treffen und entflammen! Amen!

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