Samstag, August 14, 2010

Aufgenommen in den Himmel




Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1:39 - 56



39 Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.


40 Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.


41 Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt


42 und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.


43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?


44 In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.


45 Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.


46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,


47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.


48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.


49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.


50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.


51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;


52 er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.


53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.


54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,


55 das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.


56 Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.


Mitten in der Fülle des Sommers feiern wir heute ein Fest der Lebensfülle. Wir feiern, dass Maria die Fülle ihres Lebens erreicht hat – dadurch, dass ihr diese Fülle geschenkt wurde. Die Fülle, die Maria erreicht und lebt, besteht in ihrem Sein bei Gott: dieses Sein bei Gott ist umfassend: es betrifft ihre ganze Person: ihren Geist, ihre Seele, ihren Leib. Und es ist ewig.


Wir feiern, dass Gott eine Frau groß macht, die ihn zeitlebens groß gemacht hat; darauf weist das Lied hin, das sie im Evangelium anstimmt: „Groß macht meine Seele den Herrn!“ Das ist kein bloßes Lippenbekenntnis sondern Ausdruck eines Lebens, das umfassend ausgerichtet war, Gott den Vorrang zu geben. Diesen Vorrang hat Gott genützt, Großes an dieser Frau Maria zu tun, indem er sie zur Mutter seines Sohnes macht, zu dessen Weggefährtin, zur Mutter der Kirche und schließlich zur Vollendeten in seiner Herrlichkeit.


Gott hat jene Frau groß gemacht, die ihn in ihrem Leben groß sein hat lassen.


Dieses einander Großmachen ist ein Geschehen, in dem wir mitten drinnen stehen; denn wir sind voll betroffen davon; es geschieht uns zum Guten; es ist ein Segen für uns: Dass Jesus ihr Sohn unser Heiland und Erlöser ist; dass sie als Mutter der Kirche auch unsere Mutter ist; dass sie als bei Gott Vollendete uns zum Ziel gegeben, als letzte Markierung auf unserem Lebensweg hier auf Erden.


Denn was an Maria geschieht ist für uns eine Hoffnung, dass auch wir, ihre Kinder, in diese Herrlichkeit bei Gott gelangen. In ihrer Vollendung wird unsere Vollendung vorweggenommen. Dass sie in den Himmel aufgenommen wurde soll uns erneut auf den Himmel ausrichten, dass wird dort das Ziel unseres Lebens suchen; dass wir den Himmel erneut als Leben mit Gott und bei Gott entdecken; dass wir diesen Himmel als zeitliches Ende unseres Erdenlebens sehen und zugleich als Wirklichkeit, die unsere jeweilige Gegenwart hier auf Erden aufbrechen und wandeln möchte in eine himmlische Welt; in eine Welt, die vom Geist Gottes geprägt ist; in eine Welt, in der die Menschen von uns Christen staunend sagen: seht, wie sie einander lieben!


Der Himmel ist eine nahe Größe; er ist so nahe wie Gott nahe ist! Darum macht die Caritas gerade an diesem Tag auf Zustände aufmerksam, in denen der Himmel nicht da ist. Sie will uns Gelegenheit geben, den Himmel ein Stück weit wirklicher werden zu lassen.


Zugleich will sie uns anregen, die Wirklichkeit des Himmels in unserem Alltag als wesentlichen Bestandteil unseres christlichen Lebens neu zu entdecken: Wo entdecke ich diesen Himmel; wo fehlt er oder wo ist verkümmert; wo kann ich dem Himmel wieder auf die Beine helfen.


In diesem Sinne will Maria im Himmel uns zu himmlischen Existenzen hier auf Erden machen. Und wir dürfen uns gewiss sein, dass sie die Freude am Himmel erst dann völlig ungetrübt genießen wird, wenn alle ihre Kinder im Himmel sind – sei es dort bei ihr oder hier auf Erden.

Das heutige Fest ist eine Erinnerung an den Himmel und dass der Himmel dort ist, wo Gott wohnt. Es offenbart unser Leben als einen Weg zum Himmel insofern dieser Weg zu Gott führt; und es offenbart unser Leben als ein Leben im Himmel insofern es ein Weg ist, den wir zusammen mit Gott gehen; und es offenbart den Weg zum Mitmenschen als einen himmlischen Weg, da Gott in ihm wohnt.


Das heutige Fest wirft einen himmlischen Glanz auf unser Leben – mag es auch noch von Dunkelheiten begleitet sein. Es ist wie die Corona bei einer Sonnenfinsternis: Sie sagt mir, dass das Dunkel vorübergeht und das Licht wieder in seiner Fülle leuchten wird. Es sagt mit den Worten der Schrift: „Ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis.“ (1Thes 5:5)


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