Samstag, Juli 24, 2010

Wenn ihr betet ...



Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 11: 1 – 13

1Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.
2Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
3Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
4Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
5Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
6denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!,
7wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
8Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
9Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
10Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
11Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,
12oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
13Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.





Das Beten Jesu hat seine Jünger beeindruckt. Auch sie wollen beten wie er und bitten ihn, er möge sie das Beten lehren. Sein Beispiel hat sie angesteckt und für sein Beten begeistert. Folgen wir der Gebetslehre, die Jesus seinen Jüngern nun erteilt.

In seiner Gebetslehre fordert er sie zuerst zu einem Gespräch auf: „Wenn ihr betet, sprecht!“ Gebet zuerst einmal ein Gespräch! Dies setzt Bereitschaft voraus, sich mitzuteilen und dass etwas da ist, über das ich reden kann und reden will. Was ist da in mir, das sich in Worte kleiden und im Gespräch mitteilen möchte? Drängt da etwas aus meinem Inneren heraus zu einem anderen hin?

Die Antwort auf diese Frage wird mitbestimmt durch meinen Gesprächspartner. Meine Einstellung zu ihm wird meine Gesprächsbereitschaft wesentlich bestimmten. Darum nennt Jesus sogleich, an wen sich unsere Rede richtet; wer unser Gesprächspartner ist. Er nennt nur ein Wort: Vater! Eine Person. Ein Vater. Dies bestimmt mich indirekt als Kind.
Gebet das Gespräch eines Kindes zum Vater. Diese Vater-Kind-Beziehung gibt dem Gespräch, dem Beten eine eigene Prägung.

Diese Prägung bekommt nochmals eine eigene Note dadurch, dass dieser Vater nicht irgend ein Vater ist sondern der Vater Jesu und damit Gott selber. Dieser Umstand macht mein Sprechen zum Beten. Für mich gilt es, mir diesen Umstand immer wieder bewusst zu machen. Es ist für mich die Quelle meiner Gebetshaltung, zu wissen, dass ich mit dem Vater Jesu spreche, und dass dieser Vater der allmächtige und verborgene und unaussprechliche Gott Israels ist. Diesen Gott darf ich Vater nennen. Dies holt den unnahbaren, erhabenen Gott in vertraute Nähe. Durch Jesu Lehre und also in seinem Namen wird diese Nähe für uns lebbar.

Beten also Gespräch – und das mit Gott. Um Gottes willen, würden wir, auf uns allein gestellt, ausrufen: Worüber sollen wir Kleine denn mit dem großen Gott sprechen? Paulus sagt es ganz ungeschminkt: „Wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen.“ (Röm 8:26)

Jesus weiß um unsere Hilflosigkeit und gibt die Eckdaten für unser Gespräch mit dem Vater an: „Geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme!“ Zuerst der Name und das Reich des Vaters! Damit zeigt Jesus, was vor allem anderen zählt. Zugleich steckt er damit den Rahmen ab für das Kommende. Die weiteren Bitten sollen die Heiligung des Gottesnamens und das Kommen seines Reiches ausdrücken.

Bei seinen Jüngern muss es sein wie bei ihm selber: Zuerst muss es um Gottes Reich und seine Gerechtigkeit gehen, dann wird alles andere dazugegeben. (vgl. Lk 12:31)
Das Vaterunsergebet ist geraffte Verkündigung des Reiches Gottes.

Und diese weiteren Bitten betreffen unser Wohlbefinden: Das leibliche Wohl; Versöhnung und Frieden mit Gott und miteinander; die Bewahrung vor dem Bösen.

Dabei ist unser Wohlbefinden nicht nur allein unser Anliegen! Es ist zuerst Anliegen Gottes! Denn dazu lässt er sein Reich kommen, dass es uns umfassend gut geht! Zu unserem Heil will er in unsere Mitte kommen und unter uns wohnen – wie er es denn auch in Jesus Christus getan hat.

Es ist beim Beten unerlässlich, „unsere“ Anliegen auch als „seine“ Anliegen vorzubringen, sie auf diese Weise mit dem Kommen seines Reiches zu verbinden und Gott gleichsam „in Erinnerung“ zu rufen, dass unser Leben sein Herzensanliegen ist.

Tun wir dies nicht, werden wir von unseren Anliegen besetzt und verlieren zugleich Gott und sein Reich aus unserem Herzen.

Wir kommen an das Ende von Jesu Gebetslehre: Wir hörten von den Gesprächspartnern und vom Inhalt des Gespräches. Bleibt noch die innere Haltung, die Jesus beim Beten empfiehlt: Aufdringlichkeit; lästig sein, bis ich erhalte, worum ich bitte. Jesus legt uns diese Haltung sehr ausführlich ans Herz, weil er weiß, dass es da bei uns besonders hapert.

Mit seiner Gebetslehre gibt Jesus uns sein Gebetsleben als Vorbild zur Nachahmung; mit dem Vorbild gibt er auch die Kraft, es nachzuahmen. Danke, Jesus! Amen!

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